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Der Bär steht für fallende Kurse – die gab es in der vergangenen Woche reichlich (© Getty Images)
Wochenbarometer
24.03.2017

Die für Mitte März zu erwartende US-Zinserhöhung könnte den Aktienmärkten zusetzen, befürchtet Patrick Harms, Analyst bei der HSH Nordbank.

An den Aktienmärkten ging es in dieser Woche bergab. Der Dax verlor in dieser Woche 1,9 % und liegt damit wieder deutlich unter dem Niveau von 12.000 Punkten. Der S&P 500 verlor 1,6 % und notierte zuletzt bei 2348 Punkten. Der Eurostoxx 50 verlor nur 0,4 % und blieb damit von allen Indizes am stabilsten. Der S&P 500 verlor vom 16. bis zum 21. März vier Handelstage lang in Folge. Mit einem Verlust von 1,2 % erlebte er seinen ersten Rückgang von mehr als 1 % an nur einem Tag seit dem 11. Oktober letzten Jahres. Investoren beobachten die US-Regierung derzeit genau: Die Zugewinne an den Aktienmärkten seit November letzten Jahres basieren nicht zuletzt auf den Erwartungen an eine expansivere Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung. Nun zeigt sich: Die US-Regierung stößt bereits – trotz satter republikanischer Mehrheit im Kongress – bei der lange angekündigten Gesundheitsreform fast an ihre Grenzen. Dies lässt Zweifel daran aufkommen, dass bei dem Infrastrukturprogramm und Teilen der angekündigten Steuersenkungen eine schnelle Umsetzung wahrscheinlich ist. Außerdem dürfte die Geduld der Republikaner mit dem Präsidenten weiter schwinden, da sich seine Zustimmungswerte verschlechtern. Nach zwei Monaten im Amt gibt es derzeit kaum Anzeichen dafür, dass die Regierung in der Lage ist, die großen Versprechungen tatsächlich zu implementieren, was die Investoren enttäuscht.

Der "Trump-trade" stammt zwar aus den USA, sorgte aber auch an den europäischen Aktienmärkten für Zuwächse. Dennoch waren die Rückgänge im S&P 500 in dieser Woche deutlich ausgeprägter als etwa im Eurostoxx. Die Grafik unten zeigt die relativen Bewertungsniveaus (KGV Eurostoxx 50 /KGV S&P 500) sowie den Transatlantik-Zinsspread. Von November letzten Jahres bis Ende Februar ergab sich ein Trend, der für deutlich optimistischere Erwartungen für die USA als Europa spricht: Der Spread stieg und setzte sich auf einem Niveau von über zwei Prozentpunkten fest. Die relativen Bewertungsniveaus veränderten sich stark zu Gunsten der USA, sodass der S&P 500 Ende Februar deutlich höher bewertet war als der Eurostoxx. Seit Anfang des Monats ändert sich dieses Bild: Mit dem weniger "hawkishen" Ton der Fed gaben die US-Zinsen etwas nach und die Wahlschlappe von Geert Wilders war das erste Indiz für eine abnehmende politische Unsicherheit in Europa. Beides führte dazu, dass sich der Zinsspread einengte. Gleichzeitig wurde die Einschätzung über die europäischen Aktienmärkte optimistischer und nun – da sich die Bewertung der Trump-Administration eintrübt – ändert sich auch das Bild über die US-Märkte. All das spricht für eine relativ dynamischere Entwicklung auf dem Kontinent als in den USA. Die Risiken bleiben aber auch in Europa vorhanden: Einen Monat vor dem ersten Wahlgang in Frankreich machen sich wieder Sorgen um die Stabilität der EU breit. Seit sich aber Emmanuel Macron als eindeutiger Favorit herauskristallisiert hat, dürfte auch hier das Risiko im Vergleich zu vor etwa einem Monat abgenommen haben.

In der Eurozone ist in der kommenden Woche auf den EU-Gipfel in Rom (diesen Sonntag), sowie auf die Veröffentlichungen des Ifo-Geschäftsklimaindex (kommenden Montag) und die Inflationsentwicklung in der Eurozone (nächsten Freitag) zu achten sein. Ein besseres Geschäftsklima sowie eine weiterhin stabile Inflationsrate könnten das Vertrauen in die Eurozone weiter stärken.