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21.11.2016

"Die Antizipation einer expansiven Fiskalpolitik Donald Trumps festigt die Erwartung einer Zinserhöhung der Fed im Dezember", meint Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Das Britische Pfund legte seit der US-Wahl einen erstaunlichen Höhenflug hin (© Getty Images)

Das Britische Pfund legte seit der US-Wahl einen erstaunlichen Höhenflug hin (© Getty Images)

Der EUR/USD befand sich im Berichtszeitraum unter Druck und sank um 1,9 % auf 1,073. Die Antizipation einer expansiven Fiskalpolitik des nächsten US-Präsidenten Donald Trump festigt die Erwartung einer Zinserhöhung der Fed im Dezember. In einer Rede am Freitag betonte Fed-Vizechef Stanley Fisher, dass die aktuellen Konjunkturaussichten einen Zinsschritt rechtfertigen würden. Diese fielen durchweg positiv aus: Der Einzelhandelsumsatz stieg im Oktober stärker als erwartet um 0,8 % MoM, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken um 11.000 auf 254.000. Darüber hinaus rückt das italienische Verfassungsreferendum am 04. Dezember näher und sorgt daher für Nervosität. Der Euro dürfte daher zur Schwäche neigen.

Derzeit steht das Währungspaar EUR/GBP bei 0,861 und damit um 2,3 % tiefer als zur Vorwoche. Das Pfund hat seit dem Triumph Donald Trumps einen erstaunlichen Höhenflug hingelegt. Die bisher eher ruhigen Töne des künftigen US-Präsidenten haben die Märkte augenscheinlich beruhigt und Risiko aus dem Markt genommen, wovon Risikowährungen wie das Pfund profitieren können. Auch die weiterhin guten Fundamentaldaten stützen die britische Währung. So sank die Arbeitslosenquote für das dritte Quartal von 4,9 % auf 4,8 %. Unsicherheiten gibt es jedoch auf politischer Seite. Ein internes Papier eines Beraters der Regierung legte offen, dass diese im Bezug auf den Brexit tief gespalten sei und dass 30000 zusätzliche Beamten eingestellt werden müssten, um die Arbeitslast zu bewältigen. Der Start der Verhandlungen könnte sich – so das Papier – um weitere sechs Monate verlängern.

Nach dem Trumpknick gewinnt der Dollar noch schneller an Wert als vor der Wahl, als der Markt noch Hillary Clinton als Siegerin der Präsidentschaftswahl erwartete. Im Berichtszeitraum wertete USD/JPY um 1,4 % auf 116,9 auf. Bei einem Treffen mit führen- den Wirtschaftsvertretern betonte der Chef der Bank of Japan (BoJ), dass er von einem Erreichen des Inflationszieles im Jahr 2018 ausgeht. Er stützte seine Aussage auf die Erwartung steigender Ölpreise und Löhne. Im dritten Quartal konnte die japanische Volkswirtschaft annualisiert um 2,2 % zulegen (Konsens: 0,9 %). Bestimmt wurde der Kurs jedoch hauptsächlich von der Stärke des US-Dollars. So wird an den Märkten allgemein erwartet, dass die Fed die Leitzinsen im Dezember anhebt, womit die Zinsdifferenz zwischen beiden Währungsräumen steigt und der Dollar gestützt wird.

EUR/CHF notiert aktuell bei 1,072. Der Euro wertete somit gegenüber dem Franken um 0,3 % ab. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) intervenierte nach dem Sieg Donald Trumps mit offensichtlich milliardenschweren Ankäufen auf den Devisenmärkten, um eine Aufwertung des Franken zu verhindern. Dies legen die Veränderungen der Sichteinlagen der SNB nahe. Dennoch notierte der Wechselkurs im Verlauf der Woche auf einem neuen Jahrestiefstwert. Thomas Jordan, Chef der SNB, wiederholte sodann mantraartig, dass man bereit sei, bei Bedarf weiter einzugreifen. Die Märkte scheint dies nicht zu überzeugen.