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Ungebrochenes Wachstum: Wunderkiste China (© Getty Images)
Studie zur Welt im Jahr 2050
24.02.2017

Management Summary

PwC rechnet in der Studie damit, dass die G-7-Länder bis zum Jahr 2050 durchschnittlich ein jährliches Wachstum von 1,6 Prozent verzeichnen, die führenden Schwellenländer würden dagegen im Schnitt um 3,5 Prozent zulegen. Bedingt wird dieses Wachstum vor allem durch das starke Bevölkerungswachstum dieser Schwellenländer. Es gebe dort deswegen eine höhere Nachfrage an Konsum und auch mehr Jobs. Auf die Wirtschaftsleistung pro Kopf überträgt sich dieser Trend demnach nicht.

Im Ranking der größten Wirtschaftsmächte fällt die Bundesrepublik bis 2050 deutlich zurück, prognostiziert eine aktuelle PwC-Studie. Länder mit wachsender Bevölkerung rücken nach vorn. Das deutsche Modell könnte dennoch für aufstrebende Staaten zum Vorbild werden.

Erst fällt der Ölpreis auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt, dann beschließt eine Mehrheit der britischen Wähler, die Europäische Union zu verlassen. Und schließlich droht der neue amerikanische Präsident mit hohen Strafzöllen, um Jobs in den USA zu schützen. Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre zeigen, wie schwer es ist, Aussagen über die Zukunft zu machen, die Unternehmen eine Basis für Entscheidungen über Investitionen oder den Eintritt in neue Märkte bieten können.

Dennoch liefert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit der Neuauflage ihrer 2015 verfassten Studie "The World in 2050" einen aktualisierten Ausblick auf die Welt in mehr als 30 Jahren – eine Welt, die Antworten auf soziale Verwerfungen der Globalisierung und tiefgreifende demographische Veränderungen finden und den Kampf gegen den Klimawandel aufnehmen muss. Die kurzfristigen Schocks der vergangenen Monate hätten die langfristigen Wachstumsperspektiven für die kommenden Jahrzehnte kaum beeinflusst, urteilen die Autoren des jetzt veröffentlichten Updates. Viel entscheidendere Treiber als der Brexit oder Donald Trump seien auf lange Sicht die Veränderung der Altersstruktur der Beschäftigten, das Bevölkerungswachstum und technologiegetriebene Produktivitätszuwächse.

Deutschlands Rolle in der Welt wird sich bis 2050 dramatisch verändern, prognostizieren die PwC-Ökonomen. Gemeinsam mit anderen G7-Staaten, wie dem europäischen Nachbarn Frankreich oder der asiatischen Wirtschaftsmacht Japan, wandert Deutschland im Ranking der größten Volkswirtschaften gemessen an der Kaufkraft nach unten. Während die USA im Spitzentrio nach China nur Indien an sich vorbeiziehen lassen müssen, fallen Japan und Deutschland, die heute noch den vierten und fünften Platz belegen, in den kommenden drei Jahrzehnten hinter Indonesien, Brasilien, Russland und Mexiko zurück. Diese aufstrebenden Schwellenländer bilden 2050 – mit einigem Abstand – das Verfolgerfeld hinter dem Spitzentrio. PwC hat für die Studie insgesamt 32 Länder untersucht, die zusammen 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen.

"Im relativen Abstieg Deutschlands spiegeln sich die tektonischen Verschiebungen, die wir in der Weltwirtschaft seit Jahren erleben und die sich bis zur Mitte des Jahrhunderts noch einmal deutlich verstärken werden", sagt Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher von PwC in Deutschland. Entscheidend ist dabei das Bevölkerungswachstum, das die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen in den größtem sieben Schwellenländern bereits 2015 auf das Niveau der großen Industrieländer steigen ließ. 1990 war das Output der Schwellenländer noch halb so groß wie das der G7-Staaten.

Und weil mit der Bevölkerung die Nachfrage und das Arbeitskräftepotenzial zunimmt, wächst die Wirtschaft in den Schwellenländern auch weiterhin deutlich stärker. Während PwC für die großen Industrieländer bis 2050 mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 1,6 Prozent rechnet, dürften die führenden Emerging Markets im Schnitt um 3,5 Prozent zulegen. So ist das Bruttoinlandsprodukt der indischen Volkswirtschaft mit derzeit rund 1,3 Milliarden Menschen gut doppelt so hoch wie das deutsche – 2050 dürfte es siebenmal so groß sein.

Dennoch bedeutet der Abstieg im Ranking der Volkswirtschaften nicht, dass es den Menschen und Unternehmen im Deutschland des Jahres 2050 wirtschaftlich schlechter geht als heute. "Auch wenn die ökonomische Bedeutung Deutschlands abnimmt, wird der Wohlstand weiter wachsen", sagt Winkeljohannn. Im Schnitt wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf laut PwC-Prognose bis 2050 um 1,5 Prozent im Jahr zulegen. Damit wird Deutschland zur Mitte des Jahrhunderts weiterhin auf Rang zwei hinter den USA liegen. Die Lücke zu den aufstrebenden Schwellenländern wird hier kleiner, sie kann aber nicht geschlossen werden. So liegt die Zuwachsrate pro Kopf in Indien mit durchschnittlich 4,1 Prozent zwar fast doppelt so hoch – damit rückt das Land im globalen Vergleich bis 2050 aber lediglich auf den 28. Rang vor.

Auch wenn die ökonomische Bedeutung Deutschlands abnimmt, wird der Wohlstand weiter wachsen.

Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher PwC in Deutschland

Obwohl das Wohlstandsgefälle noch lange nicht schwindet, sind es wachstumsstarke Länder wie Indien, Vietnam, Bangladesh, Nigeria oder Kolumbien die in den kommenden Jahrzehnten den Takt einer globalen wirtschaftlichen Dynamik vorgeben, von der die Verfolger ebenso profitieren können wie die alten Spitzenreiter. In Märkten mit jungen und immer wohlhabenderen Konsumenten eröffnen sich neue Möglichkeiten für global aufgestellte Unternehmen. Zur einer Erfolg versprechenden Strategie gehört dabei für die Berater von PwC die richtige Mischung aus Dynamik, Flexibilität und Geduld. Dazu sollten globale Konzerne ebenso wie mittelständische Unternehmen ihre Kernkompetenzen stärken, ihre Produktivität weiter ausbauen und dabei auf weltweit bewährte Best Practices setzen. Zugleich müssen sie flexibel auf lokale Besonderheiten und sich schnell ändernde Konsumgewohnheiten reagieren. Und sie sollten geduldig genug sein, um in Emerging Markets auch stürmische Phasen mit politischen Umbrüchen und wirtschaftlichen Einbrüchen zu überstehen, die derzeit etwa Brasilien, Nigeria oder die Türkei erschüttern.

Voraussetzung für den langfristigen Erfolg sei allerdings, dass die Regierungen der Schwellenländer einen politischen und institutionellen Rahmen schaffen, in dem die Wirtschaft gedeihen und das Potenzial der Arbeitskräfte entwickelt werden kann, mahnen die PwC-Ökonomen. Dazu gehört ein vorausschauender Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Der Abbau von Bodenschätzen kann die Entwicklung junger Volkswirtschaften befördern. Gelingt es aber nicht, andere Bereiche der Wirtschaft zu stärken, wird die einseitige Abhängigkeit von Öl, Gas oder Edelmetallen zum Verhängnis, wenn die Rohstoffpreise einbrechen. Der mit der Ausbeutung der Ressourcen geschaffene Wohlstand konzentriert sich zudem oftmals bei nationalen Eliten, während breite Schichten der Bevölkerung davon keinen Nutzen haben.

Von besonderer Bedeutung für die Schwellenländer ist der Kampf gegen die globale Erwärmung. Zum einen steigen die Emissionen mit dem wachsenden Wohlstand hier weiter an, während es in den etablierten Industriestaaten in den vergangenen Jahren bereits gelungen ist, den Ausstoß der Klimagase zu mindern. Anderseits konzentrieren sich die Risiken für Menschen, Infrastruktur, Kapitalstock und Landwirtschaft durch Wetterkatastrophen in den tropischen Regionen – und hier liegen viele der aufstrebenden Volkswirtschaften. Zwar müssten die derzeit führenden Wirtschaftsmächte beim Klimaschutz eine Führungsrolle übernehmen, fordern die PwC-Experten. Doch es sei ebenso wichtig, dass die Schwellenländer auf eine nachhaltige Entwicklung ihrer Potenziale achten.

Wachsende Bevölkerung, steigendes BIP: Indien ist laut Prognose im Jahr 2050 weltweit Nummer zwei (© Getty Images)

Wachsende Bevölkerung, steigendes BIP: Indien ist laut Prognose im Jahr 2050 weltweit Nummer zwei (© Getty Images)

Ein Schlüssel zum Erfolg ist die weitere Verbesserung der Bildung. Nur so kann es gelingen, die Produktivität der Beschäftigten weiter zu steigern. In Volkswirtschaften mit schnell wachsender Bevölkerung muss die Qualifikation auf breiter Front steigen, um ausreichend wettbewerbsfähige Arbeitsplätze geschaffen. Und mit gut ausgebildeten und damit produktiven Arbeitskräften fällt es leichter, den Herausforderungen der alternden Gesellschaften zu begegnen, denen sich in den kommenden Jahren auch Schwellenländer stellen müssen. So wird sich die Lage in Brasilien und den USA im Jahr 2050 kaum mehr unterscheiden. Und der Anteil der arbeitenden Bevölkerung liegt bis dahin in China ebenso niedrig wie in Frankreich.

Investitionen in Bildung sind auch ein wirksames Mittel gegen die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen. Ungleichheit sei nicht allein eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, konstatieren die Autoren der PwC-Studie. Sie könne auch zur Wachstumsbremse werden. Regierungen sollten daher daran arbeiten, die Erträge der Globalisierung, des technischen Fortschritts und der wachsenden Wirtschaft möglichst breit zu verteilen.

"Tatsächlich könnte das deutsche Wirtschaftsmodell dabei für viele Schwellenländer in den kommenden Jahren zum Vorbild werden", glaubt PwC-Vorstandssprecher Winkeljohann. Denn neben den skandinavischen Ländern sei es vor allem Österreich und Deutschland mit ihrem Sozialstaatsmodell und dem freien Zugang zu Bildung gelungen, die Ungleichheit gering zu halten. "Um ihre großen Potenziale auszuschöpfen und breite Bevölkerungsschichten am wachsenden Wohlstand partizipieren zu lassen, müssen die Emerging Markets ihre Investitionen in Technologie, Infrastruktur und vor allem Bildung deutlich ausweiten." Innovative Produkte und Lösungen "Made in Germany" dürften dabei ebenso gefragt sein wie bewährte Traditionen: "In manchen Bereichen können die Schwellenländer durchaus von Deutschland lernen – etwa, was unser duales Ausbildungssystem betrifft", so Winkeljohann.

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