SUCHE

Wochenbarometer
20.01.2017

"Zwischen der Präsidentschaftswahl und der Amtseinführung hat sich zunächst oft eine Rallye an den US-Märkten ergeben, auf die Ernüchterung folgte. Will Trump die Euphorie aufrechterhalten, muss er jetzt liefern", meint Analyst Patrick Harms.

Donald Trump ist am Ziel: Seit dem 20.01.2017 ist er neuer Präsident der USA (© Getty Images)

Donald Trump ist am Ziel: Seit dem 20.01.2017 ist er neuer Präsident der USA (© Getty Images)

An den Aktienmärkten ging es in dieser Woche – genau wie in der letzten – wieder ruhig zu. DAX und Eurostoxx machten minimale Rücksetzer von 0,08 % bzw. 0,15 %, während es beim S&P 500 ganz leicht aufwärts ging (0,15 %). Gegenwärtig warten die Investoren gespannt auf die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten am 20.01. Die Hoffnung besteht, dass Donald Trump bei der Amtseinführung ein anderes Bild abgeben könnte als bei der Pressekonferenz in der letzten Woche und seine Ankündigungen einer unternehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik konkretisiert. Derweil hat Trump in einem Wall Street Journal-Interview mit einem Kommentar über die Stärke des Dollar ("der starke Dollar bringt uns noch um") an den Devisenmärkten für Furore gesorgt. Welche Mittel der Präsident überhaupt hätte die Währung im Zweifelsfall zu schwächen ist unklar, sodass dieser Bemerkung wohl kaum weitere Maßnahmen folgen dürften. Der Start in das Jahr verlief für den Dollar bereits weniger dynamisch als das Ende des letzten. Das ist insofern wichtig für die Aktienmärkte, als die US-Dollar-Stärke als ein Zeichen für den Optimismus in Bezug auf die Trumpsche Wirtschaftspolitik interpretiert wurde. Eine fortgesetzte Abwertung des Dollar würde signalisieren, dass die Anleger enttäuscht sind und demzufolge am Aktienmarkt vorsichtiger agieren. Eine Schwächung der Währung wäre Ausdruck davon, dass die Aktienmärkte in ihrem Optimismus bisher falsch gelegen haben.

Die untere Grafik zeigt zwei längerfristige Trends, die sich zwischen dem europäischen Kontinent und der US-Wirtschaft in den letzten vier Jahren aufgebaut haben: Die relative Bewertung des Eurostoxx 50 zum S&P 500 und der Zinsspread zehnjähriger Staatsanleihen in den USA und Deutschland. Das Verhältnis der KGVs der Indizes war in diesem Zeitraum starken Schwankungen unterworfen. War der Eurostoxx Anfang 2014 noch deutlich höher bewertet als der S&P hat sich das Verhältnis deutlich zugunsten des S&P verlagert. Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Zinsspread: Mit einem Wert von 0,7 Prozentpunkten lagen die langfristigen Zinsen im Jahr 2013 vergleichsweise nah beieinander, die Differenz hat sich seitdem auf über zwei Prozentpunkte ausgeweitet. Beides ist Ausdruck divergierender Erwartungen an die beiden Wirtschaftsräume: Das Auseinanderlaufen der Aktienmarktbewertungen spricht für eine deutlich optimistischere Einschätzung der Gewinnaussichten auf Seiten der USA und das Ansteigen der Zinsspreads ist Ausdruck der divergierenden Geldpolitik und der großen Unterschiede in den Inflationserwartungen. Allerdings scheint die amerikanische Wirtschaft – mit einer Arbeitslosenquote von unter 5% - bereits nah an die Auslastungsgrenzen gestoßen zu sein. Insgesamt ist damit die Fallhöhe der amerikanischen Finanzmärkte wesentlich größer als die der europäischen Pendants.

Zumindest in den kommenden Tagen werden die Aktienmärkte stark von den politischen Wellen getrieben, die von Trumps Amtseinführung ausgehen. Zwischen der Präsidentschaftswahl und der Amtseinführung hat sich in der Vergangenheit oft eine Rallye an den US-Märkten ergeben, die dann in den Monaten danach einer Ernüchterung wich. Natürlich muss sich dieses Jahr nicht in dieses Muster einreihen. Aber wenn der neugewählte Präsident die Euphorie aufrecht erhalten will, muss er jetzt liefern.

Große Divergenz: Relative Bewertung und Transatlantik-Spread

Graue Linie: Verhältnis vom KGV des Eurostoxx 50 zum S&P 500 (linke Achse), Blaue Linie: Zinsspread (US-Deutschland 10 J: rechte Achse) (Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank)

Graue Linie: Verhältnis vom KGV des Eurostoxx 50 zum S&P 500 (linke Achse),
Blaue Linie: Zinsspread (US-Deutschland 10 J: rechte Achse) (Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank)

Nach oben