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Marktanalyse
25.04.2017

Management Summary

Weltweit geben die Konsumenten mehr Geld für Kaffee aus. Das Bewusstsein wächst, sehr gute Qualität zu kaufen. Das wird deutlich mit einem fast achtprozentigen Umsatzplus bei den Bohnen, aus denen Espresso, Café Crema und andere Spezialitäten gemacht werden. Der Weltmarkt für Rohkaffee ist in US-Dollar nominiert. Für Handelsunternehmen und Betriebe bedeutet dies eine zusätzliche Unwägbarkeit. Die Abdeckung des Wechselkursrisikos ist neben der Finanzierung eine wichtige Aufgabe von Banken.

Während der deutsche Lebensmitteleinzelhandel von Billigangeboten geprägt ist, ist ein Niedrigpreis beim Kaffee weniger ausschlaggebend. Verbraucher legen Wert auf Qualität. HSH-Nordbank-Spezialist Phillip Voit-Avemarg über das beliebteste Getränk der Deutschen.

Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Der Trend geht dabei immer mehr zum Spezialkaffee. Wie macht sich das am Markt bemerkbar?
Phillip Voit-Avemarg: Das wird unter anderem daran sichtbar, dass das so genannte Segment „ganze Bohne“ deutlich zulegt, allein im vergangenen Jahr um 7,7 Prozent. In dem Bereich sind jene Kaffees zusammengefasst, aus denen Espresso, Café Crema und andere Spezialitäten gemacht wird.

Wird auch nachhaltiger Anbau von Kaffee wichtiger?
Phillip Voit-Avemarg: Ja, auch das ist ein Trend. Das Bewusstsein der Verbraucher wächst genau wie die Zahl derer, die sehr gute Qualität suchen. Damit steigt die Bereitschaft, für Kaffee und dessen Herstellung mehr Geld auszugeben. Das sieht man nicht nur an teuren Vollautomaten, die weit über 1000 Euro kosten können, sondern auch daran, dass manche Ketten es schaffen, einen Becher Kaffee für vier Euro zu verkaufen.

In letzter Zeit sind Kaffees aus speziellen Anbaugebieten beliebt geworden. Was zeichnet die aus?
Phillip Voit-Avemarg: Seltene Kaffees können durchaus auch mit der Situation von Wein verglichen werden. Es gibt Anbaugebiete, die wegen ihrer klimatischen Verhältnisse und der Bodenbeschaffenheit einmalig sind. Jedes Anbaugebiet hat besondere Qualitäten. Besondere Eigenheiten finden sich beispielsweise in Java, Sumatra aber auch im Jemen, die einen sind kräftiger und aromatischer, die anderen milder und runder – es gibt Kaffee für fast jeden Geschmack.

Zählt beim Kaffee also wie beim Wein das Terroir?
Phillip Voit-Avemarg: Ja, das spielt eine Rolle. Weitere entscheidende Faktoren für die Qualität sind Ernte und Trocknung der Kaffeekirsche, deren Transport, Röstung, der Mahlgrad und schließlich die Zubereitung.

Welche Faktoren bestimmen den Kaffeepreis auf den Weltmärkten?
Phillip Voit-Avemarg: Zum einen natürlich die Nachfrage – und die steigt von Jahr zu Jahr. Besonders im asiatischen und pazifischen Raum, aber auch in Europa wird stetig mehr Kaffee nachgefragt. Der Kaffeeverbrauch ist allein in den vergangenen beiden Jahren in Europa um etwa 27.600 Tonnen gestiegen. Das gilt für Standard- wie für Spezialkaffees. Auch die generellen Entwicklungen an den Rohstoffmärkten spielen eine wichtige Rolle. Dort gab es in den vergangenen Jahren massive Kursschwankungen – das wirkt sich auch auf Kaffee aus.

Inwieweit beeinflussen Menge und Qualität der Ernte den Preis?
Phillip Voit-Avemarg: Das ist für die Preisfindung natürlich ein fundamentaler Faktor. Insofern hängt der Preis auch immer vom Wetter in den Erzeugerländern ab.

