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Europäische Märkte nehmen Wahlsieg Trumps gelassen

10.11.2016

"Die milde Reaktion der europäischen Aktienmärkte ist nur eine Momentaufnahme", sagt HSH-Nordbank-Analyst Patrick Harms.

Vor der Wahl galt Donald Trump als Schreckgespenst der Wall Street (© Getty Images)

Vor der Wahl galt Donald Trump als Schreckgespenst der Wall Street (© Getty Images)

Nachdem Donald Trump zum neuen Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, findet eine ähnliche Flucht in Sicherheit statt wie nach dem Brexit- Votum in Großbritannien. Dieser Anstieg der Risikoaversion sorgte in Asien bereits für deutliche Kursverluste. So verlor etwa der japanische Topix-Index nach Gewinnen zum Handelsstart 4,6 %, und der Hang Seng Index in Hong Kong verlor 2,3 %. S&P 500-Futures erreichten bereits die Verlustschwelle von 5 %, der Punkt ab dem der Handel nicht mehr frei stattfinden kann. Allerdings kletterten sie wieder deutlich nach oben. Bei den Eurozonen-Werten halten sich die Kursrückgänge bisher in Grenzen. DAX und Eurostoxx starteten mit deutlichen Verlusten in den Handel, erholten sich aber teilweise wieder. Im Vergleich zur Vorwoche sind daher bislang keine nennenswerten Verluste auszumachen.

Vergleicht man die bisherige Reaktion des Eurostoxx bis zum frühen 9. November mit dem Kursverlauf des Eurostoxx nach dem Brexit-Votum, dessen Ergebnisse in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni veröffentlicht wurden, so ergibt sich das in der Grafik unten dargestellte Bild. Der Kurswert des Index vor den jeweiligen Abstimmungen bewegte sich auf ähnlichen Niveaus, der Eurostoxx hatte sich nach dem Absturz in Folge der Brexit-Entscheidung wieder vollständig erholt. Die Grafik zeigt auch, dass die bisherige Reaktion auf den Aktienmarkt in der Eurozone vergleichsweise moderat ausfällt. So verlor der Eurostoxx bisher über Nacht nur 1,8 %, nach dem Brexit-Votum waren es 9 %. Im Gegensatz zum Brexit-Votum sind die unmittelbaren Auswirkungen des Trump-Sieges auf den amerikanischen Markt offensichtlich größer als auf die europäische Wirtschaft. Ähnlich wie der S&P nach dem Brexit-Votum deutlich geringere Verluste hinnehmen musste als die europäischen Indizes, wird es wohl in diesem Fall zunächst vor allem die USA treffen. Darüber hinaus dürfte die Wahl von Trump in jenen Regionen den größten Schaden anrichten, gegen die er sich rhetorisch im Wahlkampf in Stellung gebracht hat. So verloren die Märkte in Asien wohl insbesondere deshalb so stark, weil Trump für Schwierigkeiten im Handel – etwa die Aufkündigung von Handelsabkommen – steht. Die Rhetorik im Wahlkampf richtete sich aber vor allem gegen den amerikanischen Nachbarn Mexiko. Der Wertverlust des Peso bewegte sich über Nacht im zweistelligen Bereich.

Aus unserer Sicht sind die – in Europa – bisher milden Verluste eher eine Moment- aufnahme als ein realistischer Gradmesser für die Zukunft. DAX und Eurostoxx erreichten bislang nicht einmal ihre Tiefpunkte von der letzten Woche, wo lediglich eine Umfrage, die Trump vorne sah, größere Schwankungen auslöste. Zweifelsohne sind die Finanzmärkte in eine Phase deutlich gestiegener Unsicherheit eingetreten. Vieles wird davon abhängen, wie sich der neue Präsident zu Beginn positioniert und ob er versuchen wird, die Gemüter zunächst zu beruhigen oder seine Versprechen umzusetzen.

Kursreaktion des Eurostoxx auf die Trump-Wahl und das Brexit-Votum

Blaue Linie: Reaktion des Eurostoxx 50 auf die US-Wahl am 8. November bis 9. November 12:55, Schwarze Linie: Reaktion des Eurostoxx 50 auf die Brexit-Entscheidung am 23.06, Kurseinbruch am 24.06. Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank

Blaue Linie: Reaktion des Eurostoxx 50 auf die US-Wahl am 8. November bis 9. November 12:55, Schwarze Linie: Reaktion des Eurostoxx 50 auf die Brexit-Entscheidung am 23.06, Kurseinbruch am 24.06. Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank