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11.10.2016

Interview mit Dietmar Beiersdorfer, Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG

Lern- und Entwicklungsziele aufzeigen (©Thies Rätzke)

Lern- und Entwicklungsziele aufzeigen (©Thies Rätzke)

Wie führen Sie den HSV: Als gewinnorientierte Firma oder als ambitionierten Fußballverein?
Dietmar Beiersdorfer:
Allein schon aus rechtlicher Sicht müssen wir den Klub wie ein Unternehmen führen, denn wir haben viele Auflagen und Verpflichtungen zu erfüllen. Ich glaube aber, dass es gerade beim HSV wichtig ist, den Klub emotional wie einen normalen Sportverein zu führen. Wir haben eine große Verantwortung gegenüber unserer großen Tradition und gegenüber denjenigen, die den Klub so weit gebracht haben.

Wie schwierig ist es, diese Tradition, diesen Anspruch mit der ökonomischen Wirklichkeit in Einklang zu bringen?
Dietmar Beiersdorfer:
Schwierig, natürlich haben wir den Anspruch, gute sportliche Ergebnisse zu erzielen. Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade unser Klub eine große Geschichte hat. Gleichzeitig müssen wir wirtschaftlich solide arbeiten – das ist eine Herausforderung.

Eine Besonderheit eines Fußballunternehmens ist, dass das Kerngeschäft – der sportliche Erfolg – viel mit Selbstbewusstsein und Willen zu tun hat. Wie halten Sie die Motivation hoch?
Dietmar Beiersdorfer:
Gerade in sportlich schwierigen Phasen ist es enorm wichtig, die Spieler und auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren. Wir müssen vermitteln, dass wir gemeinsam erfolgreich sein können. Natürlich haben Fußballspieler Druck, das ist normal. Deshalb sollten wir Ihnen vermitteln, dass wir an sie und ihre Stärke glauben. Und noch etwas: Auch für Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, darf die Tür nicht verschlossen werden. Sie müssen die Chance haben, sich durch Leistung zu empfehlen.

Im Fußball hat man nur Erfolg, wenn die Mannschaft geschlossen auftritt – gleichzeitig konkurrieren die Profis um Einsatzzeiten. Wie funktioniert da Teambuilding?
Dietmar Beiersdorfer:
Klar, das ist ein Spannungsfeld. Für das Teambuilding müssen die Verantwortlichen ein Händchen haben. Ich denke, es ist wichtig, allen Spielern Lern- und Entwicklungsziele aufzuzeigen, so dass sie Perspektiven haben, auf die sie hinarbeiten können.

Herr Beiersdorfer, Sie haben BWL studiert, können Sie sich vorstellen, in einer Firma außerhalb des Fußballs zu arbeiten?
Dietmar Beiersdorfer:
Ich habe gelernt, niemals nie zu sagen. Ich finde es wichtig, immer eine Offenheit zu bewahren. Als ich Fußballprofi war, habe ich mir nicht vorstellen können, einmal Wirtschaftsprüfungsassistent zu werden – das bin ich dann aber geworden und habe bei KPMG gearbeitet. Also: Ich würde nichts ausschließen.