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Aktienmärkte
04.11.2016

"Historisch gesehen entwickelt sich der S&P 500 dynamischer unter demokratischen Präsidenten als unter Republikanern", sagt HSH-Nordbank-Analyst Patrick Harms.

Das Umfragehoch von Donald Trump hat die Aktienkurse belastet (© Getty Images)

Das Umfragehoch von Donald Trump hat die Aktienkurse belastet (© Getty Images)

Nachdem sich die Aktienmärkte in den letzten Wochen in eher ruhigem Fahrwasser bewegten, gab es in dieser Woche einen kräftigen Rücksetzer. DAX und Eurostoxx verloren jeweils 3 % und liegen nun bei 10371 und 2987 Punkten. S&P 500 sank um 2,3 % und notierte zuletzt bei 2098. Nachdem das Risiko eines Wahlsiegs des Republikaners Trump in den letzten Monaten an den Aktienmärkten nahezu vollständig "ausgepreist" wurde, war die Veröffentlichung eines nationalen Umfrageergebnisses, das Trump einen Prozentpunkt vorne sieht ein umso größerer Schock. Der S&P 500 liegt damit auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Juli. Die Investoren sind offenbar stark verunsichert, was sich in Kurszuwächsen bei Anleihen sicherer Staaten wie Deutschland und den USA, dem Goldpreis und dem Schweizer Franken widerspiegelt.

Historisch gesehen entwickelt sich der S&P 500 dynamischer unter demokratischen Präsidenten als unter Republikanern. Legt man das durchschnittliche, annualisierte Wachstum des Index zugrunde, kommen die Demokraten auf einen Zuwachs von etwas über 11 %, die Republikaner auf etwas über 6 %. Wie in der Grafik unten sichtbar wird, ist dieses Ergebnis allerdings stark getrieben von den Bush-Jahren (George W. Bush – 2001 bis 2009 Präsident), in die die Finanzkrise von 2008/2009 fiel. Lässt man diese Phase heraus, kommen die Republikaner auf 9 % und liegen damit nur noch 2 Prozentpunkte hinter den Demokraten – ein Wert, den man in der Statistik nicht als signifikant bezeichnen würde. Allerdings sollte diese Metrik beim Duell Clinton gegen Trump ohnehin nicht angewendet werden. Zum einen gilt Trump nicht als typischer Republikaner, zum anderen haben die Investoren – anders als das US-amerikanische Wahlvolk – bereits einen eindeutigen Favoriten ausgemacht. Da viele Investoren verschreckt sind von der Unsicherheit, die mit einem Wahlerfolg von Donald Trump auf sie zukommen würde, favorisiert eine Mehrheit die Demokratin Hillary Clinton. Insgesamt würden die Aktienmärkte von einem Clinton-Sieg profitieren. Die Frage, wie lange sich die Aktienmärkte von einem solchen Ergebnis leiten lassen würden ist allerdings nur schwer zu beantworten. Ein Sieg Donald Trumps könnte verbunden sein mit einem radikalen politischen Wandel, der viele Investoren trotz einer "wirtschaftsfreundlichen" Ausrichtung – etwa in der Steuer- und Regulierungspolitik – auch dauerhaft verschrecken könnte. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass trotz des von uns erwarteten allgemeinen Anstiegs der Volatilität einige Sektoren von einem Sieg des Milliardärs profitieren könnten. Seine Ankündigung, eine deutliche Produktionsausweitung im Schiefergas- und Öl-Sektor einzuleiten würde dem Sektor helfen. Aufgrund von Clintons angekündigten Kampfes gegen die Preispolitik der Pharmaunternehmen könnte auch hier die Wahl Donald Trumps eine Erleichterung bringen. Ob – und wann – sich die fundamentale Verbesserung dieser Sektoren gegen den von uns erwarteten Trump-Schock durchsetzen wird, ist jedoch unklar.

Im Falle eines Wahlsieges Hillary Clintons erwarten wir zunächst eine Umschichtung von den Anleihe- in die Aktienmärkte, das heißt steigende Zinsen und steigende Aktienkurse. Angesichts der wieder zunehmenden Furcht vor einem Trump-Sieg sollte die Erleichterungsrallye umso stärker ausfallen.