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14.10.2016

Wenig spricht dafür, dass das vor zwei Wochen angekündigte Abkommen der OPEC-Staaten Aussicht auf Erfolg hat. Dass Russland sich trotz aller Zusagen an den Ölproduktionskürzungen beteiligt, ist betriebswirtschaftlich unwahrscheinlich

Eine Drosselung der russischen Ölförderung ist unwahrscheinlich (© Getty Images)

Nachdem bereits die OPEC die Märkte mit einer vorläufigen Einigung über Ölproduktionskürzungen überrascht hat, springt nun auch Russland scheinbar auf diesen Zug auf und hat seinerseits versprochen, sich an diesem Abkommen zu beteiligen. Insgesamt reagierten die Märkte mit einem Preissprung.

Allerdings sind ernsthafte Zweifel angebracht, in welcher Weise Russland sich tatsächlich an der OPEC-Vereinbarung beteiligt, wie verbindlich das Abkommen sein wird (die offizielle OPEC-Sitzung ist am 30. November) und ob - wenn es tatsächlich zu Produktionskürzungen kommt - diese nicht durch zunehmende Aktivität im US-Schieferölsektor konterkariert wird.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sich am Montag positiv zu einer möglichen Förderkürzungen der OPEC geäußert. Diese Äußerungen wurden gestern von Russlands Energieminister Nowak dementiert, der die Förderkürzung ablehnt und damit seinem Präsidenten Wladimir Putin widerspricht. Der Energieminister sagte, es sei allenfalls denkbar, die Produktion auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren. Der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, schloss hingegen ein Einfrieren der Fördermenge für sein Unternehmen aus.

Die Verlautbarungen aus dem Kreml bedeuten also offensichtlich nicht, dass sich die gesamte russische Ölindustrie bei der Förderung zurückhalten wird. Die russischen Ölkonzerne sind mehrheitlich Unternehmen im Privatbesitz und verfolgen ein unabhängiges Gewinnmaximierungskalkül. Eine Annäherung Russlands an die OPEC unter Einbindung dieser privat agierenden Unternehmen käme daher überraschend. Viele russische Förderer können mit derzeitigen Ölpreisen sehr gut leben, und produzieren zu derzeitigen Preisen immer noch oberhalb der kritischen Gewinnschwelle. Wie die jüngsten Geschäftszahlen der russischen Ölgesellschaften zeigen, sind sie in der Lage bei einem Wechselkurs von 65 RUB/USD zu durchschnittlichen Kosten i.H.v. von 11 US-Dollar/Barrel zu fördern. Die russische Ölindustrie profitiert dabei von einer sehr niedrigen Kostenbasis, einer lokalisierten Serviceindustrie (d.h. es besteht hier kein Währungsrisiko) und einer progressiven Besteuerung der Ölförderung. Ein Abweichen von einer möglichen Vereinbarung wäre für ein russisches Ölfördererunternehmen profitabel. Die Anreize dazu sind also hoch. Es sei denn, man versteht in der russischen Öl-und Gaswirtschaft Putins verbale Intervention als eine Verpflichtung sich daran zu beteiligen.

Es ist noch längst nicht entschieden, dass es tatsächlich zu einer Umsetzung der Angebotseinschränkung kommen wird. So ist das Potential eines Scheiterns des Abkommens nicht zu vernachlässigen, vor allem der Irak ist derzeit keineswegs an einer Begrenzung der Fördermengen interessiert. Das irakische Förderniveau lag im September mit 4,46 Mio. Barrel/Tag auf einem Rekordhoch und war u.a. eine der größten Streitpunkte auf dem Treffen in Algier vor rund zwei Wochen. Damit steht der Irak nicht allein. Der Iran, Nigeria und Libyen förderten nach Angaben von Offiziellen im September rund 600 Tsd. Barrel/Tag mehr als die Konsensschätzungen von Bloomberg und Reuters erwarten ließen. Der gesamte Ausstoß des Rohstoffkartells ist im September auf ein Rekordhoch von 33,64 Mio. Barrel/Tag gestiegen.

Das impliziert, dass die OPEC die Förderung um 0,64 bis 1,14 Mio. Barrel/Tag reduzieren müsste, um die vereinbarte Obergrenze von 32,5 bis 33 Mio. Barrel/Tag zu erreichen. Weitere Förderzuwächse durch die OPEC-Staaten legen nahe, dass Saudi-Arabien größere Einschnitte machen müsste, um dieses Ziel zu erreichen. Dies würde jedoch die finanzielle Situation des Königreichs weiter anspannen, da es zwangsläufig an Marktanteilen und Umsatz verlieren würde.

Sollte es dennoch zu der angekündigten Produktionskürzung der OPEC kommen, dürfte die Investitionstätigkeit im US-Schieferölsektor verstärkt werden. Insbesondere in der Permian-Region, größte Schieferölregion, sollte die Investitionsdynamik bei Preisen um 50 US-Dollar/Barrel kräftig zunehmen. Angesichts dessen haben wir Berechnungen angestellt, wie sich die durchschnittliche Tagesproduktion in den USA im kommenden Jahr bei verschieden hohen Öl-preisen entwickeln Dollar/Barrel, das ist der Preis, bei dem praktisch alle Ölfirmen in den USA wieder zu fördern beginnen, erwarten wir einen Anstieg der US-Förderung um 800 Tsd Barrel/Tag.

Insgesamt spricht also wenig dafür, dass das vor zwei Wochen angekündigte Abkommen der OPEC-Staaten Aussicht auf Erfolg hat. Sollten zudem die drei großen Energieagenturen (IEA, EIA und OPEC) das momentane Überangebot in ihren Monatsberichten bestätigen, erwarten wir eine baldige Preiskorrektur an den Ölmärkten. Kurzfristig wäre ohne weiteres ein Rückschlag der Ölpreise auf ein Niveau von nahe 40 US-Dollar/Barrel möglich - dem Preisniveau von Anfang August, bevor die OPEC verbal intervenierte.

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