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Vom 24. Februar bis 02. März stieg der iBoxx Corporates Index (ohne Finanzinstitute) von 46,6 Basispunkten auf 52,9. (©GettyImages)
Unternehmensanleihen
03.03.2017

Protektionistische Maßnahmen, die die Regierung Trump diskutiert, hätten erheblichen EInfluss auf Risikoaufschläge europäischer Unternehmensanleihen, glaubt Thomas Miller, Analyst bei der HSH Nordbank

Mit der kontinuierlichen Einengung der europäischen Anleihespreads war es in der vergangenen Woche vorbei: Vom 24. Februar bis heute stieg der iBoxx Corporates Index (ohne Finanzinstitute) von 46,6 Basispunkten auf 52,9. Eine mögliche Ursache dafür könnte sein, dass Anleger Importbeschränkungen seitens der USA eine erhöhte Wahrscheinlichkeit beimessen.

Die Rede von US-Präsident Donald Trump am 28. Februar kündigte zwar nur eine umfassende „Steuerreform“ ohne konkrete Inhalte an. Konzepte dazu wurden jedoch von den Republikanern schon relativ weit ausgearbeitet. Nachteilig für europäische Unternehmen ist darin die sogenannte „Border Adjustment Tax“ (BAT) mit klar protektionistischer Wirkung.

Dabei soll die bisherige Unternehmenssteuer in Höhe von 35 Prozent auf 20 Prozent gesenkt werden. Im Gegenzug sind lediglich solche Aufwendungen steuerlich abzugsfähig, die in den USA anfallen. Die Kosten für Waren oder Dienstleistungen aus dem US-Ausland kann ein US-Unternehmen nicht mehr steuermindernd ansetzen. So verteuern sich Importe um 20 Prozent – falls alle Nebenbedingungen wie Preise und Dollarkurs gleich blieben.

Das bringt internationale Wertschöpfungsketten kräftig durcheinander. Dabei gibt es Gewinner und Verlierer. In den USA dürften globale Anbieter mit einem hohen Wertschöpfungsanteil in den USA und hoher Exportquote – zum Beispiel der Flugzeughersteller Boeing – profitieren. Gerade Handelsunternehmen, die zum großen Teil im Ausland einkaufen, – zum Beispiel der Einzelhändler WalMart – zählten dagegen zu den Verlierern.

Für europäische Unternehmen folgt daraus eine beidseitige Wettbewerbsverschärfung: In den USA haben heimische Wettbewerber ihnen gegenüber sofort einen zwanzigprozentigen Kostenvorteil. Und in Europa können US-Unternehmen sofort kostengünstiger anbieten, weil sie mit geringeren Steuern kalkulieren.

Ob die BAT kommt und welche Folgen sie hat, ist aktuell schwer einschätzbar. Die CDS Indizes für Europa und USA scheinen davon unberührt, beide engten sich in den letzten zwei Wochen weiter ein. Einen „Ausbruch“ der europäischen Spreads befürchten wir daher nicht, die Möglichkeit, dass die USA demnächst wichtige Impulse für die Spreadverläufe geben, ist jedoch wahrscheinlich.