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11.10.2016

Der Welthandel wächst, die Schiffe werden größer, die Menge der transportierten Güter nimmt zu. Gelingt es überhaupt noch, die Güter aus dem Hafen zügig weg zu transportieren?

Der Welthandel wächst, die Schiffe werden größer, die Menge der transportierten Güter nimmt zu. Gelingt es überhaupt noch, die Güter aus dem Hafen zügig weg zu transportieren?
Dr. Marcus Kleiner:
Die großen nordeuropäischen Häfen von Le Havre bis Hamburg haben im vergangenen Jahrzehnt ihre Kapazität insgesamt verdoppelt, gerade um mit größeren Schiffen klar zu kommen und den Abtransport der Güter ohne Stau gewährleisten zu können. Das funktioniert also.

Wie wichtig ist die Anbindung an das Hinterland für den Erfolg eines Hafens?
Dr. Marcus Kleiner:
Sehr wichtig. Man sieht das am Beispiel Wilhelmshaven, wo sich der Hafen gerade am Anfang aufgrund der nicht so guten Anbindung eher schwer getan hat.

Wie ist die Anbindung des Hamburger Hafens?
Dr. Marcus Kleiner:
Der Hamburger Hafen profitiert von einer guten Anbindung. Die Autobahnen A1 und A7 werden weiter ausgebaut. Auf der Schiene ist Hamburg ebenfalls gut verbunden. Zusätzlich betreibt die HHLA mit der Metrans eine erfolgreiche Güterbahn, die bis nach Tschechien unterwegs ist. Gerade in Hamburg sind die Flächen begrenzt, deshalb kommt es auf ein effizientes Management an.

Welcher Verkehrsträger ist am wichtigsten für den Gütertransport in Deutschland?
Dr. Marcus Kleiner:
Nach wie vor die Straße, auf der über 70 Prozent der Transporte laufen, die Schiene verteidigt etwa 16 Prozent, die Binnenschifffahrt liegt bei zirka zehn Prozent.

Auf den Straßen gibt es aber immer mehr Staus.
Dr. Marcus Kleiner:
Politisch ist der Ausbau der anderen Verkehrswege gewollt. Aber bei der Binnenschifffahrt ist ein Ausbau schwierig. Es ist einfach unrealistisch, neue Wasserstraßen zu erschließen. Und die Schiene befindet sich im Kostenwettbewerb mit der Straße und muss mit Vollkosten und Kapazitätsengpässen kämpfen. Und: Die Schiene ist langsamer als die Straße – die Zusammenstellung eines Güterzugs dauert viele Stunden. Ein LKW ist schnell beladen und dann unterwegs.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Logistik?
Dr. Marcus Kleiner:
Eine zunehmend große Rolle. Die Hamburger Hafengesellschaft HPA ist zu Recht stolz darauf, viele Abläufe digital zu steuern. Die südeuropäischen Häfen wie La Spezia und Genua werben damit, dass sie beim Abtransport der Güter vom elektronischen Leitsystem durch den Gotthardtunnel profitieren. Hier tut sich viel.

Investitionen in Infrastruktur kosten viel Geld. Derzeit sind die Zinsen niedrig. Ist es also ein guter Zeitpunkt, um große Projekte anzugehen?
Dr. Marcus Kleiner:
Geld für Investitionen gibt es am Markt. Die Frage ist: Wie wird das Geld zurückbezahlt? Wie können die Kosten umlegt werden? Außerdem müssen die Projekte geplant und genehmigt sein, um überhaupt umgesetzt werden zu können. Daran krankt es beispielsweise in Deutschland, wo hohe Summen deshalb gar nicht investiert werden können.

Infrastrukturprojekte finanzieren inzwischen neben Banken auch institutionelle Anleger wie Versicherungen – verändert sich der Markt dadurch?
Dr. Marcus Kleiner:
Die institutionellen Anleger sind auf der Eigenkapitalseite schon seit etwa 15 Jahren engagiert. Zuletzt waren viele Versicherungen durch das niedrige Zinsumfeld gezwungen, neue Wege zu gehen, um höhere Renditen zu erreichen und haben in der Infrastruktur auch den Kreditmarkt für sich entdeckt. Viele dachten, die Banken würden dadurch ersetzt. Das passiert aber nicht, weil bei den Banken viel Know-how vorhanden ist und sie sehr flexibel sind. Ich erwarte in der Zukunft ein produktives Miteinander beider Finanzierungsquellen.