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Konjunkturprognose

HWWI rechnet mit schwächerem Wirtschafts-Wachstum

08.12.2016

Politische Unwägbarkeiten überschatten die Konjunkturaussichten. Risiken bestehen durch den Brexit, eine protektionistische US-Politik und Wahlen in den Euro-Kernländern Frankreich und Deutschland. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat deshalb seine Prognose der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland für das kommende Jahr gesenkt.

Prognose gesenkt: Politische Unsicherheit trübt die Wachstumsaussicht in Deutschland (© Getty Images)

Prognose gesenkt: Politische Unsicherheit trübt die Wachstumsaussicht in Deutschland (© Getty Images)

Bleibt Angela Merkel 2017 Bundeskanzlerin? Stellt die rechtspopulistische Front National mit Marine Le Pen die nächste Präsidentin in Frankreich? Kommt es unter Theresa May in Großbritannien zu einem "harten" Brexit? Setzt der neue US-Präsident Donald Trump seinen im Wahlkampf angekündigten protektionistischen Kurs in die Tat um? Frage wie diese drücken Unsicherheiten aus, welche die Wirtschaft in Deutschland und in Europa belasten.

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat aufgrund vielfacher Risiken seine Prognose der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland für das kommende Jahr gesenkt und erwartet nun ein Wirtschaftswachstum von nur noch 1,1 %. 2018 dürfte es bei wieder stärkerer Konjunkturdynamik dem Institut zufolge allerdings bei 1,6 % liegen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt soll sich zunächst kaum weiter verbessern. Der Wiederanstieg der Verbraucherpreise soll sich fortsetzen und der 2-Prozent-Marke nähern. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich nach dem starken ersten Halbjahr reduziert - das war erwartet worden. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Halbjahr nur noch mit einer Jahresrate von etwa 1 % gewachsen. Diese Abschwächung ist nach den positiven Sondereinflüssen zuvor aber dem HWWI zufolge eher als Normalisierung zu betrachten. Ebenso wie die gesamtwirtschaftliche Produktion verlangsamt anstieg, nahm auch die Beschäftigung weniger stark zu, erreichte aber mit 43,5 Millionen Erwerbstätigen einen neuen Höchststand. Die Arbeitslosigkeit ging auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung zurück; die Arbeitslosenquote sank zuletzt unter 6 %. Die Verbraucherpreise haben mit der Wende bei den Energie- und anderen Rohstoffpreisen ebenfalls wieder zu steigen begonnen. Noch Ende dieses Jahres wird die Inflationsrate die 1-Prozent-Marke überschreiten.

Globale Unsicherheiten belasten auch die Weltwirtschaft insgesamt, auch sie dürfte 2017 nur mäßig wachsen. In den USA und in China ist das Wirtschaftswachstum unterdurchschnittlich und viele Schwellen- und Entwicklungsländer haben teils wegen verringerter Einnahmen aufgrund gedrückter Rohstoffpreise, teils wegen innenpolitischen Problemen wirtschaftliche Schwierigkeiten. Hinzu kommen verstärkte protektionistische Tendenzen – Signale hierzu kommen vor allem aus den USA. Von allen Probleme wird die exportabhängige deutsche Wirtschaft nicht unberührt bleiben. Die Risiken für diese Prognose bleiben allerdings groß. Nach wie vor ist fraglich, wie der Brexit vollzogen werden soll. Und inwieweit in den USA Wahlankündigungen in reale Politik umgesetzt werden, ist ebenfalls offen. Auch könnten die "Nachwirkungen" des Italien-Referendums die Euro-Krise neu beleben. Eine Verstärkung protektionistischer Tendenzen könnte zudem die Stabilisierung des nachlassenden Wirtschaftswachstums in China gefährden. Nicht zuletzt besteht das Risiko, dass eine zu schnelle und deutlicher als erwartete Zinswende in den USA die Finanzmärkte destabilisiert und viele Entwicklungs- und Schwellenländer zusätzlich in neue Schwierigkeiten bringt.