Welche Länder sind das?
Phillip Voit-Avemarg: Zu den größten Anbauländern gehören Brasilien, wo vor allem Arabica angebaut wird, und Vietnam, wo viel Robusta wächst. Der Erntezyklus in den nördlich vom Äquator liegenden Anbaugebieten ist von September bis Dezember und von Mai bis August in den südlichen Anbaugebieten.

Sind Robusta und Arabica die wichtigsten Sorten?
Phillip Voit-Avemarg: Ja, auf jeden Fall, ihre Anbaubedingungen sind aber sehr verschieden. Robusta ist, wie der Name schon sagt, einfacher anzubauen und die Ernte ist wirtschaftlicher. Der Anbau von Arabica ist weitaus komplexer. Die Pflanze wächst zwischen 400 und 1200 Metern Höhe. Während der Erntezeit werden in mehreren Durchläufen jeweils nur die reifen Kirschen mit der Hand geerntet. Dies erfordert viel Erfahrung und ist mit erheblichem Aufwand verbunden.

Welche Sorte ist besser, welche teurer?
Phillip Voit-Avemarg: Arabica ist auf Grund der Anbaubedingungen die eigentlich deutlich teurere Sorte. Gerade die besonderen Anbaugebiete und die daraus resultierenden Spezialkaffees können richtige Raritäten sein. Derzeit ist die Nachfrage nach Robusta besonders hoch, was daran liegt, dass die Ernte hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Robusta wird auch genutzt, um löslichen Kaffee herzustellen.

Wo wird Kaffee vorwiegend gehandelt?
Phillip Voit-Avemarg: Größter Umschlagplatz für Kaffee in Europa ist nach wie vor Hamburg. Gehandelt wird Arabica meistens über die Rohstoffbörse in Chicago, Robusta vor allem über London. An den Börsen treffen sich die Rohkaffeehändler, die Röster und alle weiteren am Kaffeehandel interessierten Parteien und fixieren mit Futurekontrakten physische Lieferungen und Lieferverpflichtungen für Rohkaffee. Der Weltmarkt für Rohkaffee ist in US-Dollar nominiert. Das führt dazu, dass der Endpreis in Deutschland einmal vom Rohkaffeepreis selbst und zusätzlich von Währungsschwankungen des Euro-Dollar Kurses abhängt. Wenn also der Preis für nichtgerösteten Kaffee gleichbleibt, der Euro aber steigt, wird Kaffee in Deutschland preiswerter – und umgekehrt.

Was heißt das für die Kaffeehändler?
Phillip Voit-Avemarg: Für alle involvierten Handelsunternehmen und verarbeitenden Betriebe bedeutet dies ein zusätzliches Risiko. Neben dem Börsenkontrakt für den Rohstoff Kaffee muss auch die Währung fixiert werden. Die Abdeckung dieses Wechselkursrisikos ist neben der Finanzierung eine wichtige Aufgabe von Banken im Kaffeegeschäft. Wir unterstützen unsere Kunden seit Jahren in diesem Bereich.

Kaffee ist rund um den Globus das beliebteste Getränk: Laut dem Statista-Report werden jeden Tag 2,25 Milliarden Tassen Kaffee getrunken. Jeder Deutsche hat im vergangenen Jahr 162 Liter Kaffee konsumiert, wie der Deutsche Kaffeeverband errechnet hat. Damit rangiert das Land mit den USA und Brasilien weltweit im Spitzentrio. Dominiert wird das Kaffeegeschäft in Deutschland nach wie vor vom klassischen Filterkaffee, der einen Absatzanteil von 62 Prozent am Gesamtmarkt hat. Den Einheitspreis für das Pfund Kaffee gibt es jedoch nicht mehr: Unterschiede wie ein biologischer Anbau, ein Kaffee mit Umweltsiegel oder eine Kaffeespezialität führen zu mehreren Hundert Prozent Preisunterschied für eine Kaffeepackung. Besonders deutlich ist der Trend zum teuren Kaffeetrinken am Erfolg der Kaffeekapseln und Kaffeepads abzulesen: Zwischen den Jahren 2010 und 2015 hat sich der Absatz des Portionskaffees in Deutschland um 42 Prozent auf 51.500 Tonnen erhöht.

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