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Wochenbarometer

"Nein" zum italienischen Referendum lässt Aktienmärkte kalt

09.12.2016

"Die europäischen Märkte traten nach dem Verfassungsreferendum in Italien regelrecht in eine Rallye ein", meint HSH-Nordbank-Analyst Patrick Harms.

Nach starken Zugewinnen notierte der DAX in dieser Woche wieder über der Marke von 11.000 Punkten (© Getty Images)

Nach starken Zugewinnen notierte der DAX in dieser Woche wieder über der Marke von 11.000 Punkten (© Getty Images)

Die Aktienmärkte konnten in der letzten Woche wieder zulegen. Ein größerer Schock durch das "Nein" beim Verfassungsreferendum in Italien, das Premierminister Renzi zum Rücktritt veranlasst hat, ist ausgeblieben. Im Gegenteil: Die europäischen Märkte traten ab Montag regelrecht in eine Rallye ein. So gewann der DAX in dieser Woche 4,1 %, davon etwa 3 % zwischen Montag und Mittwoch. Der S&P 500 gewann 1,8 % und Eurostoxx 50 3,4 %. Auf dem gegenwärtigen Niveau von 2241 Punkten erreichte der S&P 500 wieder ein neues Rekordhoch. Der DAX liegt derzeit mit 11022 Punkten auf dem höchsten Niveau seit Januar dieses Jahres.

In den Tagen vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank ist sich laut einem Bloomberg-Survey eine Mehrheit der Ökonomen sicher gewesen, dass die EZB ihr Quantitative Easing-Programm in unveränderter Höhe über den März 2017 hinaus verlängern wird. Der Ausgang des Referendums in Italien dürfte die Wahrscheinlichkeit für eine Verlängerung des EZB-Programms noch erhöht haben, was Investoren offenbar stärker gewichteten als die möglichen negativen Konsequenzen der Ablehnung des Referendums und des Rücktritts des Premierministers. Insbesondere der Banksektor machte mit Blick auf die Verlängerung von QE einen deutlichen Sprung.

Vor der Wahl Donald Trumps erwarteten viele Analysten einen deutlichen Rückgang der Aktienkurse im Falle eines Sieges des Republikaners. Bisher legte der S&P 500 seit dem 08. November jedoch um etwas über 4,7 % zu. Die Grafik unten zeigt die Zuwächse zwischen dem Wahltag (08. November) und der Amtseinführung (20. Januar) gewählter Präsidenten. Mit den Ausnahmen der Crash-Jahre 2001 (Platzen der New Economy-Blase) und 2009 (Subprime-Krise) legte der S&P seit Reagans erster Wahl zwischen dem 08. November des Wahljahres und dem 20. Januar des darauffolgenden Jahres teilweise deutlich zu. Im Durchschnitt liegt der Zuwachs in dieser Periode etwa bei 4,3 % - der bisherige Zuwachs seit der Wahl Donald Trumps liegt mit 4,75 % zwar etwas darüber, aber eben auch nicht weit weg vom bisherigen Durchschnitt.

Die letztendliche Entscheidung der EZB, das QE-Programm mit einer niedrigeren monatlichen Summe (60 Mrd. Euro anstatt wie bisher 80 Mrd. Euro) bis Ende 2017 zu verlängern, hatte nur einen limitierten Effekt auf die Aktienmärkte. Einerseits war es eine Enttäuschung, da das Ankaufniveau gesenkt wurde. Andererseits liegt die Verlängerung des Programms bis Dezember über der Erwartung einer Verlängerung bis September 2017. Mario Draghi bestätigte die Bereitschaft, das Programm noch weiter zu verlängern und auszuweiten, wenn notwendig. Der DAX stieg als Antwort auf die Entscheidung auf ein Niveau von 11106 Punkten.