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Der Wahlkampf in Frankreich tritt in die heiße Phase (©GettyImages)
Wochenbarometer
21.04.2017

„Sollte die Wahl schiefgehen, rechnen wir mit Einbrüchen an den Aktienmärkten und beim Euro“, meint Patrick Harms

In Europa ging der Abwärtstrend an den Aktienmärkten auch in dieser Woche weiter. Grund dafür waren wieder politische Entwicklungen: Neben dem Aufstieg des Linksradikalen Jean-Luc Mélenchon in den Umfragen, der den Wahlausgang in Frankreich noch weniger berechenbar macht, dürfte das Ausrufen von Neuwahlen in Großbritannien die größte Rolle gespielt haben. Jetzt steht aber vor allem die Wahl in Frankreich (erster Wahlgang am Sonntag, 23. April) im Fokus der Investoren und dürfte auch in den kommenden Wochen einen großen Einfluss auf das Marktgeschehen ausüben. Wiederum profitierten weniger risikoreiche Anlageformen wie zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland und den USA, deren Renditen auf das niedrigste Niveau seit der US-Präsidentschaftswahl im November gefallen sind, der Yen und Gold. So verlor der Eurostoxx 50 etwa 0,9 % und der DAX knapp 1,1 %. Weniger stark betroffen von diesen Events waren die US-Märkte, die in dieser Woche zwar auch verloren, allerdings in geringerem Ausmaß (-0,2 %). Grund ist hier der eher enttäuschende Start einiger Geldhäuser in die Berichtssaison für das zweite Quartal.

Die Grafiken unten zeigen die implizite Volatilität im französischen Leitindex CAC 40 (VCAC) sowie im DAX 30 (V1X) und den Spread zwischen langfristigen französischen und deutschen Staatsanleihen. Die Volatilität – die in beiden Indizes historisch einen Normalwert von 20 annimmt – war im letzten Jahr auf unterdurchschnittlichem Niveau. Auffällig ist, dass sich die Volatilität im DAX und im CAC grundsätzlich auf sehr ähnlichen Levels bewegt. Dies ist seit dem letzten Monat nicht mehr der Fall. Nach einem Ausbruch nach unten Anfang März hat sich die Volatilität in den letzten Wochen deutlich erhöht. Vor allem im französischen Index ist sie kräftig angestiegen und liegt nun auf einem deutlich höheren Niveau als nach der Wahl Donald Trumps im November und auf dem höchsten Niveau seit dem EU-Austrittsvotum Großbritanniens im Juni letzten Jahres. Die Spreads zwischen langfristigen deutschen und französischen Staatsanleihen sind in den letzten Wochen ebenfalls auf einem höheren Niveau. Seit Februar etwa haben sich die Spreads deutlich ausgeweitet und sind derzeit mehr als doppelt so hoch wie etwa im Herbst letzten Jahres. Grund für die deutliche Ausweitung ist der Anstieg der Wahrscheinlichkeit eines negativen Ergebnisses der Präsidentschaftswahl in Frankreich vor allem seit Fillons Absturz und Mélenchons Aufholjagd in den Umfragen.

Die nächsten Tage werden in Europa ganz im Zeichen des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen in Frankreich stehen. Wir sind der Auffassung, dass größere Ausschläge an den Aktienmärkten nur dann zu erwarten sind, wenn Emmanuel Macron nicht in den zweiten Wahlgang gelangt. Worst Case für die Wahl am Sonntag wäre, wenn sich Le Pen und Mélenchon oder Fillon und Mélenchon für den zweiten Wahlgang qualifizierten. Aus unserer Sicht wäre die wahrscheinlichste Konsequenz eines der beiden Ergebnisse ein drastischer Rückgang der Aktienkurse in ganz Europa, eine deutliche Abwertung des Euro und ein erhebliches Auseinanderlaufen der Peripheriespreads in der Eurozone – Frankreich würde dann ab Sonntag zur Peripherie zählen. Wir gehen aber davon aus, dass es Emmanuel Macron – er würde laut Umfragen gegen jeden anderen Kandidaten im zweiten Wahlgang gewinnen – unter die ersten beiden schafft und damit weiterhin die besten Chancen auf die Präsidentschaft Frankreichs hat.