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Wochenbarometer
13.01.2017

"Auch zukünftig wird die Entwicklung an den Aktienmärkten davon abhängen, worauf Trump seinen Fokus legt", sagt HSH-Nordbank-Analyst Patrick Harms.

Donald Trump legte sich bei der Pressekonferenz keine präsidiale Zurückhaltung auf (© Getty Images)

Die Aktienmärkte haben sich in dieser Woche kaum von der Stelle bewegt. Der DAX legte im Vergleich zur Vorwoche um 0,27 % zu und steht derzeit bei 11570 Punkten. Der S&P 500 liegt gegenwärtig bei 2275 Punkten, was einem Zuwachs von 0,34 % entspricht. Der Eurostoxx befindet sich derzeit auf einem Niveau von 3290 Punkten, er verlor damit 0,41 % im Vergleich zur Vorwoche. Vor der seit dem Wahlsieg ersten Pressekonferenz des künftigen US-Präsidenten Donald Trump gab es keine großen Schwankungen an den Aktienmärkten. Die von Trumps Versprechungen in der Fiskal- und Regulierungspolitik getriebene Rallye seit November geht in diesem Jahr bisher nicht weiter. Vielmehr scheinen sich die Investoren erst noch davon überzeugen lassen zu wollen, dass er es tatsächlich ernst meint mit dem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik. In seiner Pressekonferenz sagte er zu seiner wirtschaftspolitischen Ausrichtung nichts Neues. Die Märkte, insbesondere der S&P 500, reagierten mit vergleichsweise hoher Volatilität während der Pressekonferenz. Lediglich zwei Ausführungen Trumps zu Beginn seiner Rede bewegten die Kurse auf Sektorenebene nachhaltig: Die Ankündigung, im Gesundheitsbereich in Zukunft den Wettbewerb durch Auktionsverfahren deutlich zu verschärfen, was dem US-Pharmasektor zeitweise Verluste von über 3 % einbrachte. Die Anmerkung, man wolle F-35-Flugzeuge in Zukunft deutlich kostengünstiger beziehen, löste einige Bewegungen im Verteidigungssektor aus. Darüber hinaus wirkte der gewählte Präsident wenig präsidial.

Während die letzte Woche für den DAX insgesamt eher ereignislos verlaufen ist, gab es bei den einzelnen Sektoren durchaus große Bewegungen. Wie die untere Grafik zeigt, legten die Energieversorger in der vergangenen Woche über drei Prozent zu. Eine Rolle könnte dabei die Meldung gespielt haben, dass die Investmentbank Barclays ihre Einschätzung bezüglich des Versorgers RWE deutlich verbessert hat. Allerdings reiht sich diese Woche damit auch in einen schon seit einiger Zeit bestehenden Trend ein: Die Energieversorger legten im Vergleich zum Vormonat über 8 % zu, während der DAX insgesamt etwas über 3 % hinzugewann. Offenbar halten viele Investoren die vorgestellten Konsolidierungspläne der beiden Unternehmen und die mit der Bundesregierung verabredete Strategie zum Rückbau der Atomkraftwerke für überzeugend. Mit einem Zuwachs von 6 % und 5,5 % entwickelten sich im letzten Monat auch der Konsumgütersektor (wozu auch die großen Autobauer zählen) und der Gesundheitssektor besser. Im Rahmen des Deals mit der US-Regierung im Abgasskandal legte vor allem die Volkswagenaktie in dieser Woche (+8 %) und im letzten Monat (+16 %) stark zu.

Am 20. Januar wird Donald Trump ins Amt eingeführt. Die Rallye der vergangenen Monate basierte wesentlich auf der Erwartung einer wirtschaftsfreundlichen Steuer- und Regulierungspolitik sowie einer aggressiven Ausgabenpolitik. Daher wird auch die künftige Entwicklung an den Aktienmärkten davon abhängen, worauf der neue Präsident zunächst seinen Fokus legen wird. Liegt der Schwerpunkt eher auf der Steuer- und Ausgabenpolitik, könnten sich das gegenwärtig hohe Kursniveau bestätigen. Geht es aber hauptsächlich um seinen produktivitätsfeindlichen Protektionismus, könnte dies die Aktienmärkte schwer treffen.

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