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Technologie

Landesbank mit hochentwickelter Blockchainexpertise

06.12.2016

Die Deutsche Bundesbank tut es, die Deutsche Börse auch. Viele Finanzdienstleister loten derzeit die Chancen der Blockchain-Technologie aus. Die HSH Nordbank hat hier bereits einen ersten "Proof of Concept".

Die Blockchain kann das gesamte Geschäftsmodell von Banken disruptieren (© Getty Images)

Die Blockchain kann das gesamte Geschäftsmodell von Banken disruptieren (© Getty Images)

In einer Blockchain entstehen (unendlich) erweiterbare Listen von Datensätzen, die miteinander verkettet sind. Darin werden einzelne Transaktionen mit vollständiger Transparenz durch Vernetzung und Kenntnis aller Beteiligen in Blocks hinterlegt, die mit anderen Blocks eine Kette schaffen. "Diese Blocks sind weder änderbar, löschbar oder stornierbar – man spricht von 'immutability'. Sie sind jederzeit herleitbar und die kryptografische Hash-Verschlüsselung gilt als absolut sicher", sagt Yoram Matalon, Bereichsleiter Transaction Banking.

Die Technologie elektrisiert die Finanz-Branche, weil sie Transaktionen radikal vereinfachen kann. Nach Schätzungen von Goldman Sachs könnten Banken weltweit jedes Jahr sechs Milliarden US-Dollar sparen, wenn sie die Blockchain-Technologie für das Clearing und Settlement von Wertpapieren am Kapitalmarkt verwenden würden. Aussichtsreich für die nächste Generation der Blockchain 2.0 sind vor allem die sogenannten Smart Contracts. Das sind intelligente Verträge in einer programmierbaren Computerform, die sich selbst überwachen und selbstexekutierend sind. "Wir haben uns mit dieser Technologie beschäftigt und eine erste Lösung aufgesetzt, ein 'proof of concept', das uns erlaubt, sogenannte smart Contract Verträge abzubilden", sagt Sven Mahnke, Abteilungsleiter Transaction Banking bei der HSH Nordbank.

Ein Smart Contract enthalte neben allen wichtigen Informationen auch eine Berechnungslogik, um Events zu verarbeiten sowie Aktivitäten zu starten, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Als ersten Blockchain-Case hat sich die HSH Nordbank um das Thema Schuldscheine gekümmert. "Schuldscheine boten sich für einen Einstieg in der Thema an, weil es hierbei eine limitierte Anzahl von Beteiligten gibt", sagt Mahnke. Wie die meisten Banken, die sich derzeit intensiv mit dem Thema Blockchain beschäftigen, setzt auch die HSH Nordbank auf die sogenannte "Private Blockchain". "Eine Private Blockchain hat für den Einstieg in diese Technologie den großen Vorteil eines höheren Vertrauens als eine frei zugängliche Public Blockchain." Hier kommen die miteinander verbundenen, dezentral gespeicherten Blöcke zum tragen, die für eine hohe Transparenz und Sicherheit zum Beispiel im Zahlungsverkehr sorgen. Seitdem Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 zum ersten Mal das Prinzip der Blockchain umschrieb, hält der Siegeszug der neuen Technologie an. Und damit auch der Erfolg von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether, welche die Architektur der Technologie nutzen. Da die Blockchain einen direkten Transfer vom Sender zum Empfänger einer Zahlung ermöglicht, kann sie in der Theorie den Mittelsmann ersetzen – nämlich Zahlungsdienstleister wie Banken oder Kreditkarteninstitute. Auch deshalb sieht sich die Finanzbranche die Technologie genau an. Denn sie hat das Potenzial, ihr gesamtes Geschäftsmodell zu disruptieren. "Die Blockchain bietet aber auch enorme Chancen", sagt Henner Harnisch, Abteilungsleiter IT Infrastruktur und Kapitalmarkt IT bei der HSH Nordbank. "In Zeiten niedriger Zinsen müssen sich Banken neue Erlösmodelle erschießen, und Serviceleistungen rund um die Blockchain können solche sein." Auch in Norddeutschland sei der Nachholbedarf bei der Umsetzung der neuen Technologie riesig. "Durch die Nähe zu den Universitäten Hamburg und Kiel mit ihren Fachbereichen Informatik haben wir aber einen Wettbewerbsvorteil", sagt Harnisch. Für ein Projekt hat die HSH Nordbank bereits mit einem auf Blockchain spezialisierten Start-up Unternehmen zusammengearbeitet. "Wir haben daran gesehen, dass unsere Expertise auf diesem Gebiet bereits hochentwickelt ist", sagt Harnisch. "Wir haben das IT-Know-how, gepaart mit Banking Know-how."

Derzeit stehen für das Institut aber noch hybride Lösungen im Vordergrund, bei denen die Abwicklung in Euro erfolgt. Das Vertrauen in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Litecoin und Ripple ist bei den Kunden noch nicht gefestigt genug. Beim Bitcoin gab es darüber hinaus einige Skandale, und die Währung, deren Marktkapitalisierung über 15 Milliarden US-Dollar liegt, ist sehr volatil. Das muss aber nicht so bleiben, denn der Bitcoin wird irgendwann eine abgeschlossene, nicht mehr zu produzierende Währung sein.

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