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USA verstärken ihre militärische Präsenz auf der koreanischen Halbinsel (©GettyImages)
Rentenmärkte
21.04.2017

„Die außenpolitischen Entwicklungen haben die innenpolitischen Diskussionen abgelöst“, so HSH-Analyst Marius Schad.

In den USA haben die außenpolitischen Entwicklungen die innenpolitischen Diskussionen um Steuerprogramm, Gesundheitsreform und Infrastrukturausgaben als Treiber der Zinsmärkte abgelöst. Zuletzt haben die USA ihre militärische Präsenz auf der koreanischen Halbinsel mit der Entsendung eines weiteren Flugzeugträgers verstärkt und demonstrieren Stärke im sich androhenden Konflikt mit Nordkorea. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen fielen angesichts des Destabilisierungspotentials und dem Sicherheitsbedürfnis vieler Marktteilnehmer in der vergangenen Berichtswoche zum ersten Mal seit November 2016 unter die Marke von 2,20 %.

Zusätzlich wirkten sich die jüngsten US-Konjunktur- und Inflationsdaten belastend auf die Renditen aus. Die Einzelhandelsumsätze für den März gingen stärker zurück als erwartet. Auch die CPI Inflation expandierte im zurückliegenden Monat nicht wie im prognostizierten Maße, ohne die Preisentwicklung für Nahrungsmittel und Energie sogar nur um 2,0 %. Ein dauerhafter Rückgang im Preisauftrieb könnte die Aussichten auf eine Zinserhöhung beim nächsten Notenbanktreffen erheblich unterminieren. Schon jetzt sind die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt der Fed im Juni basierend auf den US-Zinsfutures auf 50 % zurückgegangen. In der kommenden Woche werden der US-Häusermarkt sowie die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter weiteren Aufschluss zur Robustheit der US-Konjunktur geben, für die der IWF mit seiner jüngsten Wachstumsprognose von 2,3 % relativ optimistisch ist.

Innerhalb der europäischen Anleihemärkte sind vor dem ersten Wahlgang am Sonntag die französischen Präsidentschaftswahlen das dominierende Ereignis. Der sich andeutende Vierkampf um den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai und die engen Umfragewerte lassen viele Szenarien zu. Das offene Rennen um die Präsidentschaft spiegelt sich entsprechend in den zehnjährigen französischen Anleiherenditen wieder, deren Spread zur gleichlaufenden Bundesanleihe mit 73 bp nahe ihrem Fünf-Jahres-Hoch notieren. Auch im kurzfristigen Bereich gibt der Spread zwischen den zweijährigen französischen und deutschen Staatspapieren einen Fünf-Jahres-Höchststand wieder (50 bp).

Dies signalisiert ein erhebliches Maß an Nervosität unter Anleiheinvestoren. Ausgelöst durch einen Wahlerfolg eines rechts- oder linksextremen Kandidaten, dürften signifikante Ausweitungen in den Spreads zu beobachten seien. Besonders das Einziehen beider Extremkandidaten in die Stichwahl, wenngleich unwahrscheinlich, ist als Stressszenario zu identifizieren. Investoren würden hierauf mit einem blitzartigen Abverkauf von französischen Staatstiteln und einer Flucht in Bundesanleihen reagieren. Entsprechend könnten sich die langfristigen Anleihespreads ihrem Eurokrisen-Level von 2012 annähern (146 bp). Kurzfristige Stützungsmaßnahmen seitens der EZB über eine Reaktivierung des OMT-Programms wären in diesem Szenario wahrscheinlich. Unser Fokus auf S. 7 geht detailliert auf die Wahl in Frankreich ein.