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Fokusthema: Bitcoin
03.02.2017

Die anonyme Krypto-Währung verspricht Unabhängigkeit und Anonymität. Aber sie ist hoch volatil. Und ist sie sicher? Eine Einschätzung von Gast-Researcher Octavio Morales.

In den vergangenen Wochen erregte die Krypto-Währung Bitcoin (BTC) wieder die Aufmerksamkeit der Medien und der Gesellschaft. Am 05. Januar wurde das Rekordhoch von 2013 übertroffen, zwischenzeitlich notierte die Digitalwährung über 1.150 US-Dollar. Ursächlich dafür sollen unter anderem die Ausweitung von Bargeldrestriktionen in Indien und die extreme Inflation in Venezuela sein. Gefolgt wurde der Rekord von einer für den Bitcoin nicht untypisch starken Abwertung. Am 11. Januar ging es nach Gerüchten, die Public Bank of China (PBOC) und weitere Regulierungsbehörden würden eine Razzia am Sitz von BTCChina (BTCC), einer der größten Bitcoin-Börsen weltweit, durchführen, unter die 800 Dollargrenze.

Die vielfach gepriesene Hightech-Revolution Bitcoin überzeugt mit ihrer Unabhängigkeit von Zentralbanken und Regierungen sowie einer weitgehenden Anonymität. Dem entgegen steht die Unsicherheit, ob Bitcoins sicher sind, was aus der Schwierigkeit für den normalen Bürger resultiert, das komplexe System zu verstehen. Diese Unsicherheit wurde in der Vergangenheit von Meldungen über Hacker-Angriffe auf Bitcoin-Börsen verstärkt. Neben der Sicherheitsthematik gibt es noch eine Vielzahl von interessanten Aspekten, wie der Industrie, die hinter dem Generieren von Bitcoins steckt, und den Möglichkeiten für die Finanzindustrie.

Was steckt hinter Bitcoin?

Unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto wurde im Jahr 2008 das White Paper zu Bitcoin publiziert. Welche Person oder Gruppe dahintersteckt, ist nach wie vor unbekannt. Anfang 2009 folgte die Software zum Betreiben des Bitcoin-Netzwerks. Das System basiert auf einer dezentral von verschiedenen Rechnern verwalteten Datenbank, in der alle Transaktionen in einer sogenannten Blockchain aufgezeichnet werden. Innerhalb des Netzwerks werden die anonymen Transaktionen überprüft und bestätigt. Für das zur Verfügung stellen der Rechenleistung werden Bitcoins ausgeschüttet. Anders gesagt: Für das Aufrechterhalten des Systems wird man mit der zugrunde liegenden Währung vergütet. Somit kann gezielt versucht werden diese zu generieren, was Mining genannt wird. Das Mining stellt bereits einen professionalisierten Industriezweig dar, welcher beispielsweise Kosten für die genutzte Energie gegen den Wert der generierten Bitcoins abwägen muss. Des Weiteren erhalten die Dienstleister eine Transaktionsgebühr. Je nach Höhe der Transaktionsgebühren, werden Transaktionen bevorzugt abgewickelt. In der Regel dauert der Vorgang einige Minuten bis zu einer halben Stunde. Hinter dieser Technik steckt ein einfaches Ziel: Das Betreiben einer Währung, die völlig unabhängig von Regierungen ist. Diese bietet neben begrenzter Anonymität auch die Möglichkeit Transaktionen ohne Restriktionen über Staatsgrenzen hinweg durchzuführen. Zudem sind Bitcoins fälschungssicher und können nur schwer verboten werden, da es sich im Grunde lediglich um einen Fluss an Informationen handelt.

Wer nutzt Bitcoins?

In den Medien hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass Bitcoins hauptsächlich von spekulativ ausgerichteten Investoren aus China als Möglichkeit für schnellen Profit genutzt werden. Dies liegt vor allem daran, dass aus den allgemein zugänglichen Daten der Bitcoin-Börsen ein überproportional in Yuan gehandeltes Volumen ersichtlich wurde. Ursächlich für dieses Phänomen sind allerdings nicht die chinesischen Händler an sich, sondern die Tatsache, dass chinesische Börsen – anders als die Bitcoin-Börsen in den anderen Ländern - lange keine Transaktionsgebühren verlangten. So handelten auch europäische und amerikanische Bitcoin-Interessenten in Yuan. Daraus folgte, dass der Kurs des Bitcoins relativ stark auf Ereignisse aus China reagierte, insbesondere aber auf Bewegungen des Yuan. Ebenfalls großen Einfluss hatten Ereignisse, welche an der Sicherheit des Systems zweifeln ließen, sodass der Kurs bei Bekanntwerden größerer Hacker-Angriffe auf Bitcoin-Börsen zurückging.

