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25.11.2016

"Der historischen Tiefstand von - 0,75 % bei zweijährigen Bundesanleihen lässt sich eventuell mit der Erwartung eines uneingeschränkt weiterlaufenden Ankaufprogramms der EZB erklären", meint Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

Die Konsumenten in den USA sind in guter Stimmung, das Weihnachtsgeschäft nach dem Black Friday steht vor der Tür – wie die Zinserhöhung des Fed (© Getty Images)

Die Konsumenten in den USA sind in guter Stimmung, das Weihnachtsgeschäft nach dem Black Friday steht vor der Tür – wie die Zinserhöhung des Fed (© Getty Images)

Die USA steuern immer sichtbarer ihrem nächsten Zinsschritt zu Jahresende entgegen. Dazu trugen das gestern (23.11.) veröffentlichte Sitzungsprotokoll zur letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank bei. Der Zinsschritt im Dezember dürfte demnach vollzogen werden. Die US-Wahl, deren Ergebnis zum Zeitpunkt der Sitzung noch nicht bekannt war, wurde dabei nicht erwähnt. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses waren sich einig, dass sich der wirtschaftliche Ausblick seit der letzten Sitzung im September wenig verändert hat. Hinsichtlich der weiteren Geldpolitik hielten sich die US-Notenbanker jedoch zurück.

In den USA kletterten die Renditen der zweijährigen Staatsanleihen in der vergangenen Woche von 1,01 auf 1,13. Seit Anfang November stiegen diese gar um 40 Basispunkte an. Im selben Zeitraum fielen die Renditen der zweijährigen Bundesanleihen zeitweise auf - 0,75 % - einem historischen Tiefstand. Eine Erklärung dafür liegt nicht auf der Hand. Möglicherweise spielt hier die Erwartung eine Rolle, dass die EZB ihr Ankaufprogramm ohne Abstriche fortsetzt. Unserer Meinung nach werden sich die Zinsen der Eurozone jedoch nicht dem sich anbahnenden Zinsschritt der Fed entziehen können. Wir erwarten in beiden Währungsräumen leicht anziehende Renditen.

Die Konjunkturdaten aus den USA und dem Euroraum konnten in der vergangenen Woche überwiegend überzeugen. Die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter legten überraschend kräftig um 4,0 % zu. Das lässt die Hoffnung aufkeimen, dass die USA im Verarbeitenden Gewerbe die Talsohle durchschritten hat und an Dynamik gewinnt. Zudem wurde der endgültige Wert des Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan um zwei Prozentpunkte nach oben korrigiert. Das deutet darauf hin, dass die Konsumenten in den USA guter Stimmung sind. Damit steht einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels, das am Black Friday (25.11.), dem Tag nach Thanksgiving, eingeläutet wird, nichts entgegen. Unterdessen hat der künftige US-Präsident Donald Trump in einer an das amerikanische Volk gerichteten Videobotschaft seinen Plan für die ersten 100 Tage im Amt skizziert. Im Zentrum standen dabei die Abkehr vom Freihandelsabkommen TPP und Klimaschutz sowie einer umfassenden Deregulierung des Energiesektors.

Die vorläufigen Markit PMI-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende und das Dienstleistungsgewerbe signalisieren eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung der wirtschaftlichen Aktivität im Euroraum. Ein ähnliches Bild ergab sich für den ifo-Geschäftsklimaindex im November. Dieser fiel zwar mit 110,4 Punkten leicht schwächer aus als gemeinhin erwartet. Das Niveau des Index signalisiert jedoch weiterhin ein hohes Maß an Optimismus.

Wir gehen davon aus, dass auch die Konjunkturdaten der nächsten Woche dem Zinsschritt der Notenbank keine Steine in den Weg legen werden. Die Arbeitsmarktdaten – erwartet wird ein Beschäftigungszuwachs von 180.000 – dürften den Aufwärtstrend der US-Wirtschaft untermauern.