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Große Pläne, wenig Umsetzung – die Märkte strafen Trumps Regierung ab (©GettyImages)
Rentenmärkte
24.03.2017

„In dem auffällig geringen Renditeabstand zwischen Bunds und T-Notes spiegeln sich der europäische Konjunkturoptimismus und die wachsende Enttäuschung über die Trump-Administration wider“, so HSH-Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia.

Die Renditen der Bunds und der T-Notes haben in den vergangenen Tagen weiter nachgegeben. Das passt zu der gedämpften Stimmung an den Aktienmärkten. Zuletzt war der Renditerückgang auch ein Reflex auf den Terroranschlag in London. Darüber hinaus zweifeln viele Marktteilnehmer mittlerweile an den vollmundigen Versprechungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Die Steuerreform ist über eine vage Ankündigungsphase nicht hinausgekommen und von dem Infrastrukturprogramm hört man so gut wie gar nichts mehr. Gerade diese beiden Programmpunkte hatten die Wachstumsphantasie angeregt. Gleichzeitig ist fraglich, ob der Gesetzentwurf zur Änderung von Obamacare genügend Stimmen im Abgeordnetenhaus erhält, wo er heute (23.3.) zur Abstimmung gestellt werden soll. Offensichtlich gibt es größeren Widerstand innerhalb der republikanischen Partei gegen das Gesetz, vor allem von Seiten der Tea-Party-Bewegung, denen der Gesetzentwurf nicht weit genug geht. Offensichtlich fühlen sich viele Abgeordneten in erster Linie den Wählern ihres Wahlkreises verpflichtet. Die TV-Debatte zwischen den fünf aussichtsreichsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Frankreich hat zwar für Diskussionen gesorgt – der linksliberale und europafreundliche Kandidat Emmanuel Macron schnitt hier offensichtlich am besten ab –, konnte den Märkten aber keine neuen Impulse verleihen.

Auffällig ist, dass der Renditeabstand zwischen den zehnjährigen T-Notes und den entsprechenden Bunds in den vergangenen zwei Wochen kräftig gesunken ist und erstmals seit Mitte November 2016 (zumindest zeitweise) unter die 2 Prozent-Marke gefallen ist. Darin spiegelt sich ein relativ größerer Konjunkturoptimismus für die Eurozone bzw. die Enttäuschung über die zähe Gangart der Trump-Administration wieder. Möglicherweise antizipieren einige Investoren auch das Ende der divergierenden Geldpolitik, zumal der Chef der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, sich im Interview auf eine Diskussion über Zinsanhebungen der EZB einließ und meinte, die EZB könne in einem ersten Schritt zuerst den Einlagenzins und dann erst den Leitzins anheben. Grundsätzlich sei es aber noch zu früh für Zinsanhebungen.

Morgen (24.3.) stehen die PMI-Indizes von Deutschland und Frankreich auf der Agenda. Sollten die PMI-Indizes von dem ohnehin schon recht hohen Niveau weiter steigen, dürfte dies die Bund-Renditen wieder beflügeln. Ein solider Ifo-Index (27.3.) würde diesen Trend unterstützen. Eine wichtige Rolle für die Rentenmärkte spielt auch die Frage, welche Zeichen von dem EU-Gipfel in Rom anlässlich des 60-jährigen Bestehens der EU ausgesendet werden. Wenn sich die Gemeinschaft wieder etwas einiger und konstruktiver im Umgang miteinander zeigen sollte, könnte die Zuversicht in eine gute Zukunft des politischen und wirtschaftlichen Bündnisses zunehmen. Am nächsten Freitag (31.3.) ist noch auf die Schnellschätzung für die Inflation der Eurozone zu achten. Möglicherweise wird die 2 Prozent-Marke vom Februar übertroffen. Damit dürfte aber auch der Zenit bei der Teuerungsrate in diesem Jahr überschritten sein, da der Ölpreiseffekt in den kommenden Monaten ausläuft.