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10 Jahre iPhone

Henning Vöpel: „Unser Gehirn hat sich mitverändert“

16.01.2017

Als Steve Jobs, der damalige CEO von Apple im Jahr 2007 das erste iPhone vorstellte, konnte sich kaum jemand vorstellen, wie stark Smartphones unser Kommunikationsverhalten verändern würden. Prof. Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) zeigt im Interview auf, wie das iPhone die Wirtschaft beeinflusst hat und wie wichtig die "Macht über das Gerät" in Zukunft wird.

Prof. Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI)

Wie nachhaltig hat das iPhone das Verhalten von Menschen verändert?

Es ist nicht allein das iPhone, sondern das Smartphone, das es uns erlaubt, die Welt quasi immer in der Hosentasche zu haben. Der Zugang zu Informationen ist mobil überall und immer möglich. Wir können dadurch zudem unsere Pläne und Aktivitäten viel spontaner koordinieren.

Kann man das Kommunikationsverhalten in ein Zeitalter vor und nach der Einführung von Smartphones unterteilen?

Ja, definitiv. Durch die gewonnene Spontaneität in der Kommunikation sind wir zugleich viel unverbindlicher geworden. Kurzfristig Termine absagen zu können, hat unsere Kultur des Umgangs verändert. Gerade Kommunikation ist ein wesentlicher Teil der Beziehung zwischen Menschen. Für digital natives ist beispielsweise ein bestimmtes Verhalten gar nicht so unhöflich, wie es ältere Menschen womöglich noch empfinden. Der Sprachcode und damit der Verhaltenskodex haben sich massiv verschoben. Zudem können wir Informationen aber auch immer stärker filtern, oder Algorithmen bestimmen, was uns interessiert. Das führt zu gefährlichen sozialen Silos. Hinzu kommen die social bots und fake news, die uns manipulieren können.

Eine WhatsApp schicken statt miteinander zu sprechen, mit Icons kommunizieren statt mit einem ordentlich formulierten Text. Verlieren junge Leute, die mit Smartphones aufwachsen, Schreibkompetenz?

In gewisser Weise ja, zumindest traditionelle Sprachkompetenz. In anderer Hinsicht gewinnen wir aber auch sprachliche Möglichkeiten hinzu, aber eben solche, die erst im heutigen Kontext eine sinnvolle Bedeutung haben. Unser Gehirn, unsere Wahrnehmung hat sich mit verändert. Wir sind in der Lage, einer verkürzten Syntax, einer reduzieren Semantik einen Sinn zu geben, also Sprache zu verändern. Das ist aber nicht nur positiv. Die 140 Zeichen bei Twitter können niemals eine Analyse ersetzen, werden aber zur Steuerung von postfaktischen Realitäten immer wichtiger, auch in Politik und Medien.

Wie haben das iPhone beziehungsweise andere Smartphones die Wirtschaft beeinflusst?

Wir sind als Konsument und als Erwerbstätige ständig erreichbar und sind in unseren Entscheidungen schneller, aber auch unverbindlicher geworden, weil wir diese ja auch sofort wieder korrigieren oder präzisieren können. Notfalls eben auch noch abends im Bett. Die Sphären des Lebens vermischen sich auf diese Weise fast vollständig.


Was das iPhone so alles verdrängt hat

Am 9. Januar 2007 kündigte Steve Jobs auf Macworld-Konferenz "drei revolutionäre Produkte" an. Doch statt drei separaten Geräten war es nur eines: das iPhone. Jobs gab mit seiner Finte damals einen Vorgeschmack darauf, welche Geräte in den nächsten Jahren überflüssig werden sollten. Ein Überblick.

Transparenz von Preisen, schnelle Vergleichbarkeit von Leistungen - ist es für Unternehmen schwieriger geworden, in der digitalen Welt erfolgreich zu sein?

Für den Konsumenten hat die Transparenz enorm zugenommen. Gerade durch das Internet und dem permanenten mobilen Zugang dazu hat der Wettbewerb zugenommen. Kundenbindung und Markentreue sind sicherlich schwieriger geworden. Als Unternehmen ist man ständig gefordert, Produkte und Vertrieb weiterzuentwickeln.

Geschwindigkeit ist nicht nur in der Kommunikation zu einem entscheidenden Kriterium geworden. Geht das manchmal zu Lasten der Qualität?

Geschwindigkeit ist in gewisser Weise zu einer Qualität geworden, die der Kunde verlangt. Dies ist auch der Grund, warum neben dem physischen Produkt immer mehr der mit angebotene Service zählt.

Apple ist innerhalb einer Dekade zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden - ein kometenhafter Aufstieg. Kann das Unternehmen diese dominante Position langfristig behaupten?

Apple hat es sehr geschickt verstanden, nicht nur das Produkt in seiner Funktionalität, sondern auch im Design weiterzuentwickeln. Fast ist Apple zu einer Lebensphilosophie geworden. Gleichzeitig wird es für den Nutzer immer schwieriger, zu wechseln, weil man sich mit seinen Daten, Fotos, Musik, Kontakten von einer Plattform abhängig gemacht hat. Aber natürlich ist denkbar, dass Apple auch mal weniger erfolgreich sein wird. Innovative Anbieter können in der digitalen Welt sehr schnell Märkte erobern und Vertrieb aufbauen.

Was kommt nach dem iPhone? Gibt es schon "the next big thing"?

Die maßgebliche Strategie von Facebook, Google, Amazon oder Apple ist es, die Macht über das Endgerät zu erlangen. Das kann irgendwann mal der Roboter sein, der uns begleitet. Viel wird gerade daran gearbeitet, über Daten eine erweiterte oder vermischte Realität zu erzeugen, die sehr stark individualisiert ist.

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