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Christopher Rheidt (©Tobias Kruse)
Die Digitalisierer Teil 2
28.02.2017

TA Triumph-Adler verdankt seine Bekanntheit Schreibmaschinen. Heute vertreibt das Unternehmen neben Druckern und Kopierern zunehmend Softwarelösungen für Unternehmen. Zu denen, die im Unternehmen die digitale Transformation vorantreiben, zählt Christopher Rheidt.

Die zuvor dezentrale Struktur zentralisieren, den Gesamtvertrieb neu ausrichten, Geschäftsstellen zusammenführen und organisatorisch verschmelzen – Christopher Rheidt konnte sich in den vergangenen fünf Jahren über Arbeit nicht beklagen. Das Ziel war aber auch ehrgeizig gesteckt, denn es ging darum, TA Triumph-Adler wieder auf Kurs zu bringen. Immerhin hatte das Traditionsunternehmen Ende des vergangenen Jahrzehnts jahrelang hohe Verluste geschrieben. Nach erfolgreicher Restrukturierung steht es wieder deutlich besser um das Unternehmen. Ein Verdienst, an dem Christopher Rheidt als Geschäftsführer einen deutlichen Anteil hat. Doch kaum hat der 48-Jährige das Ziel erreicht, steht mit der digitalen Transformation auch schon die nächste Herausforderung an. Seit April 2016 steht Rheidt gemeinsam mit Masafumi Yoda an der Spitze von TA Triumph-Adler. Zuvor war er als COO im Management der TA Triumph-Adler sowie gleichzeitig als Geschäftsführer der Fachvertriebstochter Utax tätig.

Den Namen des Traditionsunternehmens begegnet man seit über 50 Jahren in vielen deutschen Büros. Waren es zunächst Schreibmaschinen wie die „Gabriele“, kamen mit der Zeit viele leistungsstarke Geräte wie Kopierer und Drucker hinzu. Seit den frühen 90er-Jahren ist TA Thriumph-Adler, das zu einem großen japanischen Druckerhersteller gehört, im Dokumenten-Management tätig. Ein Bereich, der das Drucken von Papier bis zur digitalen Archivierung umfasst. „Aus unserem Verständnis heraus ist der Begriff Dokumenten-Management etwas falsch belegt“, sagt Rheidt. „Mit Dokumenten verbinden wir noch immer gedrucktes Papier. Bei uns geht es aber um das managen von Informationen und Prozessen, die in einem Unternehmen damit verbunden sind.“ Ganz klar: TA Triumph-Adler verlässt sein gewohntes Umfeld nicht, stellt sich aber auf neue Anforderungen und Arbeitsbereiche der digitalen Zeit ein, zum Beispiel das papierlose Büro. Die Mitarbeiter nimmt Rheidt dabei mit an Bord. „Die Digitale Transformation ist auch ein Angstthema“, sagt Rheidt. „Ich habe deshalb ein Problem mit Aussagen wie: Ihr müsst euch verändern und anstrengen, damit ihr eure Arbeitsplätze behalten könnt. Wir versuchen da einen anderen Weg zu gehen.“

Der reine Hardwareansatz reicht nicht mehr

So werden bei TA Triumph-Adler die Kunden stark in Veränderungsprozesse des Norderstedter Unternehmens im Rahmen der Digitalen Transformation einbezogen. Was den Kunden begeistert, färbt auch auf den Mitarbeiter ab, so die Idee. „Der reine Hardwareansatz reicht nicht mehr, das erleben die Kollegen im Vertrieb jeden Tag. Da gibt es viele Kollegen, die dann sagen: nehmt mich mit auf die Reise.“

Im Berliner Startup-Szenecafé St. Oberholz haben die Norderstedter Arbeitsplätze angemietet. Christopher Rheidt lädt Manager und Mitarbeiter von TA Triumph-Adler regelmäßig zu zweitägigen Startup-Touren durch Berlin ein. (©dpa)

Im Berliner Startup-Szenecafé St. Oberholz haben die Norderstedter Arbeitsplätze angemietet. Christopher Rheidt lädt Manager und Mitarbeiter von TA Triumph-Adler regelmäßig zu zweitägigen Startup-Touren durch Berlin ein. (©dpa)

Dass dies nicht bei allen gleich klappt, räumt Rheidt ein. „Gerade ältere und erfahrene Kollegen haben schon viel kommen und gehen sehen. Die lassen dann schon mal anderen den Vortritt.“ Regelmäßig lädt er Manager und Mitarbeiter von TA Triumph-Adler zu zweitägigen Startup-Touren durch Berlin ein. Im Startup-Szenecafé St. Oberholz haben die Norderstedter Arbeitsplätze angemietet. Bei Themen wie der Kundenbetreuung mit Hilfe von Big Data und der Umstellung auf digitalen Dokumenten-Austausch arbeitet man auch schon mit Startups zusammen. Diese wiederum profitieren von den Kontakten zu rund 20.000 Kunden von TA Triumph-Adler im Mittelstand. Insgesamt gehe es aber nicht darum „noch ein Lab“ in Berlin zu haben, sondern um konkrete Ergebnisse. Da genügt es Rheidt auch vollkommen, wenn von zehn gestarteten Projekten nur eines richtig rockt. Etwas mehr amerikanische Fehlerkultur wünscht sich TA Triumph-Adler durchaus. „Man muss aber auch Ziele definieren, die monetär messbar sind, sei es durch Umsatzausweitung oder durch Kosteneinsparung.“

Emotionalität bleibt wichtig

Das Mitarbeiterfeedback auf die Berlin-Initiative von TA Triumph-Adler war überwiegend positiv. Vielleicht auch deshalb, weil das Unternehmen beim Thema Digitale Transformation nicht missionarisch vorgeht, wie Rheidt betont. Im Vordergrund stehen die oft langjährigen Kundenbeziehungen, die bei TA Triumph-Adler auch zu Synergien führen. So entwickeln und vermarkten die Norderstedter gerade gemeinsam mit einem großen Pharmahersteller eine Software, die sie bei sieben Pilotkunden testen. Das Geschäft läuft auch mit auch mit den Anbietern kritischer Infrastrukturen gut. „Krankenhäuser und Stadtwerke stehen oft unter einem starken Kostendruck“, sagt Rheidt. „Eine Datenauswertung durch eine Softwarelösung kann dabei helfen, neue Umsatzquellen zu erschließen oder Kosten einzusparen.“ Rheidt sieht sein Unternehmen für diesen Kundenkreis gut aufgestellt, da durch Vorgaben des Gesetzgebers Verträge über mehrere Jahre begünstigt werden.

Für ein Unternehmen wie TA Triumph-Adler, welches auf den Säulen Vertrieb und Service ruht, bleibt die Emotionalität, die mit dem engen Kontakt zu den zahlreichen Bestandskunden verbunden ist, sehr wichtig. „Beim Thema Kommunikation zwischen Mensch und Maschine frage ich mich immer, wie unemotional wir dadurch als Menschen werden“, sagt Rheidt. Eine Datenbrille wie die Holo Lens kann er sich im Vertrieb aber durchaus vorstellen. „Wir können den Kunden damit aus der Ferne einen Service anbieten, ohne den emotionalen Faktor zu verlieren.“ Und der Spaßfaktor ist auch nicht zu verachten.

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