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Renditetipps
09.02.2017

Management Summary

Zwar sind die Zinsen in den USA leicht gestiegen. Grundsätzlich ändert sich so bald aber wohl kaum etwas am niedrigen Zinsniveau. Immer mehr Anleger entdecken dividendenstarke Aktien als Alternative zu Staatsanleihen und Festgeld.

Sparer sollten in diesem Jahr mehr Mut haben, um Rendite zu erzielen. Darin sind sich Jan Philip Kennedy (Foto rechts), Senior Portfoliomanager bei Metzler Asset Management, und Martin Locke, Executive Director bei J.P. Morgan Asset Management, einig. Die beiden Finanz-Experten geben Ratschläge für Investoren.

Was erwarten Sie für eine Renditeentwicklung in diesem Jahr, auch vor dem Hintergrund des Brexit und der Wirtschaftspolitik Donald Trumps?

Martin Locke: Das letzte Jahr markiert politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich einen Wendepunkt: Nach dem Brexit-Votum im Juni und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November zeichnet sich eine tiefgreifende Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds vom Primat der Geldpolitik zum Primat der Fiskalpolitik ab. Das Versprechen fiskalpolitischer Anreize hat eine gewisse Euphorie freigesetzt – die Zeit wird zeigen, ob die Realität den hohen Erwartungen gerecht werden kann. Wir erwarten von einem Präsidenten Trump moderate fiskalpolitische Impulse, die sich 2017 in einem geringfügig über dem Trend liegenden US-Wachstum niederschlagen sollten. Auch das globale Wachstum für 2017 sollte sich bei einem trendnahen Wachstumsmuster einpendeln. Alles in allem beschert uns dies ein moderates Wachstum und ein verringertes Rezessionsrisiko, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Reflation deutlich höher ist als in den letzten Jahren. Für einen globalen, flexibel investierenden Multi-Asset Fonds wie unseren JPMorgan Investment Funds – Global Income Fund sind wir in diesem Umfeld zuversichtlich, dass sich auch für dieses Jahr ein ähnliches Ertragsniveau erreichen lässt, wie 2016, das waren in der Anteilklasse A (div) EUR 5,6 Prozent und eine annualisierte Ausschüttung von 5 Prozent.

Jan Philip Kennedy: Die guten Wachstumsperspektiven, steigende Inflationserwartungen sowie die Prognose von US-Leitzinserhöhungen lassen vermuten, dass das Renditetief schon hinter uns liegt und die Kapitalmarktzinsen im laufenden Jahr noch etwas steigen werden. Dafür spricht auch die Erkenntnis, dass die Geldpolitik aufgrund der problematischen Auswirkungen der Negativzinsen auf das Finanzsystem an ihre Grenzen stößt und keine weiteren Zinssenkungen in der Eurozone zu erwarten sind. Die größten Risiken für den europäischen Rentenmarkt sind einerseits politischer Natur und andererseits die Zinsentwicklung in den USA. So könnte es infolge von Inflationsüberraschungen einen Renditeschub in den USA geben, der sich unter anderem auf die Renditen von Staatsanleihen von Ländern an der Peripherie der Europäischen Währungsunion übertragen könnte. Aufgrund der dort niedrigen Inflation würden die Realzinsen stark steigen. Sofort wäre die Schuldentragfähigkeit der hochverschuldeten Länder in der europäischen Peripherie infrage gestellt, und die Staatsschuldenkrise wäre zurück. Eine negative Entwicklung am europäischen Rentenmarkt würde auch drohen, wenn europakritische Kräfte in einer der bevorstehenden Wahlen an die Macht kommen würden.

Wie kann ein Anleger der anhaltenden Niedrigzinsphase begegnen?

