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Wochenbarometer

DAX auf höchstem Stand seit 2015. 2017 wird kompliziert.

23.12.2016

„Wir rechnen für das nächste Jahr mit einer eher schwierigen Phase für den Aktienmarkt. Eine deutlich positive Entwicklung ist aus fundamentaler Sicht nicht gerechtfertigt.“, meint HSH Nordbank-Analyst Patrick Harms.

(©) Getty Images

Der Dax hat in der Woche nach der Fed-Sitzung nochmal deutlich zugelegt. Im Vergleich zur Vorwoche stieg der Index um 1,7 % an und liegt aktuell bei 11473 Punkten. Fast genauso stark legte der Eurostoxx in dieser Woche zu und notiert derzeit bei 3274 Punkten. Der S&P legte hingegen nur 0,4 % zu und liegt aktuell bei einem Wert von 2265. Damit wurde in dieser Woche wieder ein neues Rekordniveau erreicht. Der Index scheint derzeit nicht nur vom Optimismus der Anleger bezüglich der Wirtschaftspolitik des neuen Präsidenten zu profitieren, sondern auch von einer neuen Welle von Aktienrückkäufen auf Seiten der Unternehmen. Nach Daten von Goldman Sachs liegt das Niveau der Aktienrückkäufe 60-70% höher als im letzten Jahr. Der DAX liegt mit dem gegenwärtigen Niveau von 11473 auf dem höchsten Niveau seit den Sommermonaten 2015.

Wie nachhaltig ist das gegenwärtige Niveau des deutschen Aktienindex? Die Grafik unten zeigt anhand unseres Über- und Unterbewertungsmodells, wie sich die derzeitige Wertentwicklung zu einem historisch gesehen fairen Wert verhält. Die 1 zeigt ein Niveau an, bei dem sich der DAX etwa bei einem fairen Wert bewegt. Längere Perioden, in denen der Bewertungsindex die Zone zwischen 0,9 (Grenze zur Unterbewertung) und 1,1 (Grenze zur Überbewertung) verlässt, sind die absolute Ausnahme. Deutliche Unterbewertungen fanden etwa in der Krise 2008/2009 und der Eurokrise 2011/2012 statt. Eine deutliche Überbewertung ergab sich nur zum Jahreswechsel 2014/2015 im Rahmen der Verkündigung des QE-Programms der EZB. Aktuell bewegt sich der Index bei einem Wert von 1,1. Stark angestiegen ist die Bewertung des DAX seit der US-Wahl im November und hat in den letzten Wochen noch einmal Fahrt aufgenommen. Die Erwartung ist, dass deutsche Unternehmen in hohem Maße auch von einer wirtschaftsfreundlichen Politik des neuen Präsidenten profitieren würden. Hinzu kommen zwei makroökonomische Faktoren: Der Zinsanstieg, der sich auch bei den Bunds nach der Wahl ergeben hat, ist im Zusammenhang mit der Verlängerung des EZB-Programms wieder zum Erliegen gekommen. Damit ist eine Anlagealternative zu Aktien wieder unattraktiver geworden. Zum anderen hat der drastische Zinsanstieg in den USA zu einer Abwertung des Euro auf historisch niedrige Werte geführt. Die größtenteils international ausgerichteten Unternehmen im DAX profitieren davon ganz massiv. Die hohe Bewertung des DAX könnte sich also rechtfertigen, wenn diese Entwicklungen den Unternehmen tatsächlich helfen. Wir rechnen für das nächste Jahr allerdings mit politischen Turbulenzen auch in Europa. Unsicherheitsschocks, die vom Kontinent ausgehen – etwa eine Eskalation bei den Brexit-Verhandlungen oder Wahlerfolge von Populisten in Europa – könnten den DAX bei der gegenwärtig hohen Bewertung besonders stark treffen.

Wir rechnen für das nächste Jahr daher mit einer eher schwierigen Phase für den deutschen Aktienmarkt. Eine deutlich positive Entwicklung ist aus fundamentaler Sicht eher nicht gerechtfertigt. Sollten sich Teile der Risiken im kommenden Jahr hingegen materialisieren, muss zumindest kurzfristig mit signifikant größerer Volatilität gerechnet werden. Ein positives konjunkturelles Signal – etwa eine deutlich expansivere Wirtschaftspolitik in den USA – könnte hingegen zu einer Bestätigung der gegenwärtig hohen Niveaus führen.

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