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Ölmärkte

Rekordanstieg der Rohölvorräte erhöht Abgabedruck auf Ölpreise

04.11.2016

"Der Abgabedruck auf die Ölpreise wurde durch die überraschend hohe Ölförderung in den OPEC-Staaten sowie in Russland erhöht", kommentiert Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank.

Die Preise für Öl gaben in der vergangenen Berichtswoche nach (© Getty Images)

Die Preise für Öl gaben in der vergangenen Berichtswoche nach (© Getty Images)

Die Rohölpreise haben in der vergangenen Berichtswoche erneut kräftig an Wert eingebüßt. Die Nordseesorte Brent verlor 6 % und notiert derzeit bei 46,7 US-Dollar/Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit dem 28. September, dem Tag bevor die OPEC-Staaten mit einer Einigung die Märkte überraschten.

Ursächlich für den starken Preisrückgang in der vergangenen Woche ist u.a. das wachsende Misstrauen in die Erfolgsaussichten eines OPEC-Abkommens. Dieses spiegelt sich vor allem im Rückzug von spekulativ orientierten Anlegern wider. Diese haben zum ersten Mal seit dem Ende des informellen OPEC-Treffens in Algier ihre Wetten auf fallende Ölpreise ausgebaut. In Algier hatten sich die OPEC-Staaten darauf verständigt, bei ihrem Treffen am 30. November in Wien ein Abkommen zu schließen. Äußerungen des Generalsekretärs der OPEC erhöhten den Druck auf die rückläufigen Ölpreise. Dieser appellierte an die Mitglieder des Kartells, sich zügig über die Förderquoten zu einigen. Damit sprach er implizit die Probleme bei der Einigung an.

Gleichzeitig machte er das Dilemma der OPEC deutlich, dass die Erholung der Ölpreise der US-Schieferölindustrie in die Karten spiele. Diese hat in den vergangenen Monaten kräftig investiert und gebohrt. Von einer Reuters-Nachricht, dass Saudi-Arabien und seine Anrainerstaaten bereit seien, Einschnitte bei der eigenen Ölförderung um 4 % hinzunehmen, konnten die Rohölpreise nicht nachhaltig profitieren. Ausgehend vom derzeitigen Produktionsniveau dieser Länder (~ 16 Mio. Barrel/Tag) dürfte dies einer Kürzung von mehr als 650 Tsd. Barrel/Tag entsprechen. Nicht-OPEC-Staaten wie Russland oder Brasilien haben angekündigt sich erst an einer Förderkürzung zu beteiligen, wenn die OPEC Ziele nennt. Mehr Klarheit wird man daher erst am 30. November haben.

Eine überraschend hohe Ölförderung in den OPEC-Staaten sowie in Russland erhöhte den Abgabedruck auf die Ölpreise stark. Dank einer höheren Förderung in Libyen (+180 Tsd. Barrel/Tag) und Nigeria (+170 Tsd. Barrel/Tag) produzierten die OPEC-Staaten im Oktober laut Bloomberg-Schätzungen rund 1,02 Mio. Barrel/Tag (Vergleich Reuters: 800 Tsd./Tag) über dem oberen Ende der angekündigten Produktionsspanne von 32,5 bis 33 Mio. Barrel/Tag. Auch in Russland konnte im Oktober die Förderung erneut ausgeweitet werden.

Laut den Zahlen des Energieministeriums wurde im Oktober mit 11,2 Mio. Barrel/Tag so viel Öl gefördert wie nie zuvor seit dem Ende der Sowjetunion. Das dürfte unsere Erwartungen bestätigen, dass sich die russische Ölförderindustrie nicht an einem möglichen Abkommen beteiligen wird. Nicht zuletzt lasteten die überraschend stark gestiegenen US-Rohölvorräte auf den Preisen. Wie die am 02. November veröffentlichten offiziellen Daten der EIA zeigen, stiegen diese in der vergangenen Woche um 14,4 Mio. Barrel – der höchste Zuwachs seit Aufzeichnung der Datenreihe. Dies ist der erst zweite Anstieg der Ölvorräte in den vergangenen zwei Monaten. Ursächlich hierfür sind die kräftig gestiegenen Importe in die USA. Diese legten im Vorwochenvergleich um rund 2 Mio. Barrel/Tag zu. Dies dürfte vor allem auf Nachholeffekte zurückzuführen sein. Die Importe fielen in den vergangenen Wochen sturmbedingt deutlich niedriger aus.

Insgesamt scheint die Stimmung an den Ölmärkten zu kippen. Neue Treffen zur Festlegung von Produktionsobergrenzen sowie Gerüchte über eine bevorstehende Einigung dürften in den nächsten Wochen kaum noch einen positiven Einfluss auf die Preise haben, da die Ankündigungen nicht mehr glaubwürdig wirken. Unmittelbar vor dem OPEC-Treffen dürfte es dennoch zu erhöhter Volatilität an den Ölmärkten kommen.