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Macron lag im ersten Wahlkampf vorn (© Getty Images)
Wochenbarometer
28.04.2017

„Die Quartalszahlen einiger DAX-Unternehmen übertrafen die Erwartungen, was weiteren Auftrieb gab“, meint Patrick Harms, Analyst der HSH Nordbank.

Die Aktienmärkte haben in dieser Woche auf breiter Front zugelegt. Hauptgrund für die spontanen und hohen Zugewinne war das für die Märkte erfreuliche Ergebnis des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahl in Frankreich, wo sich der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron mit etwa 24 % und die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 21 % der Stimmen für den zweiten Wahlgang qualifizierten. Im Duell gegen Marine Le Pen liegt Macron in den Umfragen mehr als 20 Prozentpunkte vorne. Dass sich Le Pen für den zweiten Wahlgang qualifizieren würde, war an beinahe allen Umfragen abzulesen. Da der Rückstand in den Umfragen auf Macron aber deutlich größer ist als auf alle anderen Kandidaten, gibt das Ergebnis ein vergleichsweise hohes Maß an Sicherheit, dass nun ein für die Finanzmärkte und die Eurozone zersetzendes Ereignis ausgeschlossen werden kann. Alle relevanten Assetklassen, an denen im Vorfeld der Wahlen ein Anstieg des Risikos zu beobachten war, entspannten sich: Die Spreads zwischen langfristigen französischen und deutschen Staatsanleihen gingen bereits am ersten Handelstag um 21 Basispunkte zurück, der Euro gewann 2 % gegenüber dem Dollar und die französischen Aktienmärkte legten merklich zu. Der DAX stieg um 4 % auf über 12400 Punkte und übertraf damit das bisherige Rekordniveau von 2015 deutlich. Der Eurostoxx legte – auch aufgrund der französischen Unternehmen – 4,3% zu und der S&P 500 gewann knapp 1,9 %. Im DAX wurden darüber hinaus die Quartalszahlen von einigen DAX-Schwergewichten veröffentlicht. Mit Ausnahme von der Deutschen Bank und SAP übertrafen die bisherigen Ergebnisse die Analystenschätzungen und gaben dem DAX weiteren Auftrieb.

Mit dem beruhigenden Ergebnis der Frankreichwahl ist nun in Europa nach der Wahlschlappe für Geert Wilders in den Niederlanden wohl auch das zweite große politische Risiko überwunden. Politische Risiken – vor allem diese beiden – wurden zu Jahresbeginn von vielen Analysten als das größte Problem der ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone genannt. In den USA hingegen wurden vor allem die positiven Aspekte der neuen Regierung gesehen. Diese Einschätzung hat sich an den Märkten bereits geändert: Nimmt man das KGV zum Maßstab, hat sich die Bewertung des Eurostoxx im Vergleich zum S&P 500 deutlich erhöht. Nach der US-Wahl lag das Bewertungsniveau in der Eurozone nur noch bei 85 % der US-Niveaus, nun sind die beiden Indizes Maß wieder in etwa gleich bewertet. Wir gehen davon aus, dass bei dieser Entwicklung noch Potential nach oben ist. Insbesondere dann, wenn die Parlamentswahlen in Frankreich im Juni ein für den dann wahrscheinlichen Präsidenten Macron ein erfreuliches Ergebnis bringen. Zudem könnten ein schnellerer Zinsanhebungszyklus der Fed und wirtschaftspolitische Rückschläge der Trump-Administration europäische Aktien relativ zu den US-amerikanischen attraktiver machen. In der kommenden Woche wird weiter auf die Umfragen zur Frankreichwahl zu achten sein, die sich im ersten Wahlgang als zielsicher erwiesen. Im DAX wird die Berichtssaison weiter gehen. Von der EZB-Sitzung erwarten wir keine geldpolitische Neuausrichtung, allerdings könnten sich einige Formulierungen im Vergleich zur letzten Präsentation ändern, da die politischen Risiken seitdem abgenommen haben.