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Wirtschaft
14.10.2016

Fintechs wollen das Banking einfacher machen. Auf der „Fintech Week“ in der Hansestadt werden daher zahlreiche neue Ideen für Finanzdienstleistungen vorgestellt. Einige sind geeignet, auch Unternehmer bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu inspirieren.

Beim "Bankathon" hatten Programmierer zwei Tage Zeit, neue Lösungen zu einem Problem im Zahlungsverkehr entwickeln (©Katrin Bpunkt/ Fintech Week Hamburg)

Beim "Bankathon" hatten Programmierer zwei Tage Zeit, neue Lösungen zu einem Problem im Zahlungsverkehr entwickeln (©Katrin Bpunkt/ Fintech Week Hamburg)

Neue Trends und Konzepte der Finanzbranche stehen im Zentrum der ersten deutschen "Fintech Week", die in diesem Jahr in Hamburg stattfand – 2000 Akteure aus der Fintech- und der Bankenbranche waren bei dem Event im Betahaus Hamburg dabei. "In Hamburg gibt es ein großes Interesse an digitalen Finanzdienstleistungen", sagt Clas Beese vom Mitveranstalter Finletter, einem Nachrichtenportal für Fintechs. Ein Höhepunkt der rund 20 Veranstaltungen war der "Bankathon". Hierbei mussten rund 200 Programmierer binnen zwei Tagen neue Ideen für digitale Finanzdienstleistungen entwickeln und anschließend vor Publikum präsentieren. Ein Trend in diesem Jahr war das Banking per Spracheingabe – ein Vorbild ist hier sicher "Siri". Der sprachbegabte persönliche Assistent ist jedem Besitzer eines iPhones bekannt. So zeigte das Team "Bank a Pizza", wie sich ein Sprachbot meldet, wenn eine Transaktion den Kontostand überschreitet.

Mehrere Teams konzentrierten sich auf Multibanking-Funktionen. Das Team "$Taesch" zeigte, wie man bei einer Zahlung verschiedene eigene Bankkonten zusammen nutzt: Falls ein Konto nicht liquide ist, springt ein anderes ein – der Nutzer bemerkt das später auf dem Auszug, nicht aber beim Bezahlen selbst. Auf Immobilienunternehmen zielt die Lösung des Teams "Mall 4.0", mit dem man Einkaufszentren in aller Welt verwalten und sich die Entwicklung des realen Cashflows in Echtzeit anzeigen lassen kann. Deutlich bemerkbar auch der Trend zur Gamification – "Feather" präsentiert Finanzinformationen wie einen Wetterbericht, bei "Stock Battle" erinnert der Vergleich der Wertentwicklung von Musterdepots an "Pokémon Go".

Ein Hintergrund des aktuellen Innovationsschubs ist die kommenden EU-Zahlungsdiensterichtlinie Payment Services Directive 2 (PSD2): diese ermöglicht Drittparteien den Zugang zu Zahlungskonten bei Finanzinstituten. Ein Katalysator für die Fintech-Branche. Das mit der Wortschöpfung aus "financial services" und "technology" beschriebene Segment umfasst alle Unternehmen, die moderne Technologien für Bankgeschäfte entwickeln. "Fintech wird heute noch stark mit Lösungen für den Endverbraucher in Verbindung gebracht. Lösungen für Unternehmen sind noch selten", sagt Jan Aulerich, Produktmanager im Transaction Banking der HSH Nordbank. Im Fokus der Entwickler stehen derzeit noch vorrangig Lösungen für Verbraucher, die mit dem Smartphone bezahlen, Geldanlagen organisieren oder Leasing-Angebote vergleichen wollen. Denn die Hürden für neue Zahlungsdienstleister seien nicht zu unterschätzen. "Startups kommen mit neuen Ideen schnell ins Geschäft, scheitern aber an regulatorischen Bestimmungen, die auch finanziert werden müssen bzw. deren Einhaltung dem Geschäftsmodell widersprechen", sagt Aulerich. "Ab einem bestimmten Geschäftsumfang (bzw. Größe) sieht die Bafin ganz genau hin."

Einige Fintechs beschäftigen sich schon mit dem Zukunftsthema Blockchain. Ein dezentrales Protokoll für Eigentumsverhältnisse sowie Transaktionen zwischen Parteien, das jede Veränderung transparent erfasst, ermöglicht Zahlungen ohne Intermediär und ist deshalb gerade im Mikropaymentbereich erfolgsträchtig. "Für Unternehmer kann die Blockchain interessant werden, weil sie vergleichbar mit dem http-Protokoll, auf dem das WorldWideWeb basiert, die Grundlage für in der Frühphase ungeahnte Lösungen in der Industrie 4.0 bieten kann", sagt K.Victor Henckel von Donnersmarck, Vorstandsreferent bei der HSH Nordbank.

Auf Corporates zielen Fintechs, die deren Finanzierungsbedarf einfacher decken wollen. Für Mittelständler interessant ist zum Beispiel die Geschäftsidee von Compeon. Auf dem Portal können Unternehmen ihren Finanzbedarf wie Finanzierungen platzieren und Angebote von Banken einholen.

Ein weiteres Beispiel ist die Hamburger Softwarefirma figo. Das Startup hat eine Banking-Schnittstelle im Programm. Diese bietet eine Anbindung zu den Rechenzentren fast aller deutschen Kreditinstitute und ermöglicht es Entwicklern, Bankingfunktionen wie etwa eine Kontostandsanzeige in eine andere App einzufügen.