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Trotz Digitalisierung bleiben Geschäftsreisen wichtig (©GettyImages)
Wirtschaft
15.03.2017

Die Geschäftsreise ist in Zeiten der Digitalisierung kein Auslaufmodell, sondern gewinnt Studien zufolge sogar noch an Bedeutung hinzu. Die Ansprüche der Reisenden steigen dabei mit den technischen Möglichkeiten weiter an.

Begegnungen von Mensch zu Mensch sind entscheidend für den geschäftlichen Erfolg. Das legt die Studie „Chefsache Business Travel 2016“ des Deutschen ReiseVerbands (DRV) nahe. 65 Prozent der befragen Manager gaben den Aufbau von Netzwerken als wichtigsten Grund für Geschäftsreisen an. Persönliche Treffen, so die Studie, würden bei Geschäften die Abschlussbereitschaft um rund 46 Prozent erhöhen. Die Wertschätzung persönlicher Begegnungen steigt sogar, obwohl Smartphones, Videokonferenzen, Sharing-Plattformen und Messenger-Dienste die ortsunabhängige Kooperation zunehmend erleichtern. Die Geschäftsreise ist also kein Auslaufmodell, sondern gewinnt sogar noch an Bedeutung. Laut Skift, dem größten Datenerfassungs-Plattform für Reisedaten, gaben Unternehmen 2015 weltweit über 900 Milliarden Euro für Geschäftsreisen aus. 2016 soll der Wert um noch einmal um knapp vier Prozent gestiegen sein. Allein 2015 betrugen die Gesamtkosten für Geschäftsreisen in deutschen Unternehmen 50,9 Milliarden Euro.

Gäste besitzen intelligente Endgeräte

Die Hoteliers stellen sich darauf ein und wollen mit Innovationen in der Automatisierung, im Internet der Dinge (IoT) und bei der Künstlichen Intelligenz den Kunden noch mehr Service bieten, wie auf zahlreichen Veranstaltungen am Rande der Touristikmesse ITB in Berlin zu beobachten war. „Die Gäste haben heute fast alle intelligente Endgeräte, die mit Anwendungen des Internets der Dinge agieren können“, sagt Andreas Pröfrock, Manager für strategische Allianzen eines großen europäischen Telekommunikationsdienstleisters am Rande der ITB. „Die Hotels müssen sich verstärkt darauf einstellen, quasi das ‚Hotel der Dinge‘ werden.“ Denn bei der Kundschaft steigen die Ansprüche mit den technischen Möglichkeiten weiter an. Pröfrock nennt ein Beispiel: „Durch eine App erhält das Hotel Kenntnis, wann ein spät anreisender Gast im Taxi sitzt und wann er genau im Hotel eintrifft. Das Hotel kann ihm dann zum Beispiel einen Mitternachtssnack vorbereiten.“ IoT-Anwendungen helfen auch bei der Einstellung der idealen Temperatur im Hotelzimmer. Im besten Fall „kennt“ das Zimmer die Bedürfnisse des Gastes im Vorhinein. Von IoT profitieren Pröfrock zufolge beide Seiten: Der Geschäftsreisende bekommt mehr Service, der individuell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das Hotel wiederum kann Energie und Heizkosten sparen, wenn es durch Echtzeitendaten der Kunden die Belegzeiten der Zimmer und Konferenzräume besser einschätzen kann.

Der Chef bucht zunehmend selbst

Wie wichtig Echtzeitdaten sein können, unterstreicht Rohan Thakkar von der Hotelkette Yotel: “Wenn Gäste länger als acht Minuten am Check-in warten müssen, bewerten sie das gesamte Hotel schlechter.“ Welche Auswirkungen dies wegen der wachsenden Bedeutung von Kundenbewertungen im Web hat, kann man sich vorstellen. Zumal laut DRV-Studie nur noch zwölf Prozent der Führungskräfte die Buchung ihrer Geschäftsreisen regelmäßig an Mitarbeiter oder die hauseigene Reiseabteilung delegieren. Der Chef bucht selbst, am liebsten über den Online-Buchungsservice eines professionellen Geschäftsreisebüros.

Auf Daten von Geschäftsreisenden legt die Branche auch deshalb so großen Wert, weil Geschäftsreisende Trends im Travel Management oft schneller erkennen als die Reiseindustrie selbst. Das legt jedenfalls eine Studie von AirPlus nahe, einem Anbieter von Abrechnungslösungen für Geschäftsreisekosten. Ein weiteres Ergebnis: Geschäftsreiseverantwortliche legen großen Wert auf Datensicherheit, weil die Angst vor Wirtschaftsspionage und dem Zusammenbruch des Safe-Harbor-Abkommens zwischen der Europäischen Union und den USA steigt. Mit einem weiteren Anstieg von Geschäftsreisen plant diese Gruppe auch wegen der Globalisierung ein. Ganz nebenbei macht auch eine wachsende Anzahl der Geschäftsreisenden im Anschluss vor Ort noch Urlaub – die sogenannten „Bizcations“ erfreuen sich steigender Beliebtheit.