SUCHE

Schuldscheine werden vermehrt auch international genutzt (© Getty Images)
Schuldscheinmarkt
02.05.2017

Attraktive Zinsen sorgen bei Schuldscheinen für Zulauf. Emissionen von Firmen mit solider Bonität bleiben 2017 attraktiv. Ein wichtiger Vorteile der Schuldscheine nach deutschen Recht ist der geringe Aufwand, im Vergleich zu Aktien oder Anleihen.

Wenn es in der Finanzwelt ein „urdeutsches“ Produkt gibt, dann ist es der Schuldschein. Selbst angelsächsische Marktteilnehmer führen dieses Produkt unter dem deutschsprachigen Begriff. Dennoch werden Schuldscheine vermehrt auch international genutzt, sowohl Schuldner- als auch Investorenseitig. So emittierten 2016 Etihad Airways und der spanische Baukonzern Acciona Schuldscheine. „Der gesamte Corporate Sektor profitiert aktuell von der im Markt befindlichen hohen Liquidität und der positiven gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Hierdurch hat sich auch der Schuldscheinmarkt in den letzten Jahren belebt und die Kreditmargen sind deutlich gesunken“, sagt Jan Eibich, Leiter Debt Capital Markets der HSH Nordbank. „Es treten mehr Arrangeure auf den Plan, und wir sehen neue Emittenten aus dem Ausland.“

Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erreichte 2016 der Anteil der Emittenten aus dem Ausland 41 Prozent – in vorderster Reihe fanden sich Emittenten aus Frankreich, Österreich und der Schweiz. Dass neue Schuldschein-Angebote häufig noch überzeichnet sind und die Orderbücher vorzeitig schließen, wertet Eibich als Zeichen für die Aufnahmefähigkeit des Marktes. Die Anzahl der Transaktionen stieg von 2014 bis 2016 besonders bei Emissionen mit einem Wert über 200 Millionen Euro stark an. Belief sich das Transaktionsvolumen im Jahr 2014 noch auf 10,07 Milliarden Euro, waren es 2016 bereits über 26 Milliarden Euro. Da einige Transaktionen nicht öffentlich gemacht werden, kann der tatsächliche Wert sogar noch höher liegen. Das Durchschnittsvolumen eines Schuldscheins betrug 2016 ca. 222 Millionen Euro, auch hier zeigte sich eine Steigerung gegenüber 2015, wo der Querschnittwert bei 181 Millionen Euro gelegen hatte.

Boom der „Jumbo-Schuldscheine“

Vermehrt wurden auch so genannten „Jumbo-Schuldscheine“ emittiert, darunter etwa ein Schuldschein mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro, den Fresenius platzierte. Eine deutsche Airline wiederum sammelte 2016 mit dem größten Schuldschein ihrer Firmengeschichte sogar 1,2 Milliarden Euro ein. „Es gibt pro Jahr immer nur eine Handvoll Jumbo-Schuldscheine,“ sagt Eibich. „Aber ohne sie wäre die Steigerung des Marktvolumens nicht denkbar.“ Hinter dem Wachstum bei den großen Emissionen steckt auch ihr verstärkter Einsatz als Refinanzierungsbestandteil bei Übernahmen oder Fusionen. Dabei kommt den Schuldscheinen zugute, dass sie gegenüber Anleihen ein höheres Sicherheitsprofil aufweisen, was durch die derzeit stabile Konjunktur unterstützt wird. „Ausfälle sind extrem selten, bewegen sich historisch auf einem sehr niedrigen Niveau,“ sagt Eibich. Das unterscheidet sie vor allem vom umstrittenen Markt der Mittelstandsanleihen, in dem es zu Ausfällen in Folge von Insolvenzen gab.

Für den Schuldscheinmarkt sind vor allem Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz und einer Verschuldung von maximal dem vierfachen des Ebita geeignet. Anhand der Überzeichnungen kann man zudem erkennen, dass die „Hidden Champions“ aus dem deutschen Mittelstand bei Investoren besonders beliebt sind. „Transaktionen von Unternehmen mit solider Bonität bleiben im aktuellen Nachfragemarkt weiterhin gesucht“, sagt Eibich, der für 2017 etwas weniger Neuemissionsvolumen erwartet. Die LBBW rechnet für das Jahr mit einem Volumen von 20 bis 25 Milliarden Euro.

Ein wichtiger Vorteil der Schuldscheine nach deutschen Recht ist der geringe Aufwand, im Vergleich zu Aktien oder Anleihen. „Bei diesen Wertpapieren bedarf es einer umfangreichen Dokumentationsleistung“, sagt Eibich. „Bei Schuldscheinen ist diese viel geringer, oft umfassen die Dokumente nicht mehr als 20 Seiten.“ Der geringe Dokumentationsaufwands und die günstigen Zinskosten machen Schuldscheine auch für große Mittelständler attraktiv.

Schuldscheine als Blockchain-Thema

Auch wenn Schuldscheine internationaler werden und auch ausländische Banken auf den Markt drängen, gilt die Emissionen von Schuldscheinen derzeit als eine Domäne der deutschen Landesbanken. Die Institute in Süddeutschland und Hessen decken nahezu die Hälfte des gesamten Marktes ab. Auch die HSH Nordbank arrangiert Schuldscheindarlehen in Deutschland, analysiert den Markt kontinuierlich und arbeitet an der Weiterentwicklung des Marktes. So wählte die HSH Nordbank als ersten Blockchain-Case das Thema Schuldscheine aus. „Schuldschein-Darlehen eignen sich hervorragend für diese Technologie“, sagt Yoram Matalon, Bereichsleiter Transaction Banking der HSH Nordbank. Denn für die nächste Generation der Blockchain 2.0 sind vor allem die sogenannten Smart Contracts aussichtsreich – intelligente Verträge in einer programmierbaren Computerform, die sich selbst überwachen und selbstexekutierend sind.