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Rentenmärkte
10.02.2017

Flucht in Sicherheit ist wieder Trumpf. Nächste Woche dominieren US-Indikatoren. „Unsicherheiten über den französischen Wahlausgang und Griechenland-Hilfen treiben Investoren in sichere Häfen.“ urteilt HSH-Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia.

An den Rentenmärkten scheint es wieder zu einer Flucht in Sicherheit zu kommen. Davon profitieren die Staatsanleihen aus Deutschland und aus den USA, deren Renditen entsprechend gesunken sind. Die Renditen der US-Staatsanleihen rentieren im zehnjährigen Bereich nur noch bei 2,36 %, ein Rückgang von mehr als 10 bp gegenüber der Vorwoche, was auch mit dem überraschend niedrigen Lohnzuwachs in den USA im Januar zu tun haben dürfte. Die Bundrenditen haben ähnlich stark nachgegeben und liegen jetzt bei 0,31 %.Französische Anleiherenditen sind zwar auch gesunken, aber weniger stark als die Renditen der Bundesanleihen.

Überhaupt konnte man in den letzten Wochen eine deutliche Ausweitung der Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber Deutschland beobachten. Offensichtlich machen sich einige Marktteilnehmer allmählich Gedanken darüber, wie die Präsidentschaftswahl in Frankreich im Frühjahr ausgeht. Angesichts der Tatsache, dass der konservative Präsidentschaftskandidat François Fillon in den Beliebtheitswerten abgestürzt ist, geht die Angst vor einer künftigen Präsidentin Marine Le Pen um. Nervosität geht auch von den Verhandlungen zwischen Griechenland, EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aus: Grundsätzlich will sich der IWF an einem neuen Hilfspaket nur beteiligen, wenn die Schulden restrukturiert werden, da die Schuldenlast von 179 % des BIP als nicht tragfähig angesehen wird. Finanzminister Schäuble will jedoch den IWF auf jeden Fall mit im Boot haben, lehnt gleichzeitig aber eine Schuldenrestrukturierung strikt ab, was einer Quadratur des Kreises gleich kommt. Außerdem dreht sich der Streit um die Höhe des geforderten Haushaltsüberschusses (vor Zahlung von Zinsen). Diesbezüglich scheint man sich auch innerhalb des IWF nicht einig zu sein, ob ein Überschuss von 1,5 % oder von 3,5 % des BIP erreicht werden soll. Letztlich geht es bei der ganzen Angelegenheit mal wieder um die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone. Ein Ausscheiden Griechenlands stellt nicht mehr das Schreckensszenario dar wie noch vor einigen Jahren. Mit Kapitalverkehrskontrollen und den QE- und OMT-Programmen der EZB erscheint die Ansteckungswahrscheinlichkeit überschaubar. Schäubles Drohung ist daher glaubwürdiger als damals.

In den kommenden Tagen stehen u.a. die US-Einzelhandelsumsätze und die US-Inflation auf der Agenda. Vor allem letzteres dürfte Rückwirkungen auf die Erwartung haben, ob die Fed bereits im März den Leitzins anhebt. Interessant wird auch sein, wie sich das deutsche BIP im vierten Quartal entwickelt hat, das angesichts des scharfen Einbruchs der Industrieproduktion im Dezember enttäuschen könnte. Während die Renditen auf der Basis der meisten zu erwartenden Konjunkturdaten eher steigen sollten, kann ein unverhoffter Kommentar von US-Präsident Donald Trump jederzeit das Blatt wieder wenden und für eine Fortsetzung der Unsicherheitsrallye an den Bond-Märkten sorgen oder aber einen Renditeanstieg beschleunigen.

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