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Ausblick 2017: Deutschland
31.01.2017

Das größte Risiko für die deutsche Wirtschaft sind politische Einschnitte, welche die derzeitige Ordnung im Welthandel in Frage stellen. Wenn US-Präsident Trump Deregulierungen, Steuersenkungen und deutliche Ausgabensteigerungen in die Wege leitet, kann die Wirtschaft hierzulande aber auch profitieren.

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind positiv – trotz der wachsenden weltpolitischen Unsicherheit (© Getty Images)

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind positiv – trotz der wachsenden weltpolitischen Unsicherheit (© Getty Images)

Die deutsche Volkswirtschaft dürfte in diesem Jahr mit einer Rate von 1,7 % expandieren, im nächsten Jahr mit einer Rate von 1,4 % (arbeitstagebereinigt: 1,6 %). Das größte Risiko für die deutsche Wirtschaft sind politische Einschnitte, die die derzeitige Ordnung im Welthandel in Frage stellen.

Nach "Delle" im dritten Quartal geht es im vierten bergauf

Nach dem starken Jahresauftakt kühlte die deutsche Konjunktur im dritten Quartal leicht ab. Mit einem Zuwachs von 0,2 % (QoQ) ergab sich damit ein Rückgang im Vergleich zur ersten Jahreshälfte. Während die Investitionen im dritten Quartal wieder einen leicht positiven Beitrag zum Wachstum lieferten, erbrachte der Außenhandel einen deutlich negativen Beitrag: Die Exporte gingen um 0,4 % zurück, während die Importe um 0,2 % anstiegen. Gestützt wurde das Wachstum mal wieder vom Konsum, wobei sich der staatliche Konsum mit einem Wachstum von 1 % noch einmal deutlich dynamischer entwickelte.

Nach der leichten Delle im dritten Quartal rechnen wir für das Jahresende wiederum mit einer leichten Aufwärtsbewegung, sodass die deutsche Wirtschaft 2016 insgesamt mit einer Rate von 1,7 % gewachsen sein dürfte. Dafür sprechen vor allem die in die Höhe geschnellten Ifo-Indizes, wobei der Geschäftsklimaindex derzeit auf einem Rekordniveau liegt. Der PMI-Einkaufsmanagerindex stieg in letzter Zeit insbesondere in der Industrie wieder an, was dafür spricht, dass die Investitionen im letzten Quartal noch einmal einen größeren positiven Beitrag leisten werden.

Im Jahr 2017 steigen die Risiken für die deutsche Wirtschaft an

Für das Jahr 2017 rechnen wir mit einem Wachstum von 1,4 % (arbeitstagbereinigt: 1,6 %). Vor allem der private Konsum und die öffentlichen Ausgaben dürften im kommenden Jahr nicht mehr ganz so viel zum Wachstum beitragen, da die Sondereffekte durch die Mehrausgaben zur kurzfristigen Versorgung und Unterbringung der geflüchteten Menschen langsam abklingen werden. Die Investitionen dürften sich auf einem ähnlich niedrigen Niveau bewegen wie in diesem Jahr (positiv sticht lediglich der Bau hervor) und erst in der zweiten Jahreshälfte 2017 wieder an Fahrt aufnehmen. Die größte Gefahr für das weltweite Wachstum – und damit auch für die hochgradig international ausgerichtete deutsche Wirtschaft – ist politischer Natur. Das Brexit-Votum und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten könnten nur ein Vorgeschmack auf das sein, was der europäischen Politik im kommenden Jahr droht.

Mit den Wahlen in Frankreich, den Niederlanden, den Neuwahlen in Italien, der weiterhin schwelenden Bankenkrise sowie den Brexit-Verhandlungen stehen alleine in der europäischen Union mehrere Ereignisse auf dem Terminplan, die für große Unsicherheit sorgen könnten.

Im globalen Kontext bleibt abzuwarten, ob der neugewählte US-Präsident ernst macht mit der Drohung von Einfuhrzöllen auf chinesische und mexikanische Waren und was der von der Fed angekündigte dreischrittige Zinserhöhungszyklus für eine Wirkung entfaltet. Insbesondere für die Schwellenländer könnte das Jahr 2017 daher kompliziert werden, was das weltwirtschaftliche Wachstum und damit die deutschen Exportaussichten eintrüben würde. Das Opec-Abkommen und der gestiegene Ölpreis verteuern zudem die deutschen Importe im Vergleich zu diesem Jahr erheblich. Andererseits könnte die europäische – und vor allem die deutsche – Wirtschaft auch von einem Präsidenten Trump profitieren. Wenn er es tatsächlich schafft, ein Programm zur Deregulierung, Steuersenkung und deutlichen Ausgabensteigerungen in die Wege zu leiten, wird die deutsche Wirtschaft davon doppelt profitieren: Eine expansive Fiskalpolitik wird einerseits direkt das US-amerikanische Importwachstum stärken und damit die deutschen Exporte, andererseits erhöht sich damit der Druck auf die Fed, die Zinsen schneller zu erhöhen als geplant, was zu einer weiteren Abwertung des Euro führen würde und damit das Exportwachstum ebenfalls stärken würde. Insgesamt ergibt sich für die deutsche Wirtschaft zwar eine optimistische Prognose eines BIP-Wachstums von 1,4 % - die Unsicherheit ist aber erheblich.

Wir gehen davon aus, dass die oben genannten Faktoren zunächst negativ auf die Exporte und die Investitionen wirken werden, wohingegen sich die positiven Effekte – wenn überhaupt – erst im Zeitablauf ergeben würden. Daher steht der deutschen Wirtschaft eher ein schwieriges Jahr bevor.