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Ein Familienunternehmen rechtlich zu übergeben ist eine Herausforderung (© Getty Images)
Unternehmensstiftungen
11.04.2017

Eine private Familienstiftung bietet die Möglichkeit, das Familienunternehmen vor Übernahme oder Zerschlagung zu schützen, die Kontinuität des Unternehmens zu gewährleisten und zudem auch die Einkünfte der Familienmitglieder und deren Kinder abzusichern.

Studien zur Entwicklung von Familienunternehmen belegen das aktuelle Dilemma bei der Suche nach Lösungen für eine geeignete Nachfolge: Bei rund einem Drittel aller Familienunternehmen ist die Übergabe in andere Hände derzeit noch gar nicht geregelt. Gerade einmal 20 Prozent der Studierenden aus Unternehmerfamilien sind bereit, das Familienunternehmen weiterzuführen. Der Familienunternehmer trägt eine herausfordernde Verantwortung für die Zukunftssicherung des Unternehmens, der Mitarbeiter, der Familie und des Vermögens für die nachfolgenden Generationen. Diese Verantwortung ist Lebensinhalt – und somit ist es alles andere als leicht, hier die richtige Entscheidung für die Nachfolge zu treffen. Dabei ist es ratsam, mit allen Betroffenen in den Dialog zu treten, um gemeinsame Visionen zu identifizieren und mögliche Erwartungshaltungen, Ängste und auch die Bereitschaft mitzugestalten, zu erkennen. Eine wertvolle Voraussetzung, um die nächsten Schritte bei der Prüfung möglicher Lösungen zu planen.

Ein wichtiges Thema ist hierbei die Auswirkung der Reform der Erbschaftssteuer auf das Familienunternehmen und auf die Familie. Sie lässt Deutschland im Vergleich mit anderen Industrieländern weit zurückfallen: Im Ranking der 18 Länder nimmt die Bundesrepublik die Schlussposition ein, ermittelte das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim für die Stiftung Familienunternehmen. Danach könnte sich die Erbschaftssteuer bei der Vererbung einer Kapitalgesellschaft an ein Kind verdreifachen: Von 14,7 Millionen Euro steige sie auf 43,4 Millionen Euro. Zugrunde gelegt hatten die Forscher einen typischen größeren Familienbetrieb mit gut 10 Millionen Euro Gewinn im Jahr.

Nach der Reform der Erbschaftssteuer könnten sich die Abgaben bei der Vererbung einer Kapitalgesellschaft an ein Kind verdreifachen.

Weiterhin sind auch die erbrechtlichen Rahmenbedingungen im Vorwege zu klären, um dann bei der Nachfolgegestaltung gezielte Gespräche führen zu können. Eine Unternehmensstiftung in Form einer privaten Familienstiftung bietet eine Möglichkeit, das Familienunternehmen vor Übernahme oder Zerschlagung zu schützen, die Kontinuität des Unternehmens zu gewährleisten und zudem auch die Einkünfte der Familienmitglieder und deren Kinder abzusichern. Die Gestaltung der Satzung ist eine herausfordernde Aufgabe, da eine Stiftung auf die Ewigkeit ausgerichtet ist – und es schwer ist, heute einzuschätzen, was in Zukunft wichtiger Bestandteil der Satzung sein sollte. Die Kombination einer Familienstiftung mit einer gemeinnützigen Stiftung bietet eine optimale Lösung für Familien, die gleichzeitig ihr gesellschaftliches Engagement und das ihres Unternehmens deutlicher definieren wollen. Bei der sogenannten Doppelstiftung bekommt die gemeinnützige Stiftung einen großen Teil der Unternehmensanteile. Dieser Übertrag hat steuerlich mehr Vorteile. Die Stimmrechtsgestaltung ist möglicherweise hiervon abzutrennen.

Es ist wichtig, die Unternehmensnachfolge frühzeitig zu klären

Angela Krzykowski, Leiterin Philanthropie & Stiftungen bei der HSH Nordbank

Um sich nicht zu sehr von Emotionen leiten zu lassen – in solch einer Situation wird bisweilen Geld mit Liebe verwechselt –, nutzen viele Unternehmer die Unterstützung von externen Beratern, die eine Familienverfassung mit allen Beteiligten entwickeln. Ein Prozess, der zwar ein bisschen Zeit braucht, dafür künftigen Erbstreitigkeiten vorbeugen kann. „Es ist vor allem wichtig, die Unternehmensnachfolge frühzeitig, nicht erst im Testament, zu klären“, sagte Angela Krzykowski, Leiterin Philanthropie & Stiftungen bei der HSH Nordbank. Vor dem Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden e. V. sprach sie jüngst in St. Georgen mit zahlreichen Familienunternehmern über die Chancen und Risiken von Stiftungen in der Unternehmensnachfolge.