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Schwächeanfall: Der Euro rutschte zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen ab (© Getty Images)
Devisenmärkte
24.02.2017

„Der schwache Euro ist zum Teil politisch bedingt. Aber auch die Zinsdiskussion in den USA trägt hierzu bei“, meint Gast-Researcher Ole Poppinga.

Der Euro notiert derzeit bei 1,055 und wertet mit 0,5 % ab. Weiterhin belasten politische Risiken das Devisenpaar, während die starken Konjunkturindikatoren in Europa den Euro nicht stützen konnten. So stieg der ifo Geschäftsklimaindex unerwartet deutlich auf 111 Punkte (Konsens: 109,6), während die Lagekomponente (118,4 Punkte) den höchsten Stand seit 7 Jahren erreichte. Auch die PMI-Daten des Verarbeitenden Gewerbes (55,5, Konsens: 55) und der Dienstleistungen (55,6, Konsens: 53,7) der Eurozone fielen ebenso robust aus wie die relativ hohe Inflationsrate für Januar von 1,8 % YoY (Kerninflation: 0,9 %, YoY). Trotzdem rutschte der Euro zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen ab. Zusätzlich übte das veröffentlichte Fed-Protokoll zur letzten Zinssitzung, das eine baldige ("fairly soon") Zinsanhebung in Aussicht stellte, weiteren Abwertungsdruck auf den Euro aus. Neben der Diskussion um eine Beteiligung des IWF an Hilfszahlungen für Griechenland belasten die kommenden Wahlen der EU den Euro.

USD/JPY notiert derzeit bei 114. Nach zuletzt Abwertungstendenzen des Dollar legt der Greenback gegenüber dem Yen in der letzten Berichtswoche leicht um 0,6 % zu. Treiber der Gewinne war in einer relativ ereignislosen Woche die Veröffentlichung des Protokolls zur letzten Fed-Sitzung. Diese bestätigte die hawkische Ausrichtung des FOMC, die eine Zinsanhebung bei einer günstigen Konjunktur bereits für März in Aussicht stellte. Die jüngsten Entwicklungen der letzten Wochen lassen diese Vermutung zu, welche durch positive Indikatoren der letzten Berichtswoche bestätigt werden: Geringe Arbeitslosenanträge im Februar von 239 T (Konsens: 245 T) und ein positiver Philadelphia Konjunkturindex mit 43,3 Punkten (Konsens: 18,0) über dem Januarwert von 23,6 dürften unterstützend gewirkt haben. In Japan zeichnet der vorläufige Nikkei Einkaufsmanagerindex für Februar eine positive ökonomische Situation ab, während die bereinigte Handelsbilanz für Januar über 100 Mrd. Yen unter den Erwartungen blieb. Für die kommende Woche dürfte die Ansprache des US-Präsidenten vor dem Kongress für Bewegung sorgen, insbesondere wenn Trump protektionistische Themen anspricht.

Das britische Pfund wertete im Verlauf der letzten Berichtswoche um 0,3 % auf und liegt aktuell bei 0,846 EUR/GBP. Unsicherheiten über den Ausgang der bevorstehenden Wahlen in den Niederlanden (am 15.03.) und Frankreich (23.04.) sorgten für Verkaufsdruck auf den Euro. Dagegen wurde das Pfund durch ein stärker als erwartetes BIP-Wachstum in Großbritannien gestützt (Q4: 0,6 % statt 0,7 %, QoQ). Somit werden die Brexit-Sorgen vermutlich auch in der nächsten Woche im Hintergrund bleiben, da für die May-Regierung in der Debatte zur Aktivierung des Art. 50 zum offiziellen Austrittsgesuch in Brüssel keine großen Widerstände erwartet werden dürften. Der Abwertungsdruck auf den Euro sollte hingegen auch gegenüber dem Pfund weiter zunehmen.

Der Schweizer Franken notiert bei 1,066 EUR/CHF und wertet damit leicht um 0,1 % ab. Grundsätzlich aber steht der Schweizer Franken vor dem Hintergrund politischer Risiken in der Eurozone unter verstärktem Kaufdruck, was die Interventionspolitik der Schweizerischen Nationalbank in den Fokus rückt. Während sie sich in den letzten Wochen mit Fremdwährungskäufen gegen den Abwertungsdruck stemmte, dürften die Entwicklungen rund um die anstehenden Wahlen in Europa und um Griechenlands Zukunft für Unsicherheit und für anhaltenden Aufwertungsdruck auf den Franken sorgen.