SUCHE

Auf einen Espresso mit ...
09.11.2016

Dr. Cyrus de la Rubia meint: "USA wird protektionistischer."

Video: Erste Analysen nach dem Trump-Sieg

Was bedeutet der Wahlsieg von Donald Trump für die Wirtschaft?
Dr. Cyrus de la Rubia: Kurzfristig bedeutet der Sieg Trumps erst einmal viel Unsicherheit. Das zeigen bereits die ersten Reaktionen an den Aktien- und Devisenmärkten. Das wird wohl ein paar Wochen lang so bleiben. Ich gehe davon aus, dass die US-Notenbank bei ihrer nächsten Sitzung von einer Erhöhung der Leitzinsen Abstand nimmt, denn sie reagiert meist sensibel auf die Märkte.

Welche Folgen hat der Wahlsieg von Trump mittel- bis langfristig?
Dr. Cyrus de la Rubia: Das ist aktuell schwer vorherzusagen, weil niemand weiß, welche seiner Ankündigungen Trump umsetzen will und kann. Das gilt ja nicht nur für die Wirtschafts-, sondern auch für die Außenpolitik. Man darf aber eins nicht vergessen: Im Wahlkampf wird eine sehr scharfe Rhetorik gebraucht – danach sieht es meist anders aus. Aber insgesamt gilt: Die Unsicherheit führt zu weniger Investitionen und damit zu weniger Wachstum.

Trump hat angekündigt, den Freihandel beschränken zu wollen.
Dr. Cyrus de la Rubia: Die USA dürften unter Donald Trump deutlich protektionistischer werden. Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP wird wohl nicht zustande kommen. Ob das bereits verhandelte Abkommen zwischen den USA und den asiatischen Staaten außer China umgesetzt wird, ist sehr fraglich. Spannend wird sein, ob Trump tatsächlich versucht, Importzölle in Höhe von 45 Prozent auf chinesische und in Höhe von 35 Prozent auf mexikanische Waren einzuführen und das Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko, Nafta, zu kündigen. Das hätte eine große Schockwirkung. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der US-Kongress das mitmacht.

Welche Konsequenzen hat Europa zu erwarten?
Dr. Cyrus de la Rubia: Trump hat sich zu Europa wenig geäußert. Aber gerade Deutschland ist als Exportnation auf einen möglichst gut funktionierenden Welthandel inklusive ordentlicher Wachstumsraten angewiesen. Wenn China weniger in die USA exportieren kann, nimmt es weniger Geld ein und kann weniger bei uns kaufen.

Schadet eine Abschottung der USA auch der amerikanischen Wirtschaft?
Dr. Cyrus de la Rubia: Auf jeden Fall. Zwar beträgt die Exportquote in den USA nur 12 Prozent des BIP – in Deutschland sind es 45 Prozent. Aber dennoch sind die großen US-Firmen eng mit den internationalen Wertschöpfungsketten verbunden, egal, ob sie Apple, General Motors oder Procter & Gamble heißen – nur um ein paar zu nennen.

Gibt es auch Gewinner?
Dr. Cyrus de la Rubia: Ja, Firmen, die in den USA Fracking betreiben. Für die will Trump beispielsweise die Genehmigungsvorschriften erleichtern.

Die USA sind – das hat der Wahlkampf gezeigt – ein tief gespaltenes Land. Wie geht es weiter?
Dr. Cyrus de la Rubia: Das ist eine Wahl, die von tendenziell eher alten, weißen Wählern entschieden wurde. Andere Bevölkerungsgruppen fühlen sich abgehängt. Es ist deshalb zu befürchten, dass sich die Konflikte in den USA zuspitzen.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)