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Zukunft der Arbeit
24.01.2017

Industrieroboter werden leistungsfähiger, gleichzeitig macht die künstliche Intelligenz rasante Fortschritte. Maschinen meistern zunehmend anspruchsvollere Denkaufgaben – und ersetzen Jobs im Dienstleistungssektor

Nach einer Prognose von Tractica soll der Umsatz mit Unternehmensanwendungen im Bereich künstliche Intelligenz in Europa stark ansteigen (©Getty Images)

Nach einer Prognose von Tractica soll der Umsatz mit Unternehmensanwendungen im Bereich künstliche Intelligenz in Europa stark ansteigen (©Getty Images)

Die Meldung, dass ein japanisches Versicherungsunternehmen über 30 Prozent der Mitarbeiter durch die Künstliche Intelligenz (KI) der Software "Watson" ersetzt, hat auch in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Arbeitnehmer fürchten hierzulande, dass ihre Jobs künftig durch KI ersetzt werden könnten. Unberechtigt sind die Sorgen nicht, denn Roboter bzw. vernetzte Maschinen übernehmen in der Industrie schon heute viele Arbeitsschritte, die früher Menschen erledigten. In Japan ist Kollege Roboter vielfach schon Realität. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, lässt der Lebensversicherer Fukoku Mutual Life Insurance durch die KI unter anderem medizinische Berichte von Ärzten einlesen und verschlagworten – Mitarbeiter, die derlei Arbeiten zuvor ausführten, werden nicht mehr gebraucht.

Chatbots werden immer intelligenter

Auch der Versicherer Dai-ichi Life Insurance wendet das Watson-System in der Erfassung und Bewertung von Zahlungen an, kam aber ohne einen Jobabbau aus. Im Dienstleistungssektor werden Mitarbeiter häufig mit wiederkehrenden Anfragen konfrontiert – diese lassen sich auch von Chatbots erledigen, die Dank fortschreitender KI immer intelligenter werden. „Mit Robotik oder Automatisierungstechnik können Chatbots im Bereich Kommunikation am effektivsten standardisierte Prozesse automatisieren“, sagt Carsten Thoma von SAP Hybris Labs. „Wenn also in Anfragen 90 Prozent aller Fragen die gleichen sind, dann können behördliche Stellen oder Hotlines um diesen Faktor entlastet werden, und sich auf zeitintensive, individuelle und kompliziertere Fragen konzentrieren. Dies erhöht die Produktivität und senkt Kosten“, sagt Thoma.

Jede Evolution der Automatisierung bringt neue Jobs hervor

Obwohl in diesem Rahmen ein Jobabbau unaufhaltbar scheint, bringt jede Evolution der Automatisierung auch neue Jobs hervor, die oft interessanter sind als die Berufe der vorigen Generation. Einfache motorische Tätigkeiten sind dabei die ersten, die der Automatisierungswelle zum Opfer fallen. Staubsaugerroboter ersetzen schon heute die Tätigkeiten von Gebäudereinigern. Fensterputz- und Toilettenreinigungsroboter werden derzeit getestet. Dank fortschreitender KI meistern Maschinen auch zunehmend komplizierte Denkaufgaben. Daher fallen auch anspruchsvollere Jobs im Dienstleistungssektor im Zuge der digitalen Transformation weg. Der Siegeszug der KI findet dabei in atemberaubenden Tempo statt. Nach einer Prognose von Tractica soll der Umsatz mit Unternehmensanwendungen im Bereich künstliche Intelligenz in Europa von 93,12 Millionen US-Dollar im Jahr 2016 auf 7,87 Milliarden US-Dollar steigen. Weltweit sollen der Umsatz mit Unternehmensanwendungen von rund 357 Millionen US-Dollar im Jahr 2016 bis rund 31 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 steigen. Ein geradezu explosives Wachstum, dass der Boston Consulting Group zufolge auch den Weg für neue Berufsfelder ebnet. Vorstellbar wären Software-Spezialisten und Berufe rund um diverse Wartungstätigkeiten für Roboter.

Die meisten Experten sind sich einig, dass die mit dem rasanten Fortschritt der KI zur Disposition stehenden Jobs nicht vollständig ersetzt werden können. Millionen Menschen werden im Agrar-, Industrie- und Dienstleistungsbereich ihren Arbeitsplatz an eine der diversen Ausformungen der KI verlieren. Der damit einhergehende Produktivitätschub schafft wiederum Raum für Kompensationen. So könnten Berufe im sozialen Bereich, wie etwa in der Altenpflege, in Zukunft besser bezahlt werden.