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Devisenmärkte
10.11.2016

"Trump schockt die Devisenmärkte nur kurzzeitig. Trump-Äußerungen und Fed bestimmen die weitere Entwicklung", glaubt Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Der Dollar kam nach dem Wahlsieg von Donald Trump weniger stark unter Druck als erwartet (© Getty Images)

Der Dollar kam nach dem Wahlsieg von Donald Trump weniger stark unter Druck als erwartet (© Getty Images)

Die Erwartungen für den USD/EUR waren im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl klar: Ein Trump-Sieg würde den US-Dollar schwächen. Jetzt, wo der Republikaner Donald Trump tatsächlich zum Präsidenten gewählt wurde, ist bisher lediglich eine leichte Schwächung der amerikanischen Währung zu beobachten. Nach einem kurzen Ausflug über die Marke von 1,125 hat sich der Wechselkurs wieder auf ein Niveau von etwa 1,11 zurück bewegt. Hierbei mag die versöhnlich klingende Rede Trumps am Morgen des 09.11. eine Rolle spielen. Grundsätzlich halten wir den US-Dollar vor dem Hintergrund der protektionistischen und damit wachstumsfeindlichen Pläne Trumps sowie der gestiegenen Wahrscheinlichkeit der Verschiebung der Leitzinserhöhung durch die Fed in das nächste Jahr fragil. Der US-Dollar bleibt damit anfällig für eine ausgeprägtere Schwäche gegenüber dem Euro.

EUR/GBP notiert aktuell bei 0,90 und sank damit im Berichtszeitraum um 0,4 %. Dabei war das alles überlagernde Ereignis der überraschende Wahlsieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen, der den Euro gegenüber dem Pfund aufwerten ließ. Ursächlich dafür ist die relative Stabilität des Euro im Vergleich zum Pfund, welches seit dem Brexit-Votum verstärkt als Risikowährung betrachtet wird. Zu Beginn der Woche ließ die einstimmige Entscheidung der Bank of England den Leitzins auf seinem Niveau von 0,25 % zu belassen das Pfund deutlich aufwerten. In der kommenden Woche werden Äußerungen des neuen US-Präsidenten ausschlaggebend für den weiteren Verlauf des Wechselkurses sein. Sollten diese Äußerungen in die Richtung seiner Wahlkampf-Rhetorik gehen, werden viele Investoren den Euro gegenüber dem Pfund bevorzugen.

Die Nervosität an den Finanzmärkten in Folge der US-Präsidentschaftswahl sorgte für eine zwischenzeitliche Reaktivierung des Yen als Safe Haven. USD/JPY fiel zwischenzeitlich auf 101,2 zurück. Mittlerweile hat der Yen wieder etwas abgewertet und liegt nicht mehr weit von dem Vorwochenstand entfernt bei knapp 104 USD/JPY. Da Asien von protektionistischen Maßnahmen durch die USA besonders hart getroffen werden könnte, sind neue, so genannte Angst-Trades in den nächsten Tagen wahrscheinlicher geworden. Das würde einen stärkeren Yen implizieren. Dies gilt auch vor dem Hintergrund einer wahrscheinlicher gewordenen Verschiebung der nächsten Fed-Leitzinsanhebung. Dazu kommt eine BoJ, die mit Glaubwürdigkeitsproblemen kämpft. So versucht sie glaubhaft zu versichern, dass ihre expansive Geldpolitik und die neuerlich eingeführte Steuerung der Zinsstrukturkurve effektiv umgesetzt werden. Jedoch ist fraglich, wie genau die Steuerung über die Menge (QE von 80 Billionen Yen/Jahr) und den Preis (Rendite zehnjähriger Staatsanleihen bei etwa 0 %) vorgenommen wird.

EUR/CHF verhielt sich diese Berichtswoche recht volatil und notiert derzeit bei 1,08. Somit wertete der Euro gegenüber dem Franken um 0,4 % auf. Der Triumph Donald Trumps sorgte auch beim Währungspaar EUR/CHF für deutliche Kursausschläge. Sank der Kurs im Verlauf der Wahlnacht zunächst stark, drehte er im weiteren Verlauf um, bei gleichzeitig hoher Volatilität. Anzunehmen ist, dass die Schweizerische Nationalbank ihre Ankündigung wahrgemacht hat, im Falle eines Wahlsiegs des Republikaners massiv zu intervenieren, um eine Aufwertung des als sicher geltenden Schweizer Franken zu verhindern. Fraglich ist jedoch, welche Dynamik sich letztendlich durchsetzen wird.