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Um Donald Trump wurde es in Taormina einsam (© Getty Images)
Handelsbeziehungen USA
31.05.2017

Donald Trumps heftige Kritik am deutschen Handelsüberschuss mit den USA überschattete den G7-Gipfel auf Sizilien.

Um den deutschen Handelsüberschuss mit den USA gab es in der letzte Woche einige Diskussionen. Die unterschiedlichen Standpunkte, vertreten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump, prallten auch auf dem G7-Gipfel auf Sizilien aufeinander. Statistisch lässt sich Trumps negative und verkürzte Darstellung der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen nicht belegen, wie Zahlen des Verbindungsbüros des Bundesverbands der Deutschen Industrie und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (RGIT) zeigen: Demnach profitieren 4700 Unternehmen in den USA von deutschen Kapitalbeteiligungen. Mit seinen Direktinvestitionen im Gesamtwert von rund 255 Milliarden US-Dollar rangiert Deutschland unter den zehn wichtigsten Investoren in den USA. Deutsche Tochterunternehmen schaffen über 672.000 Arbeitsplätze in den USA und spielen somit für Arbeitnehmer und deren Familien eine wichtige Rolle.

Einbrüche nach Krisen

Im Zeitraum von 1994 bis 2016 übertrafen die deutschen ausländische Direktinvestitionen in den USA die amerikanischen in Deutschland fast durchgängig. Diese Investitionen deutscher Unternehmen in den USA sind ein wesentlicher Faktor für die Beschäftigung und die US-Produktion. „Größere Einbrüche ergaben sich vor allem nach politischen Krisen, geopolitischen Ereignissen und Rezessionen“, sagt Marius Schad, Analyst der HSH Nordbank. So gingen die deutschen Direktinvestitionen nach 9/11, im Zuge der globalen Finanzkrise 2007/2008 und besonders nach der Wahl Donald Trumps signifikant zurück. Der Einbruch nach der US-Wahl 2016 war dabei besonders eindrucksvoll. In Zeiten konjunktureller Expansion investieren deutsche Unternehmen in den USA jedoch tendenziell mehr als ihre amerikanischen Gegenüber. Ein singulärer Blick auf die Handelsbilanz scheint die Aussage von Trump zu stützen. Bezogen auf einen Zeitraum ab 1985 lieferte Deutschland grundsätzlich als Exportweltmeister mehr Güter in die USA als US-Unternehmen nach Deutschland. In der Handelsbilanz beider Staaten übertreffen die deutschen Exporte in die USA die US-Importe Deutschlands bei weitem. Besonders im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Bilanz weiter verschärft. Das US-Handelsbilanzdefizit mit Deutschland ist signifikant angeschwollen, auch wenn es sich zuletzt etwas abschwächte.

Handelsbilanz USA/Deutschland

(linke Achse: deutsche Exporte nach USA und US-Exporte nach Deutschland, rechte Achse: Handelsbilanz, Angaben in Millionen US-Dollar; Quelle: US-Zensusbüro)

US-Handelsbilanzdefizit mit Deutschland ist signifikant angeschwollen

US-Handelsbilanzdefizit mit Deutschland ist signifikant angeschwollen

Im Zentrum der Kritik der US-Regierung an Deutschland steht auch der Wechselkurs. Eine häufige Formulierung ist, dass der Euro unterbewertet sei und so deutsche Exporte in die USA fördern würde. Diese Ansicht ist umstritten, da ein deutscher Exportüberschuss in die USA sowohl in Zeiten von starkem Dollar (Anfang 1980er und Ende 1990er) als auch in Zeiten vom schwachen Dollar (2005 bis 2009) auftrat. Es spricht möglicherweise einiges dafür, dass US-Verbraucher deutsche Produkte unabhängig von der Wechselkursentwicklung nachfragen. Dies wiederum kann als Ausdruck der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie interpretiert werden.

Fazit: Deutsche Investitionen bleiben ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in den USA. Die unausgewogenen Handelsströme resultieren nicht aus der Euro-Schwäche oder unfairen Handelsbedingungen, sondern sind eher ein Ergebnis der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie. Hier müsste eine kluge Wirtschaftspolitik ansetzen und Rahmenbedingungen schaffen. Denn letztendlich entscheidet maßgeblich das Verbraucherverhalten, welche Güter ihren Weg in die USA finden. Fest steht, dass die starken wirtschaftlichen Beziehungen beiden Seiten nützen. Deutschland war 2016 im Warenhandel der sechstgrößte Absatzmarkt für die USA. Deutsche Verbraucher schätzen innovative Produkte „Made in USA“. Zudem helfen Investitionen von US-Unternehmen wie Ford, General Electric oder McDonald’s dabei, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.