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Immobilien

„Notwendiger denn je, Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen“

03.01.2017

Teure Häuser, knapper Wohnraum - Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BfW,) plädiert für eine Wende in der Baupolitik.

Andreas Ibel, Präsident BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen; Geschäftsführer AIREA Immobilien in Hamburg

Andreas Ibel, Präsident BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen; Geschäftsführer AIREA Immobilien in Hamburg

Herr Ibel, ihr Verband macht sich für die Initiative „Wohn-Perspektive Eigentum“ stark – weshalb?
Andreas Ibel: Es ist notwendiger denn je, auch breiten Bevölkerungsschichten wieder den Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen. Wohneigentum ist schließlich die beste Altersvorsorge. Derzeit liegt Deutschland mit einer Eigentumsquote von 45 Prozent auf dem drittletzten Platz in Europa. Die Eigentumsquote der 25 bis 45-Jährigen ist seit 2008 sogar gesunken. Daran wird deutlich: Das Wohneigentum ist in den vergangenen Jahren von der Politik sträflich vernachlässigt worden.

Sollte der Staat beispielsweise junge Familien beim Bauen unterstützen?
Andreas Ibel: Ja, unbedingt. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern hat die Politik die Förderung von Wohneigentum vor Jahren komplett gestrichen. Gerade Schwellenhaushalte sollten beim Eigenkapital mit Zuschüssen unterstützt werden, auch eine Ausweitung der entsprechenden KfW-Angebote wäre gut. Unser Verband schlägt zudem eine Wohnungsfreizugsprämie für jeden Mieter vor, der in ein Eigenheim zieht. Auch das würde den Mietwohnungsmarkt entlasten und Haushalten mit wenig Eigenkapital die Möglichkeit bieten, ein Eigenheim zu erwerben. Auch die Wiedereinführung eines Baukindergelds würden wir begrüßen. Allerdings wäre es kontraproduktiv, wenn die Maßnahme nur in angespannten Wohnungsmärkten gilt!

Sie wollen die Eigentumsquote bis 2020 auf 50 Prozent erhöhen. Wie viele Wohnungen müssen dafür gebaut werden?
Andreas Ibel: Pro Jahr müssten dafür bundesweit etwa 60.000 Einheiten für Selbstnutzer zusätzlich gebaut werden. Außerdem sollen jährlich 340.000 Mietern zu Eigentümer werden.

Wie kann das Ziel erreicht werden?
Andreas Ibel: Hier ist in erster Linie die Politik gefragt, endlich bessere Rahmenbedingungen für mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das beginnt bei der Grunderwerbssteuer: Hier brauchen wir einen investitionsfreundlichen Satz zwischen 2,5 und 3 Prozent. Vor allem aber brauchen wir eine Baulandinitiative. Gerade in Ballungsräumen wird kaum noch Bauland ausgewiesen, da schießen die Preise durch die Decke! Hier sind Bund, Länder und Kommunen gefragt.

Ist Bauen in Deutschland zu teuer?
Andreas Ibel: Die Baukosten sind im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten überproportional gestiegen. Heute ist Bauen viel teurer als vor zehn Jahren. Hier ist der Staat der größte Preistreiber! Jeder Immobilienunternehmer muss mit immer mehr Vorschriften kämpfen, die zudem alle paar Jahre geändert werden. Früher ist man mit einen Bauantrag zum Amt gegangen und hat einen Stempel bekommen. Heute ist das kompliziert: Wir brauchen Gutachten für Brandschutz, Lärmschutz und Energie. Bauen ist unglaublich komplex geworden. Wir kämpfen darum, es wieder einfacher und günstiger zu machen.

In begehrten Städten steigen die Preise, in manchen ländlichen Regionen fallen sie. Würden Sie einer jungen Familie den Kauf eines Hauses auf dem Land empfehlen, oder ist das bald nichts mehr wert?
Andreas Ibel: Wir haben es in Deutschland mit weiter steigenden Preisen in den Ballungsgebieten zu tun, gleichzeitig gibt es etwa 600.000 leer stehende Wohnungen. Es nützt aber nichts, wenn dort, wo der Wohnraum zur Verfügung steht, weder Infrastruktur noch Arbeitsplätze vorhanden sind. Deshalb muss der Staat auch in Schrumpfungsregionen in die Infrastruktur investieren, um das dortige Wohnumfeld attraktiver zu machen. Die Anbindung an Metropolen muss beispielsweise mit einem preisgünstigen ÖPNV gesichert werden.

Steigt die Nachfrage nach Immobilien in Deutschland durch den Brexit?
Andreas Ibel: Gerade im Gewerbebereich rechnen wir mit anziehenden Preisen. Derzeit bietet Deutschland attraktive, weltoffene Rahmenbedingungen für ausländische Investoren – das dürfte die Nachfrage anregen.

Paris, London, New York – viele Weltstädte werden mehr und mehr zu Enklaven der Reichen. Droht uns in Deutschland eine ähnliche Entwicklung?
Andreas Ibel: Ich hoffe nicht und glaube es auch nicht. In Deutschland haben wir viele attraktive, wirtschaftlich starke Städte. Es gibt nicht die eine Metropole. Klar ist aber: Ein Großteil der Menschen kann nicht immer höhere Mietpreise bezahlen. Die größte Nachfrage liegt unbestritten im niedrigen und mittleren Preissegment, und dafür wollen und müssen wir bauen. Das ist aber bei den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen kaum noch möglich. Deshalb kämpfen wir mit dem BFW hier für eine 180 Grad-Wende.