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Deutlicher Wahlsieger: Emmanuel Macron (© Getty Images)
Deutlicher Wahlsieger: Emmanuel Macron (© Getty Images)
Aktienmärkte
12.05.2017

„Der DAX ist überbewertet, das Niveau ist aber nachhaltiger als bei der letzten Rallye 2015“, meint Patrick Harms, Analyst der HSH Nordbank.

An den Aktienmärkten ging es in dieser Woche erneut nach oben. In den drei von uns analysierten Indizes kann die Veröffentlichung der Unternehmenszahlen für das erste Quartal als Erfolg gewertet werden. In den USA hat man die Gewinnrezession endgültig hinter sich gelassen und in DAX, Eurostoxx 50 und S&P 500 fielen sowohl die Umsätze als auch die Gewinne deutlich stärker aus als von Analysten zuvor erwartet wurde. Darüber hinaus haben vor allem die europäischen Indizes noch einmal Rückendwind von der Frankreichwahl erhalten. Der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron erzielte im zweiten Wahlgang im Duell mit der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit über 66 % ein deutlich stärkeres Ergebnis als die Umfragen es zuvor abbildeten. Die Wahl wurde zu Beginn des Jahres als zentrales politisches Risiko für die Eurozone identifiziert. Durch die Wahl Macrons wurde das Angstszenario nun durch die Hoffnung auf einen wirklichen Reformpräsidenten ersetzt, was die Finanzmärkte freut. Der S&P 500 konnte im Vergleich zur Vorwoche 0,4 % zulegen, der Eurostoxx 50 knapp 1,3 % und der DAX sogar 1,6 %. Damit hat der deutsche Aktienindex mit zwischenzeitlich 12.783 Punkten wieder ein neues Rekordniveau erreicht.

Obwohl der DAX in dieser Woche wieder neue Rekordhöchststände erreicht hat, erscheinen diese Niveaus nachhaltiger als bei der letzten Rallye im Jahr 2015. Denn die Kursgewinne sind deutlich stärker als damals durch eine bereits realisierte Entwicklung der Fundamentalwerte (Umsätze, Buchwert, Gewinne) gerechtfertigt. Zum anderen sind unten aber auch die Bewertungen in einigen Einzelsektoren anhand des Kurs/Gewinn-Verhältnisses abgebildet. Daran lässt sich erkennen: Die jüngsten Zuwächse bei den Bewertungsniveaus sind nicht über den ganzen Index hinweg gleichverteilt. Im Vergleich zum letzten Jahr konnten vor allem der Gesundheits- und der Automobilsektor (ohne Volkswagen) seine Bewertungsniveaus nicht deutlich steigern. Beide Sektoren sind sogar weniger hoch bewertet als noch vor einem Jahr. Vor allem bei den Autobauern liegt dies an den eher düsteren Erwartungen, die bei den Investoren bezüglich der zukünftigen Geschäftsentwicklung vorherrschen. In den übrigen Industriesektor – Materials und Industrials – sind die Bewertungsniveaus hingegen deutlich angestiegen. Dieser Unterschied könnte so interpretiert werden, dass unter normalen Umständen der Index deutlich höher bewertet wäre als der Durchschnitt aller Sektoren es abbildet. Die Schlussfolgerung aus dem Über- und Unterbewertungsmodell, dass der DAX nicht stark überbewertet ist, ist daher mit Vorsicht zu genießen.

Am Freitag wird das deutsche BIP-Wachstum veröffentlicht. Da das Wachstum in der Eurozone mit 0,5 % QoQ bereits vergleichsweise hoch war und aus Frankreich nur 0,3 % QoQ gekommen sein dürften, könnte Deutschland noch einmal positiv überraschen, wovon der DAX gegebenenfalls noch profitieren könnte. Im Allgemeinen dürfte sich der Fokus wieder auf die Wirtschaftspolitik verlagern. Indizien für einen schnelleren Zinsanhebungskurs der Fed etwa könnten die Aktienmärkte treffen, da die gegenwärtig hohen Bewertungsniveaus nur bei sehr niedrigen Zinsen attraktiv wirken.