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Immobilientrend

Mikro-Wohnen: „Komfortabel und unkompliziert“

03.02.2017

Peter Axmann, Leiter Immobilienkunden bei der HSH Nordbank, erklärt, weshalb möblierte Mikro-Appartements so gefragt sind.

Noch vor einem paar Jahren galt es als spießig, in ein möbliertes Zimmer zu ziehen. Mittlerweile entstehen in vielen deutschen Städten Häuser mit möblierten, voll ausgestatteten Appartements. Temporäres Wohnen boomt. Was ist passiert?

Peter Axmann: Damit keine Missverständnisse aufkommen, müssen wir den Begriff temporäres Wohnen erst einmal eingrenzen. Es gibt freiwilliges temporäres Wohnen in Hotels und es gibt unfreiwilliges temporäres Wohnen in Krankenhäusern oder Gefängnissen. All das meinen wir jedoch nicht: Wir sprechen über Mikro-Appartements, die für eine bestimmte Zeit vermietet werden. Das ist eine Form des Wohnens, die es vor zehn Jahren praktisch noch nicht gab, die mittlerweile aber sehr gefragt ist.

Seit wann gibt es diese Mikro-Appartements?

Peter Axmann: Etwa seit den Jahren 2010/2011. Damals standen die doppelten Abiturjahrgänge an. Generell haben die Studentenzahlen stark zugenommen. Heute studieren in Deutschland über 60 Prozent mehr Menschen als vor 15 Jahren, insgesamt sind es jetzt etwa knapp 2,9 Millionen.

Diese Appartements für temporäres Wohnen sind relativ teuer – weshalb sind sie dennoch begehrt?

Peter Axmann: Diese Appartements kosten zwischen 450 und 800 Euro Miete im Monat. Dafür sind sie voll ausgestattet, inklusive Möbel und High-Speed-Internet. Die Miete beinhaltet auch alle Nebenkosten. Die Mieter bringen nur ihre persönlichen Sachen mit, das ist komfortabel und unkompliziert, ein Rundum-sorglos-Paket.

Aber bei den hohen Preisen können sich das doch nicht viele Studierende leisten.

Peter Axmann: Stimmt, aber selbst wenn sich das nur zehn Prozent aller Studierenden leisten können, ist das bereits ein großer Markt. Die Ansprüche der Studenten sind gestiegen und ihre finanziellen Mittel teilweise ebenfalls. Und: Für Mikro-Appartements gibt es neben Studierenden noch weitere Zielgruppen: Berufsanfänger und Wochenpendler, die in einer Stadt arbeiten, in einer anderen aber ihren Lebensmittelpunkt haben. Denen ist ein Hotel zu teuer oder zu unpersönlich, sie scheuen aber den höheren Aufwand, um eine normale Wohnung zu mieten. In Deutschland gibt es mehr als zwei Millionen Wochenpendler.

Früher waren Wohngemeinschaften beliebt – ist dieser Trend vorbei?

Peter Axmann: Nein, gar nicht. Aber auch für Wohngemeinschaften gibt es in den begehrten Städten ein zu geringes Angebot. Vor allem fehlt es jedoch an kleinen Wohnungen.

(© HSH Nordbank)

(© HSH Nordbank)

Woran liegt das?

Peter Axmann: Nach dem Krieg gab es viele kleine Wohnungen, 25 bis 30 Quadratmeter groß. Doch die waren in den neunziger Jahren kaum noch vermietbar und wurden deshalb vielfach zusammengelegt. Der Bestand an Ein-Zimmer-Wohnungen liegt in Deutschland nur noch bei etwa drei Prozent. Da in den begehrten Ballungsräumen mittlerweile eine große Wohnungsknappheit besteht, ist der Bedarf an kleinen Wohnungen in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Sind vollausgestattete Mikro-Appartements eine Antwort auf die sich wandelnden Lebensbedingungen?

Peter Axmann: Auf jeden Fall. Die Mobilität nimmt zu. Das ist der eine Punkt. Der andere ist, dass wir in Deutschland Städte haben, die besonders deutlich wachsen, so genannte Schwarmstädte. Dort gibt es einen besonders starken Zuwachs bei der jungen Bevölkerung zwischen 15 und 34 Jahren. Das Forschungs- und Beratungsinstitut empirica hat 29 solcher Städte identifiziert. Neben begehrten Großstädten wie München, Berlin und Hamburg zählen dazu Städte wie Leipzig, Heidelberg, Darmstadt, Regensburg, Jena, Halle, Kiel und Trier.

Weshalb wachsen manche Städte so deutlich?

Peter Axmann: Die Menschen suchen ein attraktives Umfeld für ihr Leben. Sie ziehen nicht zwingend ihrer Arbeit hinterher, wie man vielleicht vermuten könnte. Der Grund für die Konzentration in diesen Städten liegt unter anderem daran, dass in vielen ländlichen Gebieten immer weniger junge Menschen leben, die kritische Größe wird unterschritten. Das Ergebnis: Das Freizeitangebot wird schlechter, Sportvereine kriegen keine Mannschaft mehr zusammen, das kulturelle Leben verkümmert, Kneipen schließen. In der Folge wandern junge Leute ab. Das alles hat zur Folge, dass wir in Deutschland einen zweigeteilten Wohnungsmarkt haben. Es gibt begehrte Städte, in denen Wohnungsknappheit herrscht. Und es gibt daneben viele Regionen, in denen wir einen Wohnungsüberschuss haben, weil dort viele Menschen wegziehen.

Ist diese neue Wohnform in Mikro-Appartements eine Modeerscheinung?

Peter Axmann: Aus meiner Sicht nicht. Von jedem Abiturjahrgang studieren mittlerweile über 50 Prozent, früher waren es 25 Prozent. Allein aus diesem Grund ist der Bedarf an kleinen Wohnungen nachhaltig hoch.