Die Anfänge der Digital-Währung waren weitaus schlichter. Zu Beginn waren hauptsächlich Verfechter der Idee Nakamotos mit Bitcoins vertraut, lange Zeit gab es nicht mal einen Wechselkurs. Dieser entstand zum ersten Mal in Foren untere Absprache zweier Parteien, was noch weit entfernt von einem liquiden Markt war. Bitcoins konnten mit der Zeit mehr Leute begeistern, sodass bald auch Akzeptanzstellen existierten. Neben Hotels und Gastronomiebetrieben sind hier auch Online-Dienste wie Expedia zu nennen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Krypto-Währung birgt ein enormes Potential. Der Schlüssel zum Nutzen durch die breite Öffentlichkeit und Institutionen stellt das Vertrauen dar. Ein wichtiger Schritt zur Steigerung des Vertrauens wurde mit der Einführung von Transaktionsgebühren in China am 24. Januar getätigt, womit spekulative Geschäfte teurer wurden und das Bild, woher die Marktteilnehmer stammen, nicht weiter verfälscht wird. Als Reaktion gingen zunächst die Handelsvolumina in China zurück. Diese Gebühren wurden unter Abstimmung mit der PBOC eingeführt. Das ist insofern ein gutes Zeichen, als dies ein Verbot der Währung durch die PBOC unwahrscheinlicher erscheinen lässt. Die Vermutung, Bitcoins würden in China für den illegalen Kapitalabfluss genutzt, ist sicherlich nicht vollkommen falsch. Doch ist das Volumen, das in Yuan gehandelt wird, nur ein minimaler Bruchteil der chinesischen Kapitalabflüsse, weit unter der 1-Prozent-Marke und dürfte keine Gefahr für die chinesische Finanzstabilität darstellen. Vielmehr rückt der Bitcoin in den Bereich der öffentlichen Akzeptanz. Ob ihn Investmentfonds in naher Zukunft nutzen werden, um breiter diversifizieren zu können, darf weiterhin bezweifelt werden. So sollte die relativ geringe Marktkapitalisierung von derzeit unter 15,6 Milliarden US-Dollar beachtet werden, welche beim umfangreichen Einstieg mehrerer großer Fonds zu einer Markteinengung führen könnte. Mit steigender Kapitalisierung und sinkender Volatilität steigt jedoch die Attraktivität von Bitcoins und damit die Präsenz der digitalen Währung im Finanzsektor. So könnte ein institutionalisiertes Research Aspekte wie die Kosten für das Mining beurteilen und daraus Prognosen für die Rechenleistung im gesamten System abgeben, was wiederum Einfluss auf den Preis des Bitcoins hat.

Als Währung ohne dominierende Instanz kann der Bitcoin in Zeiten von potentiell negativen Zinsen ein Mittel sein, um der schleichenden Enteignung zu entkommen, da man sein Vermögen theoretisch unter dem Kopfkissen aufbewahren kann. Durch die Entwicklung von Apps für Smartphones, wie Mobi von BTCC, rückt der Handel außerdem immer näher an den nicht technikversierten Kunden und damit eine alltägliche Verwendung, wie die von M-Pesa oder PayPal, in greifbare Nähe. M-Pesa ist ein auf Telekommunikation basierendes mobiles Finanztransaktionssystem, welches ohne Bankkonten auskommt und vor allem in Afrika verwendet wird. PayPal ist ein populärer Online-Zahlungsdienst.

In der Zukunft dürfte die Frage interessant werden, wie das zur Verfügung stellen von Bitcoins entlohnt werden soll, wenn sich die Grenze von 21 Millionen Bitcoins nähert. Des Weiteren wird die Sicherheit bei Bitcoins weiterhin eine große Rolle spielen. So kann ein umfangreicher Angriff auf eine Börse zu einem unmittelbaren Kursrutsch führen. Dabei sind Angriffe in einem Umfang, der das System an sich bedroht, relativ unwahrscheinlich, da die Angreifer mit den erbeuteten Bitcoins nichts mehr anfangen könnten.

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