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Rohstoffmärkte 2017
02.02.2017

Durch eine kurzzeitige Reduzierung der Fördermengen und der vollen Speicher soll die Volatilität der Rohölpreise verringern. Danach wird der Rohstoff laut Prognose der HSH Nordbank wieder sprudeln – und der Barrelpreis fallen.

Die OPEC hat beschlossen, für einige Monate die Fördermengen zu drosseln (© Getty Images)

Die OPEC hat beschlossen, für einige Monate die Fördermengen zu drosseln (© Getty Images)

Die von der OPEC und einigen Nicht-OPEC-Ländern beschlossenen Produktionskürzungen sind Anfang des Jahres in Kraft getreten. Die Äußerungen der beteiligen Länder legen nahe, dass die Einschnitte bereits zu etwa 70 Prozent umgesetzt sind. Der Erfolg hängt allerdings davon ab, ob die Kürzungen im vollen Umfang über den gesamten Zeitraum von sechs Monaten beibehalten werden. Dies ist eher zweifelhaft. Eine Verlängerung der Produktionskürzungen über Juni ist gegenwärtig unwahrscheinlich. Dafür ist mit einem Comeback der US-Schieferölproduktion zu rechnen. Zum Jahresende sollten daher die Ölpreise unterhalb der gegenwärtigen Preise liegen.

Normalisierung der Lagerbestände ist das Ziel

Eine Allianz aus elf OPEC-Staaten und elf Nicht-OPEC-Staaten (unter anderem Russland) hat sich Ende vergangenen Jahres darauf verständigt, die Ölförderung um insgesamt 1,8 Millionen Barrel/Tag (OPEC: 1,2 Millionen Barrel/Tag; Nicht-OPEC: 0,6 Millionen/Tag) über ein halbes Jahr zu kürzen. Saudi-Arabien und Russland stemmen zusammengenommen fast die Hälfte der vereinbarten Produktionskürzung. Der Iran, Nigeria und Libyen sind von den Kürzungen ausgenommen. Dem Iran wurde eine leichte Erhöhung der Ölproduktion zugestanden. Nigeria und Libyen dürfen ihre Produktion auf das angestammte Niveau erhöhen, sofern es die Situation in den beiden Ländern erlaubt. Indonesien hat seine Mitgliedschaft temporär auf Eis gelegt. Die OPEC hat sich damit zunutze gemacht, dass das Land Netto-Importeur von Rohöl ist. Durch das Ausscheiden fällt die Zählung der Fördermenge Indonesiens aus der Gesamtförderung raus. Folglich hat die OPEC schon durch den Ausschluss des südostasiatischen Landes gekürzt. Das Angebot ändert dies allerdings nicht.

Da es sich hierbei lediglich um temporäre Kürzungen handelt, erwarten wir keine nachhaltig höheren Rohölpreise. Vielmehr zielen die vereinbarten koordinierten Fördermaßnahmen des Kartells in erster Linie darauf ab, eine Normalisierung der Rohölvorräte herbeizuführen. Die Lagerbestände sind in den vergangenen beiden Jahren im Zuge der Angebotsschwemme von Rohöl auf ein überdurchschnittlich hohes Niveau gestiegen, was zu einer extremen Volatilität bei den Preisen führte, da die Pufferfunktion der Reservehaltung aufgrund der übervollen Lager verloren ging. Eine Reduzierung der übervollen Ölspeicher geht daher mit der Reduzierung der Volatilität der Rohölpreise einher. Dies dürfte insbesondere für die Länder und Unternehmen relevant sein, die planen, in Kürze an den Kapitalmärkten Liquidität aufzunehmen. Eine Reduzierung der Preisschwankungen führt nämlich zu einer vorteilhafteren Bewertung von Eigenkapital und Fremdkapital. Dies dürfte auch den Strategieschwenk von Saudi-Arabien zumindest teilweise erklären, das sein Ölunternehmen Saudi-Aramco an die Börse bringen möchte.



Kommen die Ölmärkte durch die Kürzungen wieder ins Gleichgewicht?

Damit der Ölmarkt nachhaltig ins Gleichgewicht kommt und die sehr hohen Lagerbestände abgebaut werden, ist eine strikte Umsetzung des Abkommens über einen längeren Zeitraum erforderlich. Dies gilt auch vor dem Hintergrund einer wieder steigenden US-Ölproduktion und einer möglichen Ausweitung des Ölangebots aus Libyen und Nigeria, welche beide von den Produktionskürzungen ausgenommen sind. Die bislang von den Ländern verkündeten Produktionskürzungen belaufen sich insgesamt auf ca. 1,2 Mio. Barrel/Tag. Damit wären etwa 70 Prozent der vereinbarten Kürzungen umgesetzt und der Ölmarkt laut aktuellen Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA bereits unterversorgt. Wir gehen dagegen davon aus, dass sich die Märkte erst im zweiten Halbjahr temporär ins Defizit rutschen. Wir erwarten ein Nachfragewachstum welches unterhalb den Prognosen der IEA liegt. Die Nachfrage sollte mit durchschnittlichen 1,2 Mio. Barrel/Tag wachsen (IEA: 1,3 Millionen b/d). Der Grund für das langsamere Nachfragewachstum liegt in den stark gestiegenen Preisen für den Rohstoff sowie in der Stärke des US-Dollars gegenüber anderen Währungen. Desweiteren erwarten wir einen weitaus kräftigeren Anstieg der US-Schieferölförderung bei gegenwärtigen Preisen als die IEA. Bei einem Durchschnittspreis von 50 Dollar/Barrel für das Jahr 2017 rechnen wir mit einer Ausweitung der US-Schieferölförderung bis Jahresende um 350 Tsd. Barrel/Tag. Bei einem durchschnittlichen Rohölpreis von 55 Dollar/Barrel dürfte es gar zu einer Ausweitung um 800 Tausend Barrel/Tag kommen. Dies dürfte den Kürzungen der OPEC-Staaten etwas entgegenwirken

Ölpreisprognose

Da wir erwarten, dass nach Ablauf des Abkommens die Ölförderer, die gegenwärtig die Produktion kürzen, die Fördermenge wieder ausweiten werden, um Marktanteile zu gewinnen, sollte es zu fallenden Preisen an den Ölmärkten im Jahresverlauf kommen. Unseres Erachtens dürften die Marktteilnehmer die höheren Fördermengen alsbald antizipieren und der Ölpreis bis Ende des ersten Quartals auf 53 Dollar/Barrel (Brent) zurückfallen. Zum Halbjahr ist für Brent von einem weiteren Preisrückgang auf 50 US-Dollar/Barrel und zum Jahresende auf 47 US-Dollar/Barrel auszugehen.