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Wochenbarometer
18.11.2016

"Eindeutiger Verlierer des Wahlsieges Trumps scheinen die Versorger zu sein", stellt HSH-Nordbank-Analyst Patrick Harms fest.

Die Hoffnung auf erhöhte Investitionen hat die Aktien der Infrastruktur- und Baubranche kurzfristig beflügelt (© Getty Images)

Die Hoffnung auf erhöhte Investitionen hat die Aktien der Infrastruktur- und Baubranche kurzfristig beflügelt (© Getty Images)

Die Trump-Rallye hat in dieser Woche ihr vorläufiges Ende gefunden. Im Eurostoxx ging es im Vorwochenvergleich fast 2 % nach unten. DAX (-0,42 %) und S&P 500 (0,23 %) blieben nahezu unverändert. Nachdem in der letzten Woche – in einzelnen Branchen – deutliche Zugewinne auf der Hoffnung auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs des gewählten US-Präsidenten basierten, scheinen die Investoren die Kurs-sprünge in dieser Woche noch einmal neu zu bewerten. Die Finanzmärkte bewerteten die Wahl Donald Trumps nach der Wahl deutlich optimistischer als vor der Wahl, was an den Kursbewegungen bei wichtigen Nachrichten im Wahlkampf abzulesen war. Auf Basis dieses Optimismus hat sich auch die Bewertung an den Rentenmärkten deutlich gewandelt. So hat das Zinsniveau einen deutlichen Sprung gemacht, eine Zinserhöhung im Dezember seitens der Fed ist nun mit knapp 95% eingepreist. Dieses neue, höhere Zinsniveau könnte den Aktienmärkten noch zu schaffen machen. Schließlich waren die vergleichsweise hohen Bewertungen insbesondere im S&P 500 nicht zuletzt aufgrund der langen Phase sehr niedriger Zinsen zustande gekommen.

Die Grafik unten zeigt die Entwicklung einzelner Sektoren seit letzter Woche im S&P 500, die von der Wahl Donald Trumps betroffen sind. In einigen Sektoren – etwa im Gesundheitssektor und auch im Verteidigungs- sowie dem Bausektor – hat sich die Rallye von letzter Woche deutlich abgeschwächt. Der Gesundheitssektor etwa hat im Vergleich zur Vorwoche knapp 2 % eingebüßt. Von der Wahl Trumps zum Präsidenten hat der Sektor aber weiterhin profitiert, was vor allem an der Angst der Investoren vor Hillary Clinton liegt, die eine offensivere Politik zur Begrenzung der Medikamentenpreise versprochen hatte. Bemerkenswert ist der deutliche Zuwachs im Finanzsektor. Trump hat im Wahlkampf gegen Regulierungen – wie den Dodd-Frank-Act – gewettert. Größere Teile der Zuwächse dürften aber auf das deutlich höhere Zinsniveau zurückzuführen sein, das es den Banken erlaubt, ihre Zinsmarge zu erhöhen. Als ein- deutiger Verlierer des Wahlsiegs Trumps scheinen sich bisher die Energieversorger (Utilities) herausgestellt zu haben. Trump setzt auf die Versorgung der Wirtschaft auf Basis von traditionellen fossilen Energieträgern (Kohle und Öl), viele Unternehmen im Sektor setzen jedoch auf erneuerbare Energien, die unter einem Präsidenten Trump einen Rückschlag erleiden könnten.

Große Neuigkeiten in der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der neuen Regierung hat es in dieser Woche nicht gegeben. Die Finanzmärkte scheinen Trump weiterhin beim Wort zu nehmen, wenn er drastische Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben – vor allem für Infrastruktur – verspricht. Ob sich eine solche Abkehr von den traditionellen republikanischen Werten im Kongress durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Die negativen Effekte seines ebenfalls angekündigten Protektionismus sind bislang nicht eingepreist. Bisher scheint das Prinzip Hoffnung zu dominieren.

Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank

Quellen: Bloomberg, HSH Nordbank