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Der Dax bewegt sich in der Nähe seines Allzeithochs von 2015 (©GettyImages)
Wochenbarometer
31.03.2017

"Durch höhere Niveaus an Europas Börsen steigt jedoch das Risiko für Gewinnmitnahmen“, meint HSH-Analyst Patrick Harms.

In dieser Woche ging es an den Aktienmärkten bergauf. Die europäischen Märkte verzeichneten deutliche Zuwächse im Vergleich zur Vorwoche. So stieg der Kurs des DAX im Vorwochenvergleich um 2,6 % an, der Eurostoxx 50 um 1,5 %. Der S&P 500 konnte sich noch nicht wirklich von den Schockwellen der letzten Woche erholen – die Zuwächse betrugen nur 0,7 %. In den letzten Wochen wurden die Zweifel an der politischen Durchsetzungsfähigkeit des US-Präsidenten lauter. Nun stellte sich heraus: Die Zweifel waren berechtigt. Der erste Gesetzesentwurf der neuen Regierung scheiterte trotz einer satten Mehrheit der Republikaner im Kongress. Der Graben zwischen vielen Abgeordneten und der neuen US-Regierung ist offenbar deutlich größer als bisher angenommen. Gleichzeitig wurde in den USA ein neuer Wert für das Konsumentenvertrauen (Conference Board) veröffentlicht, der ein 16-Jahreshoch ausweist, was die Enttäuschung über den Präsidenten kompensiert hat. Das gegenwärtige Niveau des DAX von 12229 Punkten entspricht dem höchsten Wert seit seinem Allzeithoch im Jahr 2015, von dem der Index nur noch etwa 130 Punkte entfernt ist.

Die Grafik unten zeigt Economic Policy Uncertainty Indizes für die USA, Deutschland, Italien und Frankreich. Die blaue Linie ist der Wert für Frankreich, der mit einem Wert von über 400 (alle Indizes sind normiert, sodass 100 dem historischen Mittelwert entspricht) rekordverdächtig hoch ist. Der letzte ausgewiesene Wert ist in allen Fällen der Wert für Februar. Auch in Italien ist der Wert erhöht, wo zu einem unbestimmten Zeitpunkt Neuwahlen anstehen, die eventuell die eurokritische fünf-Sterne-Bewegung gewinnen könnte. In Frankreich ist der Wert aus Angst vor einem möglichen Wahlsieg von Marine Le Pen auf diesem hohen Niveau. Wir sind der Auffassung, dass sie – genau wie schon Geert Wilders bei der Niederlande-Wahl – keine wirkliche Chance hat, die Wahl zu gewinnen. Dass die Bewertungsniveaus europäischer Aktienindizes im Vergleich zu den USA so niedrig sind, liegt nicht zuletzt daran, dass viele Marktteilnehmer eine teilweise übertriebene Angst vor einem Wahlsieg der Rechtspopulisten in Frankreich einpreisen. In den USA hingegen könnten die gegenwärtig ausgewiesenen Werte das Maß an politischer Unsicherheit deutlich unterschätzen. Sollte sich die Tendenz einer Regierung, die Schwierigkeiten hat mit dem von der eigenen Partei dominierten Kongress zu kooperieren um Gesetzesvorhaben umzusetzen bestätigen, wird dies das Niveau an politischer Unsicherheit in den USA deutlich erhöhen. Dass die europäischen Indizes in den letzten Wochen besser da standen als die US-Gegenstücke, ist aus unserer Sicht bereits Teil dieser Entwicklung.

Indizes für wirtschaftspolitische Unsicherheit (Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank)

Indizes für wirtschaftspolitische Unsicherheit (Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank)

Die europäischen Märkte sind in den letzten Monaten deutlich robuster geworden. Ein weiterer Beleg für diese These war die Reaktion der Investoren am 29. März, als Großbritannien offiziell den Austrittsprozess ins Rollen gebracht hat. Während dies für Schwankungen bei britischen Aktien sorgte, zeigten sich DAX und Eurostoxx davon gänzlich unbeeindruckt. Mit den nun deutlich höheren Niveaus an den europäischen Börsen steigt aber auch das Risiko für Gewinnmitnahmen. Ob der DAX in den kommenden Tagen auf Rekordjagd geht, könnte auch davon abhängen, wie die vielen Datenveröffentlichungen in der kommenden Woche ausfallen, vor allem vom ISM in den USA sowie der Arbeitslosenquote und den PMIs in der Eurozone.