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Industrieunternehmen
20.10.2016

In Deutschland gibt es so viele Industrie-Beschäftigte wie zuletzt 2005. Doch die Robotik und die Digitalisierung der Wirtschaft sind schon dabei, den Arbeitsmarkt umzukrempeln

Das deutsche Industrieroboter-Vorzeigeunternehmen Kuka wird durch den chinesischen Midea-Konzern übernommen (© Getty Images)

Das deutsche Industrieroboter-Vorzeigeunternehmen Kuka wird durch den chinesischen Midea-Konzern übernommen (© Getty Images)

Bei den deutschen Industrie-Unternehmen läuft es rund. Erstmals seit dem Jahr 2005 haben sie wieder mehr als fünf Millionen Mitarbeiter, wie das Statistische Bundesamt in diese Woche mitteilte. In den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 50 Beschäftigten waren Ende August dieses Jahres 5,425 Millionen Personen tätig – ein Rekord, mit dem die wenigsten Experten gerechnet hatten.

Die solide Konjunktur und das stabile Exportgeschäft unterfüttern den Trend. Dabei ist die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland vom 4. Quartal 2015 bis zum zweiten Quartal 2016 sogar gesunken.

Arbeitsstunden sinken, Mitarbeiterzahlen steigen – ein Szenario, dass sich kaum in die Zukunft projizieren lässt. Denn nach einer "FAZ"-Umfrage unter den Top-Managern der 350 größten Konzerne der Welt sollen in den nächsten fünf Jahren in den Industrieländern fünf Millionen Arbeitsplätze wegfallen. In der bereits angelaufenen nächsten Welle der industriellen Revolution ("Industrie 4.0") geht es dann auch den Angestellten an den "weißen Kragen". Sieben Millionen Stellen stehen zur Disposition, wobei der Umfrage zufolge im Gegenzug bis 2020 allerdings auch zwei Millionen neue Stellen für Computerspezialisten und Techniker geschaffen werden sollen.

Deutschland mit seiner starken Autoindustrie ist von dem Trend in besonders starken Maße betroffen. Mehrzweck-Industrieroboter haben 2015 hierzulande einen Produktionswert von 938,5 Millionen Euro erzielt - fast doppelt so viel wie im Jahr 2009, in dem Produktion allerdings auch von den Nachwehen der Finanzkrise beeinträchtigt war. Noch deutlicher zeigt sich der Robotik-Boom beim weltweiten Absatz von Industrierobotern. Wurden im Nachkrisenjahr 2009 weltweit lediglich 60.000 Industrieroboter verkauft, waren es 2015 bereits 254.000. Im vergangenen Jahr gingen dabei etwa die Hälfte davon an Besteller aus der Automobil- und Metallindustrie. Das zeigt die Dimension für das "Roboterland" Deutschland auf. Daran ändert auch die Übernahme des deutschen Industrieroboter-Vorzeigeunternehmens Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern nichts: Im internationalen Vergleich der Industrieroboterproduzenten ist Kuka eher ein kleiner Fisch. Im Jahr 2014 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 806 Millionen Euro. ABB Robotics und der Weltmarktführer Mitsubishi Electric schafften 2014 mit ihren mit Robotern befassten Abteilungen mehr als den zehnfachen Umsatz von Kuka.

Für das Jahr 2018 wird ein weltweiter Bestand von rund zwei Millionen Industrierobotern prognostiziert. Im Jahr 2025 soll dann ein Punktschweiß-Roboter, wie er etwa derzeit in der US-amerikanischen Automobilindustrie zum Einsatz kommt, nur noch durchschnittlich etwa 70 Prozent des heutigen Kaufpreises kosten. Es werden also nicht nur mehr Roboter produziert, sondern sie werden auch noch günstiger – eine gute Nachricht für Unternehmen, jedoch weniger für den Inhaber eines Industriearbeitsplatzes.