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21.10.2016

"US-Berichtssaison verläuft bisher erfreulicher als zuletzt erwartet", sagt HSH Nordbank-Analyst Patrick Harms.

DAX und Dow zeigten in der vergangenen Woche eine aufstrebende Tendenz (© Getty Images)

Die internationalen Aktienmärkte konnten in dieser Woche wieder zulegen. Damit wurden die Verluste aus der Vorwoche wieder wettgemacht. Der Dax stieg um 1,65 % und notiert nun wieder über 10650 Punkten, der S&P 500 legte 0,82 % zu und der Euro Stoxx sogar 2,53 %. In der Woche vor der EZB-Sitzung gab es mehrere Gründe für steigende Kurse. Zum einen wurden in China – nach den enttäuschenden Außenhandelsdaten aus der letzten Woche – für das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal mit 6,7 % eine Zahl veröffentlicht, die darauf hindeutet, dass sich die chinesische Wirtschaft im Moment stabilisiert. Zum Anderen scheint sich der Ölpreis gegenwärtig über der 50-USD-Marke zu stabilisieren, was dem Öl- und Gassektor hilft.

Vor allem die USA stecken bereits mitten in der Berichtssaison. Im S&P 500 haben bisher 81 Unternehmen ihre Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht. Insbesondere für den Finanzsektor verlief das Quartal überraschend gut: Auf Basis von 19 von 95 Unternehmen (darunter Schwergewichte aus dem Bankensektor wie Bank of America und Goldman Sachs) fielen die Umsätze um 3,6 % stärker aus als erwartet, die Gewinne lagen sogar 25,8 % über den Erwartungen. Die Aktien aus dem Finanzsektor im S&P konnten daraufhin in dieser Woche 1,7 % zulegen (Grafik unten). Erfreulich war die Gewinnentwicklung auch im IT-Sektor, wo die Gewinne um 4,4 % über den Erwartungen lagen, was zu Kursgewinnen in dieser Woche um 0,9 % führte. Enttäuschend verlief die Berichtssaison bisher für den Konsum-Dienstleistungssektor. Die Umsätze lagen um 0,7 % unter den Erwartungen und die Aktienkurse verloren 1,3 % gegenüber der Vorwoche. Die Zahlen für den Gesamtsektor enttäuschten, obwohl der Kurs des Streaming-Unternehmens Netflix, mit starken Nutzer-Wachstumszahlen und Gewinnen, die doppelt so hoch lagen wie erwartet, einen Sprung um 20 % nach oben machte. Insgesamt verläuft die Berichtssaison in den USA bisher also deutlich erfreulicher als noch in der letzten Woche erwartet wurde, nachdem der Metall-Konzern Alcoa schwache Zahlen ablieferte: Die Umsätze liegen bisher 1,23 % und die Gewinne mehr als 7 % über den Erwartungen.

In Deutschland stehen in dieser Woche die Veröffentlichungen von Daimler und SAP, sowie in der nächsten Woche von Bayer an. Wenn es bei diesen drei Schwergewichten im DAX zu Überraschungen kommt, wird dies den Aktienmarkt stark bewegen.

Die EZB-Ankündigung, über die mögliche Verlängerung des Quantitative Easing-Programms vorerst noch keine Entscheidung getroffen zu haben, drückte den DAX am Donnerstagnachmittag (nach Ende der Berichtsperiode) kurzfristig einige 100 Punkte nach unten, um dann noch einmal deutlich anzusteigen. Nach der EZB-Pressekonferenz wird nun mit einer Präzisierung bezüglich des EZB-Programms im Dezember gerechnet. Draghi erteilte einem abrupten Ende des Ankaufprogramms eine deutliche Absage. Wir rechnen daher damit, dass die EZB auf ihrer Dezember-Sitzung die Verlängerung des Programms beschließen wird.