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Devisenmärkte
16.12.2016

"Da der aktuelle Zinsschritt schon größtenteils eingepreist war, haben die Marktteilnehmer vermutlich vor allem auf die Ankündigung von drei Zinsschritten in 2017 reagiert", sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

In der Berichtswoche markierte der Euro ein 14-Jahres-Tief (© Getty Images)

In der Berichtswoche markierte der Euro ein 14-Jahres-Tief (© Getty Images)

Der EUR/USD fiel in der Berichtswoche um 2,6 % auf 1,05. Der Verlust wurde insbesondere durch die Zinsentscheidung der Fed am Mittwochabend ausgeweitet, infolge deren der Dollar auf ein 14-Jahreshoch stieg. Da der gestrige Zinsschritt schon größtenteils eingepreist war, haben die Marktteilnehmer vermutlich vor allem auf die weiteren Ankündigung der Fed-Chefin Yellen reagiert, welche eine straffere Geldpolitik im kommenden Jahr in Aussicht stellte. Insgesamt bekräftigt sich mit dieser Entwicklung erneut unsere Erwartung einer Bewegung des Euros in Richtung Parität. Die momentanen Konjunkturindikatoren bestätigen diesen Pfad: Während sich die ZEW-Konjunkturerwartungen im Dezember auf ihrem relativ niedrigen Vormonatsniveau verharrten (13,8; Durchschnitt der letzten 2 Jahre: 22,6), sanken die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA wiederholt um 10.000 auf 258.000. Da kurzfristig keine hochrelevanten Ereignisse bevorstehen, erwarten wir daher zunächst einen Seitwärtstrend auf niedrigem Niveau.

Derzeit notiert das Währungspaar EUR/GBP bei 0,84, das Pfund wertete somit in der Berichtswoche gegenüber dem Euro, um 1,8 % auf. Vor allem die Ankündigung der EZB, das Anleiheankaufprogramm bis Dezember 2017 zu verlängern, setzte den Euro unter Druck, auch wenn das monatliche Volumen von 80 Mrd. EUR auf 60 Mrd. EUR reduziert wurde. Die Nachricht, dass die Industrieproduktion in Frankreich im Oktober um 0,2 % geschrumpft ist (Konsens: +0,6 %), ließ den Euro ebenfalls abwerten. Wie erwartet beließ die Bank of England (BoE) den Leitzins bei 0,25 %, trotz eines Verbraucherpreisanstiegs (CPI) von 1,2 % YoY im November. Die Notenbanker um BoE-Chef Mark Carney sehen derzeit die konjunkturellen Risiken durch den Brexit jedoch höher und würden notfalls auch für eine gewisse Zeit Inflationsraten von über 2 % tolerieren.

USD/JPY stieg im Berichtszeitraum um 3.6 % auf 117,6.Die Fed erhöhte den Leitzins auf 0,75 % und sorgte somit für den Großteil der Dollar-Aufwertung. Die Entscheidung wurde vom Verbrauchervertrauen der Uni Michigan gestützt, welches im Dezember bei 98 Punkten liegt (Prognose: 94,5). Die US-Produktion ging im November um 0,4 % MoM zurück. In Japan stagnierte die Industrieproduktion MoM. Dennoch zeigt sich die japanische Wirtschaft optimistisch. Der Tankan-Index für Großunternehmen notiert im vierten Quartal bei 10 Punkten. Der Vorquartalswert lag bei 6. Am Dienstag entscheidet die Bank of Japan (BoJ), ob die expansive Geldpolitik fortgeführt wird. Aufgrund des derzeit billigen Yens und dem unter anderem daraus folgend steigenden Aktienindex Nikkei 225, nehmen wir an, dass die BoJ ihre Politik beibehält. Dies sollte auch für keine größeren Kursbewegungen sorgen.

EUR/CHF steht aktuell bei 1,07. Der Franken wertete damit gegenüber dem Euro um 0,8 % auf und macht damit die Verluste der Vorwoche wieder wett. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beließ wie erwartet den Leitzins auf dem Rekordtief von -0,75 %. Auf ihrer Sitzung erklärte SNB-Chef Thomas Jordan, dass die getroffenen Maßnahmen wirksam gewesen sind und es gelungen ist, die exportorientierte Schweizer Wirtschaft vor einem zu starken Franken zu beschützen. Desweiteren bekräftigten die Schweizer Notenbanker ihre Bereitschaft auch künftig am Devisenmarkt zu intervenieren. Für die kommenden Wochen erwarten wir somit eine Seitwärtsbewegung um die Marke von 1,07.