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Die vernetzte Fabrik sorgt für eine verbesserte Produktion und Energiebilanz (© Getty Images)
Hannover Messe

Hersteller demonstrieren anhand konkreter Beispiele, welche Produktionssteigerungen sich durch die Vernetzung von Fabriken und Maschinen erreichen lassen

Wie auf den Veranstaltungen der Vorjahre legt die Hannover Messe (24.04. bis 28.04.) auch in diesem Jahr einen Fokus auf innovative Technologien mittelständischer Unternehmer. Ein Beispiel dafür sind die „Cobots“ („collaborative Roboter“) des Esslinger Herstellers Festo – fortgeschrittene Roboter, die dafür ausgelegt sind, mit einem Menschen an der Werkbank gemeinsam zu arbeiten. Dass der Mittelstand, allen voran die sprichwörtlichen „Hidden Champions“ zu den Treibern von Innovation in Deutschland zählen, wird auf der diesjährigen Hannover Messe wieder deutlich. Mittelständische Unternehmer knüpfen nicht nur Geschäftskontakte, sondern finden hier Inspiration sowie hochkarätig besetzte Podien und Expertenvorträge vor. Wie auf der CeBIT finden auch auf der Hannover Messe wieder Firmengespräche zu aktuellen Themen rund um die Digitalisierung statt, die auf das Interessenfeld von mittelständischen Unternehmern zielen. Informationsveranstaltungen thematisieren „IT-Sicherheit in der Produktion“, „Produktionscontrolling im Zeitalter von Industrie 4.0“ oder „Anwendungen von Big Data und Data Mining in Produktion und Logistik“. Dass die Digitalisierung der Industrie auf der Hannover Messe bis zum kommenden Freitag dabei besonders im Fokus steht, ist nicht weiter erstaunlich. Steht das Thema „Industrie 4.0“ für viele Branchenbeobachter doch gleichbedeutend für Wachstum. Der Umsatz mit Lösungen für die Industrie 4.0 werde allein in diesem Jahr um 21 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro steigen, teilte der Branchenverband Bitkom zum Start der Messe mit. Auch für 2018 erwarte man einen Zuwachs von mehr als 22 Prozent. Damit beschleunige sich das Wachstum trotz des bereits erreichten hohen Niveaus. „Die Digitalisierung der industriellen Produktion ist das Wachstumsthema schlechthin“, sagte Winfried Holz, Mitglied des Bitkom-Präsidiums. „Die Zahlen und die vollen Auftragsbücher der Industrieunternehmen zeigen die Potenziale der Digitalisierung in den Fabriken auf. Die stärkste Steigerung bei der Nachfrage nach entsprechenden Lösungen verzeichne die Branche derzeit im Maschinen- und Anlagenbau.

So funktioniert die vernetzte Fabrik

Wie Industrie 4.0 Werte für Unternehmen schaffen kann, demonstrierte Stefan Aßmann, Leiter Bosch Connected Industry, am Beispiel eines selbstlernenden Systems auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Messe. „Wir fertigen weltweit an 11 Standorten Bremsregelsysteme und haben es durch Vernetzung der Fabriken und Maschinen geschafft, binnen fünf Jahren die Produktivität zu verdoppeln“, sagte Aßmann. „Wenn etwa eine Schweißstation in Indien ein halbes Prozent besser arbeitet, wird dies an allen anderen Stationen des weltweiten Netzwerks automatisch visualisiert und kann entsprechend angepasst werden.“ Mit der Vernetzung ließen sich zudem Energie- und Lagerkosten sparen. Das Fortschreiten von Industrie 4.0 sorge allerdings dafür, dass die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter stiegen. Bosch beschäftige derzeit rund 20.000 Software-Entwickler, fast jede zweite ausgeschriebene Stelle habe mit Software zu tun. Denn mit Industrie 4.0 können die komplexen Produktionsprozesse der Elektronik-Branche fast in Echtzeit überwacht und gesteuert werden. „Unternehmen mit einer intelligent vernetzten Produktion und durchgehend digitalisierten Prozessen werden in den kommenden Jahren überdurchschnittlich wachsen“, glaubt Holz. Dafür sei es aber wichtig, schon heute dafür die Weichen zu stellen. Ganz oben auf der Agenda stehe der Breitbandausbau, branchenübergreifende Standards für die Vernetzung sowie Regeln für Datenschutz und Datensicherheit. Diese Voraussetzungen gelten ebenso für den Einsatz von Künstliche Intelligenz, der sich laut einer McKinsey-Studie zum Wachstumsturbo für die deutsche Industrie entwickeln könnte: Bis 2030 könnte der Studie zufolge Deutschlands Bruttoinlandsprodukt durch konsequenten Roboter- und Computer-Einsatz um bis zu vier Prozent oder 160 Milliarden Euro höher liegen als ohne ihn – das bedeutet ein zusätzliches jährliches Wachstum von 0,25 Prozentpunkten.