Jan Philip Kennedy: Die Anleger können der Niedrigzinsphase am besten mit einer globalen Diversifikation ihrer Anlagen über verschiedene Vermögensklassen begegnen. Wenn wir zurückblicken, stellen wir fest: Ob man in den vergangenen 30 Jahren Aktien oder Anleihen hatte, war für die Wertentwicklung letztendlich nicht so entscheidend. Dies wird in Zukunft nicht mehr so sein, weil Anleihen keinen ähnlich positiven Beitrag zur Wertentwicklung wie in den vergangenen Jahren leisten werden. Daher muss man sehr genau überlegen, wie ein Teil der bisher in Anleihen angelegten Mittel anderweitig investiert werden kann. Und um es klar zu sagen: Dabei muss der Anleger mehr ins Risiko gehen. Wir sind überzeugt, dass sich langfristig mit breit gestreuten globalen Aktieninvestments im Vergleich zu Anleihen deutlich mehr Ertrag erzielen lässt. Europäische Aktien haben unseres Erachtens derzeit ein größeres Kurspotenzial im Vergleich zu US-Aktien, da Europa im Konjunkturzyklus um einige Jahre hinterherhinkt. Darüber hinaus sind europäische Aktien aufgrund der politischen Risiken unterbewertet. Ein ähnliches Bild wie für europäische Aktien ergibt sich auch für die Aktienmärkte der Schwellenländer, die aufgrund zahlreicher Risiken eher niedrig bewertet sind. Neben Aktien lässt sich die Ertragserwartung aber auch durch eine stärkere Streuung der Anlagen innerhalb des Rentensegments verbessern. So kann das Anlageuniversum erweitert werden auf globale Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität, hochverzinsliche Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen. So erwarten wir beispielsweise, dass globale Staatsanleihen (bei Bedarf: währungsgesichert), europäische Unternehmensanleihen,  hochverzinsliche Euro-Unternehmensanleihen, Schwellenländeranleihen und inflationsindexierte Anleihen im Jahr 2017 besser abschneiden werden als Euro-Staatsanleihen.

Martin Locke: Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken weltweit 674 Zinssenkungen vollzogen – das entspricht im Durchschnitt einem Zinsschritt an jedem dritten Handelstag. Dies setzt konservative Anleger unter Druck, denn die klassischen sicheren Anlagehäfen funktionieren nicht mehr. Glücklicherweise gibt es nach wie vor Anlageklassen mit attraktivem Ertragsniveau – allerdings ist der Preis der Chance das Risiko, das dabei etwas höher ausfällt. Beispielsweise lohnt es sich, über den nationalen Tellerrand hinauszublicken, denn in anderen Regionen der Welt wie den USA sind die Zinsen ja durchaus  höher. Andererseits darf man seinen Anlagefokus nicht zu eng fassen. Neben Staatsanleihen gibt es auch andere Segmente der Anleihenmärkte, die noch viel Renditepotenzial bieten, seien es Hochzinsanleihen oder Schwellenländer-Bonds. Darüber hinaus haben Aktien eine attraktive Dividendenrendite und nicht zuletzt finden wir attraktive Investmentmöglichkeiten in nicht ganz so bekannten Anlageklassen wie Immobilienaktien, also REITS, Wandelanleihen oder Hybridanleihen. Wichtig ist bei einem Multi Asset Fonds ein ausgewogenes Risiko-Ertragsverhältnis auf Portfolioeben. Bei unserem Global Income Fund legen wir beispielsweise auf drei Faktoren besonderen Wert: Erstens ist das Flexibilität: Kein Index schreibt uns vor, welche Anlageklasse wir ins Portfolio aufnehmen sollen. Wir nutzen die Expertise unserer Multi-Asset Strategie- und Researchteams, die die Fundamentaldaten, Bewertungen und technischen Signale der Märkte aufgreifen und uns dafür die Grundlage für die Asset Allokation und Portfoliokonstruktion liefern. Damit haben wir die Möglichkeit, flexibel und dynamisch genau dort zu investieren, wo sich gerade die attraktivsten Kaufgelegenheiten ergeben. Der zweite Fokus ist die Diversifikation über verschiedene Regionen, Anlageklassen und das gesamte Spektrum der Kapitalstruktur hinweg – so sind immer rund 1500 verschiedene Emittenten und über 2000 Einzeltitel im Portfolio.  Drittens legen wir sehr großen Wert auf das Risikomanagement. Die zentrale Frage ist, wie viel Risiko wir an welcher Stelle eingehen müssen, um attraktive Erträge zu generieren und zu vermeiden, unkontrollierte oder konzentrierte Risiken einzugehen.

