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07.11.2016

Ob frisch geschnittenes Obst und Gemüse, Fertigsalate, Wraps, Sushi und Smoothies – "ultrafrische" Produkte werden immer beliebter. Die Lebensmittel-Industrie rechnet mit einem starken Wachstum der Warengruppe "ultrafrische Convenience" in den nächsten drei Jahren.

Für frische Produkte sind die Deutschen bereit, mehr zu zahlen (© Getty Images)

Für frische Produkte sind die Deutschen bereit, mehr zu zahlen (© Getty Images)

Für Vollsortimenter eröffnet die ultrafrische Convenience ein neues Marktsegment, um sich von Discountern zu differenzieren. Das ergibt die aktuelle Quick-Check-Umfrage der HSH Nordbank unter 23 Top-Entscheidern der Ernährungsindustrie.

Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2015 werden die Umsätze und Gewinne auch im laufenden Geschäftsjahr bei der Mehrheit der befragten Unternehmen weiter steigen. Wachstumstreiber sind vor allem die Warengruppen Frische- und Ultrafrische-Convenience. Dagegen verliert das Tiefkühl-Convenience-Segment an Marktanteilen. So rechnen hier fast 30 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Gewinnen in 2016.

"Unsere Kunden wollen in den nächsten drei Jahren verstärkt in Frische- und Ultrafrische-Convenience investieren", sagt Tim Muhle, Leiter Ernährungswirtschaft bei der HSH Nordbank. Fast die Hälfte der Unternehmen erwarte in dem Marktsegment Ultrafrische ein jährliches Wachstum von über vier Prozent. Der Grund für die hohe Nachfrage nach ultrafrisch fertig zubereiteten Produkten ist ein steigendes Ernährungsbewusstsein kombiniert mit dem Trend zu mehr Bequemlichkeit und Schnelligkeit. In einer immer schneller werdenden Gesellschaft spielt der Zeitfaktor bei der Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle. Zudem führen veränderte gesellschaftliche Strukturen, wie die steigende Anzahl an Single-Haushalten, zu neuen Verzehrgewohnheiten. In Großstädten ist die Nachfrage nach gesunden, schnellen Gerichten und Snacks am höchsten.

"Vor allem Vollsortimenter werden von dem Trend zur ultrafrischen Convenience profitieren und sich positionieren", sagt Muhle. Eine frische Zubereitung am Point of Sale verschaffe Vollsortimentern einen entscheidenden Vorteil gegenüber Discountern. Aber auch für Convenience-to-Go-Shops (in Bahnhöfen, Flughäfen und Tankstellen) sowie für Produzenten sei das trendige Marktsegment sehr Erfolg versprechend.

Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen sind überzeugt, dass Konsumenten in Deutschland grundsätzlich bereit sind, mehr Geld für ultrafrische Convenience auszugeben. Laut der Umfrage geht die Lebensmittelindustrie von einem möglichen Aufpreis von bis zu 20 Prozent aus. "Im Vergleich zu unseren westlichen Nachbarländern verlief die Markteinführung von ultrafrischen Convenience-Produkten in Deutschland eher schleppend", sagt Muhle. Ein zu hoher Preis sei immer noch eines der entscheidenden Kaufhemmnisse dieser Warengruppe, hinzu komme fehlendes Vertrauen in die industrielle Produktion und die Angst vor Keimen und Bakterien. Gerade die von den Konsumenten für sehr glaubwürdig gehaltenen Test-Zeitschriften kritisierten in der Vergangenheit große Mängel an Fresh-Cut-Salaten.

Generell ist die Ladeninfrastruktur bei den meisten Unternehmen bereits auf den Verkauf von ultrafrischer Convenience ausgelegt. Neben einer frischen Zubereitung am Point of Sale wird die Ware in offenen Truhen, Schränken und zum Teil sogar in einer ganzen Abteilung präsentiert. Für 2017 erwarten die Unternehmen eine weitere Verschiebung in Richtung Ultrafrische. Während derzeit Tiefkühl-Convenience-Produkte gemittelt 36 Prozent der Ladenfläche in Anspruch nehmen, wird diese Gruppe nach Schätzung der Unternehmen Ende 2017 nur noch 28 Prozent der Fläche ausmachen (- 8 %). Dafür legt die Ultrafrische, die aktuell zwölf Prozent der Ladenfläche beansprucht, auf durchschnittlich 21 Prozent zu. Das entspricht einem Plus von neun Prozent an zusätzlicher Ladenfläche. Dennoch bringt das neue Wachstumssegment auch Herausforderungen mit sich: So stellt nach Angaben von 43 Prozent der Unternehmen der Abverkauf der Waren das größte Problem für den Einzelhandel dar. Aufgrund der kurzen Restlaufzeiten müssen die ultrafrischen Waren so schnell und frisch wie möglich an den Konsumenten verkauft werden, was häufig mit Abschriften verbunden ist.