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Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei der Märzsitzung stieg von 30 % auf 100 % (©GettyImages)
Aktienmärkte
10.03.2017

Die für Mitte März zu erwartende US-Zinserhöhung könnte den Aktienmärkten zusetzen, befürchtet Patrick Harms, Analyst bei der HSH Nordbank.

Die vergangene Woche verlief an den Aktienmärkten verhalten. Der DAX verlor knapp 0,8% und liegt mit zuletzt 11933 wieder deutlich unter der 12000er-Marke. Der Eurostoxx gewann mit 0,2 % leicht und der S&P 500 verlor etwa 1,2 % im Vergleich zur Vorwoche. Im DAX spielten die Neuigkeiten um die Deutsche Bank eine Rolle: Nachdem am Wochenende der Aufsichtsrat einer geplanten Kapitalerhöhung zustimmte, verlor die Bankaktie über 10 % ihres Wertes, was die Entwicklung des DAX in dieser Woche mitbestimmte. Die EZB-Sitzung brachte dagegen wenig Neues, es wurden allerdings auch keine Änderungen der Geldpolitik in der Eurozone erwartet. Anders sehen die Erwartungen an die Fed in der kommenden Woche aus: Die aus Fed-Funds-Futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Märzsitzung stieg in den vergangenen Wochen von 30 % auf 100 %. So ist die Beschäftigung im Februar laut dem (privaten) ADP-Report um 298.000 Stellen angestiegen– erwartet wurden lediglich 187.000. Da die US-Wirtschaft mit einer Arbeitslosenquote von weniger als 5 % stark in Richtung Vollbeschäftigung tendiert, deutet eine Beschleunigung der Beschäftigungszuwächse auf deutlich höhere Lohn- und Preiszuwächse in der Zukunft hin, die eine Reaktion der Fed erfordern.

Die Grafik unten zeigt den Zusammenhang zwischen der Veränderung langfristiger Zinsen im Vorjahresvergleich in Basispunkten und den Aktienmärkten (YoY %) vor und nach der Finanzkrise. In der Vergangenheit hatten starke Anstiege der Zinsen oftmals Rückgänge an den Aktienmärkten zur Folge: Anfang der 1990er Jahre war die Entwicklung im S&P 500 sehr verhalten und sprang erst dann wieder an, als die Zinsen wieder gesenkt wurden. Der Einbruch ab 1999 war (zeitlich) eine unmittelbare Folge von Zinssprüngen und auch den Einbrüchen 2007/2008 ging ein Zinsanstieg voraus. Offensichtlich war vor der Krise die Zinssetzung der Fed maßgeblich für die Entwicklung der langfristigen Zinsen. Anziehende Zinsen sind ein Signal dafür, dass die Währungshüter über eine zu starke konjunkturelle und/oder preisliche Entwicklung beunruhigt sind, was auf eine forcierte Abkühlung hindeutet und daher negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte hat. Dies war seit der Finanzkrise nicht mehr der Fall: Die langfristigen Zinsen werden derzeit stärker von konjunkturellen Nachrichten – die im Normalfall mit demselben Vorzeichen auf die Aktienmärkte wirken – getrieben als von der Geldpolitik. Mit einer Zinserhöhung in der nächsten Woche könnte sich dies ändern: Die Spanne zwischen diesem Zinsschritt und dem letzten (drei Monate) ist deutlich kürzer geworden als zuvor (ein Jahr). Die Sitzung in der kommenden Woche könnte daher der wirkliche Startschuss für den Zinsanhebungszyklus sein.

Schwarz: Veränderung der 10-jährigen Zinsen (Treasuries: rechte Achse) YoY in Basispunkten, Blau: Veränderung des S&P 500 (YoY in %: linke Achse)

Schwarz: Veränderung der 10-jährigen Zinsen (Treasuries: rechte Achse) YoY in Basispunkten, Blau: Veränderung des S&P 500 (YoY in %: linke Achse)

In Europa beherrschten seit dem Brexit und der Wahl Donald Trumps politische Risiken viele Prognosen. Die Wahlen in den Niederlanden (ebenfalls am kommenden Mittwoch) sind in dieser Hinsicht das erste große Event des Jahres. Der Rechtspopulist Geert Wilders ist in den Umfragen in den letzten Wochen abgesackt. Die große Angst vor einem erdrutschartigen Sieg des „europäischen Trump“ ist daher verflogen. Aufgrund der Vielzahl von Ereignissen könnte die kommende Woche turbulent werden – mit leichten Vorteilen für die europäischen Märkte.