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Wochenbarometer
04.11.2016

"Der größte Unsicherheitsfaktor ist die Qualität und die Aktualität der Umfragen", glaubt Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

"Make America Great Again" – der Slogan der Trump-Kampagne (© Getty Images)

"Make America Great Again" – der Slogan der Trump-Kampagne (© Getty Images)

Eine Woche vor der US-Präsidentschaftswahl veröffentlichte die Washington Post eine für die meisten Investoren beunruhigende Umfrage. Demnach liegt der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit einem Prozentpunkt vor Hillary Clinton, seiner Rivalin aus dem demokratischen Lager. Nur auf die nationalen Umfragen zu schauen, greift jedoch zu kurz. Wichtiger ist es, die Ergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten auf der Basis der dortigen Umfragen abzuschätzen. Denn nach dem amerikanischen Wahlsystem entsendet jeder Bundesstaat Wahlmänner und dabei gilt das Mehrheitswahlrecht: Wenn beispielsweise Texas an Trump geht (alles andere wäre eine Überraschung), bedeutet dies 38 Stimmen für Trump und 0 für Clinton.

Die folgende US-Karte zeigt auf der Basis der aktuellen Umfragen ein Bild, bei dem Clinton die Präsidentschaft nahezu sicher erscheint. Zählt man nur die Wahlmännerstimmen in den Staaten zusammen, die in den Umfragen für Clinton einen Vorsprung von mehr als fünf Prozentpunkten gegenüber Trump ausweisen, kommt die Demokratin bereits auf 259 Wahlmänner, womit ihr nur noch 11 Stimmen fehlen, um das Spitzenamt zu gewinnen. Berücksichtigt man weiter, dass noch 10 Staaten mit insgesamt 115 Stimmen so genannte Toss-up-Staaten sind (die Umfragen sind derart knapp, dass die Prognose einem Münzwurf entspricht), spricht die Wahrscheinlichkeitslehre für einen Clinton-Sieg. Wenn beispielsweise nur einer der Staaten Arizona, Georgia, Florida, North Carolina oder Ohio an Clinton gehen würde, wäre die Wahl bereits gewonnen.

Umfrageergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten

Quelle: Realclearpolitics.com

Quelle: Realclearpolitics.com

Umgekehrt wäre ein Sieg Trumps nur möglich, wenn die genannten Staaten allesamt mehrheitlich für Trump stimmen und gleichzeitig 17 der 26 Wahlmännerstimmen aus den restlichen Toss-up-Staaten auch dem Lager der Republikaner zuzurechnen sind. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering.

Der größte Unsicherheitsfaktor ist die Qualität und die Aktualität der Umfragen. Immer wieder kommt es vor, dass sicher geglaubte Staaten doch von dem jeweiligen Gegner erobert werden, was die Kalkulationen durcheinander bringt. Hierbei spielt auch eine Rolle, ob und wie viele bisherige Nicht-Wähler aktiviert werden können, wodurch alte Wählermuster verschoben werden.

Fazit: Wir gehen davon aus, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten Hillary Clinton heißen wird. Es bleibt jedoch ein erhebliches Restrisiko, das Investoren am Mittwoch, dem 09. November, zu frühem Aufstehen verpflichtet.