Gibt es eine Alternative zu Aktien?

Jan Philip Kennedy: Mit Immobilieninvestments lassen sich langfristig ähnliche Erträge erzielen wie mit Aktienanlagen, aber wie der Name schon sagt, können diese Anlagen nicht so leicht veräußert werden und die Nebenkosten für einen Immobilienkauf sind ungleich höher. Investments in REITs (Real Estate Investment Trusts) könnten im laufenden Jahr durch steigende Zinsen belastet werden. Die Renditeerwartung von Anleihen ist dagegen insgesamt deutlich niedriger. So rentieren Schwellenländeranleihen, die auf lokale Währung lauten, derzeit mit ca. 5 %, mit entsprechendem Währungsrisiko. Hochverzinsliche Euro-Unternehmensanleihen bieten momentan eine Verzinsung von ca. 3 %, und mit europäischen Unternehmensanleihen lässt sich aktuell eine Rendite von ca. 1 % erzielen. Und diese Erwartungen liegen damit deutlich unter der langfristigen Ertragserwartung von Aktien mit Jahresrenditen von ca. 4 bis 8 %.

Wie lege ich am besten größere Vermögen, zum Beispiel Stiftungsvermögen, an?

Jan Philip Kennedy: Für Stiftungsvermögen spielt der langfristige reale Kapitalerhalt eine sehr große Rolle. Stiftungen sollten daher nach Möglichkeit breit gestreut in dividendenstarke globale Aktien investieren und neben globalen Staatsanleihen möglichst auch Unternehmensanleihen, hochverzinsliche Anleihen und Schwellenländeranleihen (z. B. über ausschüttende ETFs) in ihr Anlageuniversum aufnehmen.

Martin Locke: Für Stiftungen bietet sich eine Multi-Asset-Income-Strategie an: Denn während klassische vermögensverwaltende Fonds und Stiftungsfonds Kapitalerhalt und -wachstum bei vorgegebenem Chancen-Risiko-Profil zum Ziel haben und die sich daraus ergebenen Erträge ausschütten, werden Multi-Asset-Income-Fonds gezielt auf die Ausschüttung hin gemanagt.

Lohnt es sich in Gold zu investieren?

Jan Philip Kennedy: Eine Anlage in Gold bietet im Gegensatz zu Aktien und Anleihen keine laufenden Erträge durch Dividenden und Zinsen. Deshalb sollte es unseres Erachtens auch nicht der Kern einer Kapitalanlage sein. Angesichts der gestiegenen globalen Risiken und der sehr unkonventionellen Geldpolitik vieler Notenbanken ist nichts einzuwenden gegen die Beimischung von Gold und/oder anderen Edelmetallen von bis zu maximal 10 % als Krisenversicherung und zur besseren Diversifikation der Anlagen.

Martin Locke: Als strategisches Investment wird es in unseren Multi-Asset Strategien nicht eingesetzt. Aber es lohnt sich auf jeden Fall als Investition für eine liebe Person, oder wie man so schön sagt: „Happy wife – happy life“.

Bieten sich auch andere Rohstoffe an?

Jan Philip Kennedy: Andere Rohstoffe bieten zwar ebenfalls positive Diversifikationseffekte, ihre Kurse schwanken aber zum Teil sehr stark. Wir präferieren deshalb gut diversifizierte Investments in Rohstoffaktien und Aktien der Schwellenländer, die im Gegensatz zu Rohstoffen auch laufende Dividendenerträge erwarten lassen.

Martin Locke: Die Talsohle der Rohstoffpreise sollte durchschritten sein, auch die Ölpreise haben sich wieder stabilisiert. Wir sehen die Vorteile allerdings weniger für reine Rohstoffinvestments, sondern die Auswirkungen auf Unternehmensgewinne und Inflation, die wir zunächst einmal positiv ansehen.

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